Timo Aichele, stellv. Redaktionsleiter
+
Timo Aichele, stellv. Redaktionsleiter

(BE)MERKENSWERTES DER WOCHE

Das nächste Dorfener Bahnunglück mit Ansage

  • vonTimo Aichele
    schließen

Im Dorfener Stadtrat stehen sich beim Thema Bahnausbau die Lager weiter unversöhnlich gegenüber. Eine „bessere Lösung für Dorfen“ wird so nicht wahrscheinlicher. Unser Kommentar.

Der Bahnausbau ist ein Jahrhundertprojekt – wegen der Debatte über den richtigen Schallschutz auch für Dorfen. Deswegen ist eine engagierte Stadtratsdiskussion aller Ehren wert. Doch nicht nur die Planer – der unabhängige Vieregg und DB-Vertreter Zellmer – leben anscheinend in unterschiedlichen Welten. Das gilt ebenso für die zwei Lager im Stadtrat und der Bürgerschaft. Für die einen ist der Schallschutz durch tiefergelegte Gleise eine Vision, für die anderen eine Illusion.

Warum ist das nach Jahren immer noch so? Warum an diesem Mittwoch im Stadtrat? Spätestens nach dem Bahn-Workshop Mitte Oktober muss allen Beteiligten klar gewesen sein, dass sich die Planungen von Vieregg und Zellmer unvereinbar gegenüber stehen. Und dass der von der DB Netz AG proklamierte Kostenunterschied von 40 Millionen Euro der Untergang der Vieregg-Variante sein wird.

Die vergangenen vier Wochen wären die letzte Chance gewesen, um eine Kommunalpolitik mit Schlagkraft zu entwickeln – mit einem Mindestmaß an Einigkeit, mit guten gemeinsamen Argumenten. Die letzte Chance, weil das Ultimatum des Bundesverkehrsministeriums bereits lief.

Diese vier Wochen sind aber ungenutzt verstrichen, das haben die unversöhnliche Endlosdebatte und das Gezerre um den richtigen Beschlussvorschlag bewiesen. Die Verantwortung liegt hier vor allem bei Bürgermeister Heinz Grundner. Statt den Dialog zu fördern, hat er vor der Sitzung geglaubt, mit einem Schweigekurs Kritiker an der Bahn-Variante kaltstellen und dann überrumpeln zu können. Bei derart streitbaren und kompetenten Räten musste das scheitern. Der folgende Bahn-Crash war absehbar.

In unverminderter Sturheit ignorieren gleichzeitig die Vieregg-Jünger jedes rote Signal. Der Verdacht, dass der Widerstand von Zellmer & Co. nicht nur auf neutralem Sachverstand beruht, ist zwar nachvollziehbar. Die DB Netz AG ist hier selbst Partei und verteidigt ihre Planung. Aber auch wer Zellmers Motive anzweifelt, muss anerkennen: Sein Wort hat Gewicht.

Sogar noch im Stadtrat hat Grundner versucht, sich um ein klares Statement herumzudrücken. Zunächst stichelte er nur mit offensichtlich zuvor eingeflüsterten Fachfragen gegen Vieregg. Wohltuend klar und angesichts der aufgeheizten Stimmung mutig positionerte sich einzig und allein seine CSU-Kollegin Barbara Lanzinger – mit einem deutlichen Nein.

Das Ergebnis der Stadtratssitzung ist nun Ausdruck des kollektiven Politikversagens in Dorfen. Verhandlungsspielräume sind für eine neue Besprechung mit der Bahn praktisch nicht vorhanden. Die Last-Minute-Südverschiebung der Trasse ohne Tieferlegung, wie sie manche Stadträte andeuteten, wird ein Traum bleiben. Zellmer hat ihn mit klaren Aussagen über Bodenprobleme und Grundverfügbarkeit bereits platzen lassen.

Eine „bessere Lösung“ wird sich auf Äußerlichkeiten beschränken. Und auf Dorfen rast mit der Stadtratsdebatte am 2. Dezember das nächste Bahnunglück zu.

Auch interessant

Kommentare