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Das Neustart-Jahr im Dorfener Tonwerk

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Von: Timo Aichele

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„Bei jedem Event ist die Schlosserei dabei“: die Tonwerk-Chefs Andreas Wagner (r.) und Michael Lanzinger in der neuen Veranstaltungshalle..
„Bei jedem Event ist die Schlosserei dabei“: die Tonwerk-Chefs Andreas Wagner (r.) und Michael Lanzinger in der neuen Veranstaltungshalle. © Timo Aichele

Im Tonwerk sollen heuer die Event-Halle Schlosserei und der Club Heizwerk eröffnet werden. Nach dem Ausstieg von Tobi Maier bilden nun Andi Wagner und Michael Lanzinger das Geschäftsführer-Duo.

Dorfen – 2022 wird das Neustart-Jahr im Tonwerk Dorfen. Wie überall in der Club-Szene herrscht Corona-Stillstand in der Dorfener Party-Stadt, das Team ist in Kurzarbeit. Gleichzeitig warten schon zwei neue Locations auf ihre ersten Gäste. Die „Schlosserei“, eine Allround-Veranstaltungshalle, sowie die künftige Herzkammer, der Club „Heizwerk“, sollen heuer endlich eröffnet werden. Die erzwungene Ruhe gibt den Tonwerkern Zeit, einen großen Umbruch zu einem Aufbruch zu machen. Im Herbst ist Tonwerk-Mitgründer Tobi Maier ausgestiegen. Jetzt besteht die Geschäftsführung aus Andreas Wagner, dem zweiten Mann des damaligen Gründungs-Duos, und Michael Lanzinger.

Trotz der Pandemie lehnen sich die beiden nicht zurück – Projekte gibt es viele. „Für unseren Dauerbetrieb planen wir gerade nicht zu viel“, meint Wagner (28). „Nur das Mogli’s dürfte öffnen. Alles andere läuft unter Club- und Disco-Konzession“, erklärt sein 27-jähriger Geschäftspartner, der seit Ende 2019 mit im Team ist.

Dennoch stehen auf der Tonwerk-Homepage schon viele Termine. Die erste bereits feststehende Veranstaltung ist ein Streetfood-Wochenende ab dem 22. April. Das Frühlingsfest mit Dorfener Autoschau könnte ab dem 25. Mai zum Highlight für Dorfen werden.

Die Schlosserei soll dabei quasi als Bierzelt fungieren, und auf dem Gelände werden verschiedene Biergärten aufgebaut. Konzeptionell steht das Frühlingsfest unter dem Motto „Fuchsdeifiswuid“ – wie andere zünftig bayerische Veranstaltungen im Tonwerk-Program. „Wir haben neue Formate definiert. Geschaut, was zu uns passt und zu den Leuten“, so Lanzinger. Alles solle das „Tonwerk-Gefühl“ widerspiegeln.

Wiederkehrende Eventreihen sind neben Fuchsdeifiswuid das Techno-Festival Megaton, Open Air Club, Streetfood Markt, Vintage & Fashion-Flohmärkte und Weihnachtsmarkt. Darüber hinaus können sich auch externe Veranstalter oder Privatpersonen in den verschiedenen Locations einmieten. „Wir haben etliche Anfragen für die Schlosserei“, berichtet Lanzinger – Indoor-Biergarten, Hochzeiten, Kabarett, Comedy. „Bei Hochzeiten sind wir schon im Jahr 2023 angekommen.“

Geplant wird nur für die nähere Zukunft. Kurzfristig weiß niemand, was die Pandemie erlaubt. „Momentan läuft jeder im Standgas“, erzählt Lanzinger, der sich selbst als „Gastro-Kind“ bezeichnet und Studium sowie Erfahrungen in Medien und Marketing vorzuweisen hat. Wagner hat eine Ausbildung in IT und Elektronik, ein Studium in Druck- und Medientechnik – und jede Menge Event-Erfahrung. Zusammen führen sie ein etwa 80 Personen großes Team inklusive 450-Euro-Kräften – vom Marketing über Event-Management, Verwaltung und Gastro bis hin zur Logistik. Zwölf Vollzeitkräfte sind darunter.

„Wir haben viele Planungen gemacht, die für die Katz waren. Das macht einfach keinen Spaß“, erzählt Wagner vom vergangenen Jahr. Die Erfahrungen seien frustrierend gewesen. „Wir hatten alles durchgeplant – vom Club-Lineup bis hin zur Vor-Silvester-Party.“ Das Tonwerk-Team wurde dabei unsanft ausgebremst – nicht nur von der Pandemie.

Denn die Schlosserei hätte schon Mitte September mit einem großen Bier- und Weinfest als neue Location starten sollen. Die Bands waren gebucht, die Werbung lief schon. Doch es fehlte noch eine letzte Genehmigung vom Landratsamt – Brandschutz. In letzter Minute musste die Reißleine gezogen werden. „Wir haben die Bearbeitungszeiten unterschätzt“, gibt Lanzinger zu. Die Verantwortung dafür liege aber nicht auf Seiten der Behörden, betont er. Bei Sanierungsprojekten an solchen Altbauten stoße man immer wieder auf unvorhergesehene Probleme. „Jetzt ist die Schlosserei aber komplett durch“, berichtet Lanzinger.

„In diesem Sommer muss was möglich sein“, ist Wagner überzeugt. Neben den bereits feststehenden Terminen, werde das Tonwerk-Team im April mit den Openair-Planungen beginnen. „Bei jedem Event ist die Schlosserei mit dabei.“ Auch Kabarett könnte es wieder geben. „Im Bereich Kabarett sehen wir uns als Plattform“, sagt Lanzinger. Die Veranstaltungen wurden mit zwei externen Agenturen aufgezogen – wie im Kultur-Sommer 2021 mit Künstlern wie Erwin Pelzig, Martin Frank oder Stefan Otto. Wenige Kilometer entfernt, im Kulturzentrum Jakobmayer, hat das damals für Irritationen gesorgt. Typisches Jakobmayer-Programm im Tonwerk, während die städtische Einrichtung gleichzeitig einige wegen der Pandemie verschobene Veranstaltungen nachholte.

Es gab damals Gespräche, die allerdings ohne Ergebnis blieben. Um Konkurrenz gehe es nicht. „Wir sind alle Dorfener“, erklärt Lanzinger. Womöglich könne es künftig Kooperationen geben. Die Schwierigkeit sei aber auch, dass der Jakobmayer lange im Voraus plane, während im Tonwerk die Zeithorizonte etwas kürzer sind.

Für eine Partymeile ist ein Club das Herzstück. Im Tonwerk wird es das „Heizwerk“ sein, das im Herbst 2021 auch zum Leben erweckt werden sollte. Heuer ist es soweit. „Das ist einer der großen Meilensteine, weil gerade im Club das größte Herzblut steckt“, sagt Lanzinger.

Noch ist das Heizwerk aber ein Geheimprojekt. Rohre und alte Technik werden diesem Club ein besonderes Flair geben. Wie das genau aussieht, damit wollen die Tonwerker die Öffentlichkeit aber überraschen, bis auch hier die letzten Genehmigungen vorliegen und Disco-Abende coronabedingt wieder möglich sind.

Die Vorfreude ist groß, denn Techno, House und Electro sind die ursprüngliche DNA aller Tonwerk-Träume. Andi Wagner und Tobi Maier alias DJ Sonnengruss hatten mit Open Airs in Oberdorfen und Clubbing im E3 begonnen. 2019 sollte das Tonwerk richtig durchstarten – und wurde bald von der Pandemie ausgebremst.

Das Auseinanderbrechen des früheren Führungsteams ist da ein großer Umbruch. Maiers Weggang habe eine große Umstrukturierung nötig gemacht. „Man kann da nicht jemand einfach hinsetzen und sagen: Mach das wie der Tobi. Es kamen schon viele Fragen“, meint Wagner. „Aber dadurch, dass nicht viel los war, war die Einarbeitung gut möglich“, ergänzt Lanzinger.

Und die Gründe? Tobi Maier hatte von „persönlichen Gründen“ gesprochen. „Mit so einem schnellen Wachstum, das wir durchmachen, kommen Wandlungen und Veränderungen“, sagt Wagner dazu. „Ich find’s megaschade, aber es muss weitergehen.“

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