Grünes Treffen der Generationen: Vorkämpferin Hanna Ermann (Bild oben, M.) mit (v.l.) Susanne Holzner, Grünen-Kreissprecher Stefan Herbasch, Cordula Schwalb, Michael Rott, Ulli Frank-Mayer und Winfried Eckardt.
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Grünes Treffen der Generationen: Vorkämpferin Hanna Ermann (Bild oben, M.) mit (v.l.) Susanne Holzner, Grünen-Kreissprecher Stefan Herbasch, Cordula Schwalb, Michael Rott, Ulli Frank-Mayer und Winfried Eckardt.

Grüne Dorfen

„Das ökologische Gewissen von Dorfen“: Hanna Ermann tritt nach 35 Jahren nicht mehr als Ortssprecherin der Grünen an

  • VonTimo Aichele
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Die Gründerin des Grünen-Ortsverbands Dorfen, Hanna Ermann, war 35 Jahre lang seine Sprecherin. Nun trat sie nicht mehr zu Wahl an.

Dorfen – Bei den Dorfener Grünen ist am Donnerstagabend eine Ära zu Ende gegangen. Die Gründerin des Ortsverbands und Jahrzehnte lange Vorreiterin, Hanna Ermann, stellte sich nicht mehr als Sprecherin zur Wahl. Dieses Amt hatte sie vom ersten Moment, also seit 35 Jahren, innegehabt. „Ich bin ja wirklich ein Fossil“, sagte sie im Jakobmayer-Saal. Sie wisse, dass sie den Ortsverband in gute Hände übergeben könne: das in der in der Jahreshauptversammlung einstimmig gewählte Sprecherquartett Ulli Frank-Mayer, Michael Rott, Cordula Schwalb und Winfried Eckardt.

Ermann hatte 1986 den Ortsverband gegründet, kurz nachdem sie mit ihrer Familie nach Dorfen gezogen war. Eingetreten sei sie bereits 1981, und schnell engagierte sie sich in ihrem damaligen Wohnort Gaden (Gemeinde Eiting) für grüne Themen. Die Dorfener Gründung fand am 2. Dezember 1986 mit 19 Mitgliedern statt. Die erste Veranstaltung sei mit „Flüchtlinge in unserer Stadt“ überschrieben gewesen, erinnert sich die 67-jährige. „Man sieht: die Themen kehren immer wieder, aber die Zeiten waren schon noch andere. Die Plakate haben wir zum Beispiel noch mit der Hand gemalt.“ Bereits 1987 habe es eine Grünen-Veranstaltung zur B 15 neu gegeben, ganz zu schweigen vom Kampf gegen die A 94 durchs Isental. „Ein Backflash“, sagte die studierte Architektin, die als Verkehrsplanerin und später bei Tagwerk gearbeitet hatte. Weitere Politikfelder waren die Volkszählung, der Einsatz von Herbiziden und Streusalz durch den Bauhof sowie ab 1989 der Einsatz alternativer Energien. „Da haben wir eine Solarheizung für das Dorfen Schwimmbad gefordert, die ja später auch kam“, berichtete Ermann.

1990 kandidierte erstmals eine Grün-Alternative Liste für den Dorfener Stadtrat. „Ich war eine mehrfache Zumutung für die Dorfener – eine Frau, eine Grüne, eine Zugezogene, evangelisch und verheiratet mit einem oberfränkischen Sozi“, sagte die leidenschaftliche Politikerin am Donnerstag lachend.

20 Jahre Grüne feierte Hanna Ermann (vorne) im Jahr 2000 mit Parteimitgründerin Ruth Paulig (l.). und weiteren Parteifreunden.

Im Wahlprogramm sei bereits damals Klimaschutz und Energiesparen das Schwerpunktthema gewesen. „Wenn die Politik damals auf die Wissenschaft und auf uns Grüne gehört hätte, dann hätten wir jetzt nicht 30 wertvolle Jahre verloren“, erklärte Ermann nun.

7,2 Prozent der Stimmen brachten der GAL zwei Stadtratsmandate: Ermann und der junge Andi Landshammer. Bereits im April 1991 hätten die Grünen das Thema Radverkehr auf der Agenda gehabt. Lachend stellten die Parteifreunde fest, dass dies also nicht die Erfindung der amtierenden Stadträtin Susanne Streibl gewesen sei.

2008 kandidierte Ermann nicht mehr für den Stadtrat, „deswegen“, so meinte sie augenzwinkernd, gewannen die Grünen einen Sitz hinzu. Dann haben sie wieder mehr Zeit für die Basisarbeit gehabt, erzählte die scheidende Vorsitzende. Schon bei der Vorstandswahl 2001 habe sie gesagt dass dies ihre letzte Kandidatur sein werde. „Daraus sind dann doch zehn Jahre geworden.“

Ihre langjährige Parteifreundin Frank-Mayer würdigte die unermüdliche Arbeit der 67-Jährigen: „Hanna war und ist das grüne Gesicht und das ökologische Gewissen von Dorfen. „Du bist immer vorne dran gestanden – ob bei der A 92, beim Flughafen oder der A 94“, lobte der ehemalige Landtagsabgeordneten Christian Magerl aus Freising, der als Festredner zu Gast war. Nun würden immer mehr grüne Themen von anderen Parteien kopiert, sagte Magerl. Angefangen vom Atomausstieg bis hin zum neuerdings auch von der CDU propagierten Ende des innerdeutschen Flugverkehrs. Die 20 Anwesenden, davon 16 Wahlberechtigte, spendeten ihrer Vorkämpferin stehende Ovationen.

Sowohl Ermann als auch Sprecherkollege Rott führten durch die 35 Jahre ihres politischen Wirkens mit Bilderpräsentationen, ein Grünen-Chor sang der Sängerin und Pianistin ein Ständchen. Monika Roth-Dittlmann stand mit einem Tablett voller Ouzo-Stamperl bereit, und alle im Saal erhoben das Glas auf Hanna Ermann.

Ihr Erbe wird nun fortgeführt von Rott, seit gut fünf Jahren in diesem Amt und Frank-Mayer, Sprecherin seit 2011, sowie die Neuen Cordula Schwalb und Winfried Eckardt. Als Schriftführer wurde Wolfgang Jordan gewählt, Susanne Holzner als Beisitzerin.

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