Wie im Garten Eden: die ehrwürdigen Schwestern bei der Zwetschgenernte.
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Wie im Garten Eden: die ehrwürdigen Schwestern bei der Zwetschgenernte.

Schwesternwohnheim

Das Dorfener Paradies der Armen Schulschwestern

Im Schwesternwohnheim auf dem Ruprechtsberg in Dorfen verbringen 57 Nonnen den Ruhestand. Nun haben dort mehrere Ordensfrauen Profess gefeiert.

Dorfen – Am Südhang des Dorfener Ruprechtsbergs gibt es einen kleinen Garten Eden. Prächtige Sommerblumen blühen hier, die Früchte hängen üppig an Bäumen und Sträuchern. Die Ordensschwestern im Schulschwesternheim sitzen draußen zusammen, ernten Zwetschgen. Sie pflegen einen einfachen Lebensstil, ernähren sich regional und saisonal, gemäß den Regeln von Karolina Gerhardinger, die den Orden 1833 gründete. Im Schulschwesternheim verbringen derzeit 57 Ordensfrauen ihren Lebensabend. Kürzlich feierten sieben Schwestern ihr Professjubiläum und damit 75, 60 und 50 Jahre Ordenszugehörigkeit.

Der Klostergarten liegt nur wenige Meter von der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt entfernt. Seit über 100 Jahren ist er im Besitz der Ordensgemeinschaft der Armen Schulschwestern. 1915 richteten sie in dem historischen Gebäude ein Altenheim ein, um älteren und pflegebedürftigen Ordensschwestern einen ruhigen Lebensabend zu ermöglichen. Die 57 Schwestern, die hier leben, haben alle ein langes Arbeitsleben als Lehrerinnen oder Erzieherinnen hinter sich.

Der Alltag im Kloster sei klar strukturiert, erzählt Schwester Rosina (79). Zwischen Morgenlob und Frühstück und bis zum gemeinsamen Abendessen und dem Gebet in der Kapelle zum Tagesabschluss verrichten die Schwestern anfallende Arbeiten, „jede so, wie sie kann und mag“. Oder sie besuchen Mitschwestern, wenn diese krankheitsbedingt ans Zimmer gebunden sind.

1963 trat sie dem Orden bei, berichtet Schwester Rosina: „Ich wollte einen geistlichen Beruf.“ Der Glaube sei die Grundlage für ihre Entscheidung gewesen, das Leben als Ordensschwester, sie war Volksschullehrerin, habe sie nie bereut. „In der Gemeinschaft leben, das ist eine Quelle der Kraft.“ Sie lese viel in der Heiligen Schrift, sagt sie: „Die Liebe zu Gott zeigt sich in der Liebe zu den Mitmenschen.“

Auch Schwester Hildegundis (87) unterrichtete zunächst an der Volksschule in Schwandorf, leitete diese später auch. „Anfangs war das eine reine Mädchenschule.“ Gerade der Bildungsauftrag der Ordensgründerin habe sie gereizt. Die Armen Schulschwestern setzen sich für die Erziehung und Bildung von Mädchen und jungen Frauen ein, vor allem aus den ärmeren Bevölkerungsschichten. „Mädchen, die auf dem Land lebten, hatten früher wenig Chancen auf eine gute Schulausbildung“, sagt Schwester Hildegundis.

Ehrwürdig gealtert: Schwester Hildegundis und Schwester Rosina leiteten vormals das Dorfener Schulschwesternheim, aktuell ist Schwester Doris Oberin (v. l.). Alle drei waren in erzieherischen Berufen tätig, getreu des Auftrags von Ordensgründerin Karolina Gerhardinger, die armen Mädchen auf dem Land eine Schulbildung ermöglichen wollte. 

Den Verzicht auf Familie und Kinder habe sie nie gespürt: „Das ist eine Frage der Sichtweise“, meint die Nonne, die mit Ende des Schuldienstes 1999 nach Dorfen versetzt wurde. Auch sie wollte einen geistlichen Beruf. Da sei „Gottes Ruf“ gewesen, das Gefühl geliebt zu sein: „Dadurch konnte ich so viel an andere weitergeben.“

Schwester Hildegundis und Schwester Rosina waren beide schon Oberin im ehrwürdigen Altenheim in Dorfen, seit 2018 leitet Schwester Doris die Gemeinschaft. Sie ist mit 58 Jahren die Jüngste in dem Heim. Das Leben im Kloster sei oft eine Herausforderung, gerade erst, als das Corona-Virus 40 Ordensfrauen infiziert hatte. „Jede Schwester musste auf ihrem Zimmer bleiben – wir haben dann über die Haussprechanlage kommuniziert.“ Etwa als der Nikolaus kam. „Das Schönste war, als wir alle wieder aus der Quarantäne raus konnten, zu Weihnachten.“ Zwei Schwestern, die schon vorher schwer krank waren, verstarben, bedauert sie.

Das Klosterleben sei für Schwester Doris eine „Kraftquelle“. „Hier leben Frauen, die alle die gleichen Wertvorstellungen haben. Das schafft Verbundenheit.“ Zudem seien die meisten sehr kreativ. Die Oberin, die viele Jahre als Erzieherin gearbeitet hat, ist sehr musikalisch: Sie spielt Flöte, Gitarre und Hackbrett. Schwester Rosina ist eine Virtuosin an der Geige.

Beim kürzlich erlebten Jubiläum feierte Schwester Hedwig 75 Jahre Profess. Sie ist 102 Jahre alt, ehemalige Grundschulleiterin, lebt jetzt 26 Jahre in Dorfen und ist die Älteste in der Gemeinschaft. Vor 60 Jahren legten Schwester Hermilda, Schwester Edelgund, Schwester Carolin und Schwester Gertraut sowie Schwester Rosa das Gelübde ab. Schwester Christine, die viele Jahre die Küche in Dorfen leitete und seit 35 Jahren hier wohnt, hatte vor 50 Jahren Profess.

Heute treten kaum noch junge Frauen ins Kloster ein, es fehle in Deutschland am Nachwuchs, bedauern die Schwestern. Anders in Afrika, weiß Schwester Doris, denn dort sind die Ordensfrauen zudem meist als Erzieherinnen und Lehrerinnen tätig.

„Das Leben hat sich verändert, heute haben die Frauen bei uns so viele Möglichkeiten“, meint die Oberin. Möglicherweise werde in dieser schnelllebigen Zeit, geprägt durch das Internet, der Ruf Gottes überhört: „Ordensschwester zu sein, das ist eine Berufung, wir haben alle eine persönliche Beziehung zu Gott und Jesus Christus.“ Und sie ergänzt: „Viele wissen gar nicht, wie schön es ist, im Kloster zu leben.“

MICHAELE HESKE

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