Leerer Saal, volle Dröhnung: Die Band Donnerbalkan spielte ein Geburtstagskonzert, als wäre eine tobende Menge im Saal. Immerhin wurde vor den Augen der Techniker ein Kuchen angeschnitten.
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Leerer Saal, volle Dröhnung: Die Band Donnerbalkan spielte ein Geburtstagskonzert, als wäre eine tobende Menge im Saal. Immerhin wurde vor den Augen der Techniker ein Kuchen angeschnitten.

Konzert im Jakobmayer

„Das Virus rausgeblasen“: Das Dorfener Livestream-Konzert der Band Donnerbalkan

  • vonTimo Aichele
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Gelungene Premiere für den Jakobmayer: Das Livestream-Konzert der Band Donnerbalkan war ein erfrischendes Lebenszeichen.

Dorfen – Keine Musik, keine Zuschauer, kein Jubel – seit Oktober ist es ziemlich still im Jakobmayer-Saal. Kabarettist Michael Altinger und Liedermacherin Helga Brenninger waren damals unter den Letzten, die dort tatsächlich vor Publikum auftraten. Eine kleine Weltpremiere brachte nun am Samstag eine wohltuende Abwechslung: das erste Livestream-Konzert aus dem Dorfener Kulturzentrum. Die Münchner Band Donnerbalkan machte ihrem Namen alle Ehre und ballerte Rhythmen und Melodien in den Saal, als würde unten eine ganze Festival-Arena toben.

Tausende waren allerdings schon dabei. Etwa 250 Fans haben das Konzert live mitverfolgt – und teilweise währenddessen auch mit der Band gechatted. Die Musiker beantworteten Fragen der Netz-Gemeinde. Bis zum gestrigen Mittwoch hatten auf Facebook rund 1000 und auf Youtube 2000 Nutzer die Aufzeichnung angeklickt. Neben den zehn Münchner Musikern, Kameraleuten, Ton- und Lichttechnikern war zeitweilig auch Birgitt Binder mit im Saal. „Sauguad“ sei es gelaufen, meint die Jakobmayer-Chefin. „Das hat der Seele so gut getan.“

Endlich mal wieder Musik im Saal, in dem zur Zeit höchstens Stadträte debattieren. Das hat zwar manchmal auch gewissen Unterhaltungswert, allerdings nicht so, wie es sich die vielen auf dem Trockenen sitzenden Livekultur-Fans vorstellen.

Für das Dorfener Kulturzentrum war es ein Probelauf. „Wir wollten sehen, wie’s rüberkommt“, erzählt Binder. Die Antwort: super! „Der Saal hat so schön ausgesehen“, schwärmt sie. Und auch technisch habe es geklappt. Konkret geplant sind weitere Streaming-Angebote allerdings vorerst noch nicht. „Wenn, dann müsste das sowieso eher ein Konzert sein als Kabarett“, meint Binder.

Wie die ganze Branche wartet sie sehnsüchtig auf weitere Aussagen von der Politik, wie es weitergeht. Der aktuelle Lockdown dauert offiziell bis zum 9. Mai. Dass dann allerdings schon bald Veranstaltungen möglich sein werden, zumal drinnen, glaubt auch die Dorfener Veranstalterin nicht. „Wir hoffen immer von Mal zu Mal“, sagt Binder über die immer neuen Ankündigungen. Doch angesichts der dritten Corona-Welle und der Debatte um die bundesweite Notbremse ist für sie alles umso ungewisser: „Das ist ein Lottospiel.“

Bis dahin werden Konzerte und Kabarettabende immer wieder umgeplant. „Es ist eine einzige Verschieberei. Manche Sachen haben wir schon zwei, drei Mal umgeplant“, seufzt Binder. Der Auftritt von Lauschgold und das 3. Dorfener Saitenfestival hätten Anfang Mai stattfinden sollen – aber naja. „Und die Leute sind mittlerweile auch so verunsichert“, sagt die Veranstalterin über das Publikum. Niemand kaufe Konzertkarten in der Hoffnung auf unbeschwerten Kulturgenuss.

Der virtuelle Auftritt von Donnerbalkan war da schon ein guter Vorgeschmack. Mit Drums, Percussion, vierköpfigem Blechbläsersatz, Akkordeon, Geige, Rap und Gesang spielen die Münchner gut gelaunten Worldpop zwischen Ska, Latin und Hiphop. Sonst treten sie in ausverkauften Clubs oder auf Festivals wie der Brasswiesn auf. Nach Dorfen waren sie gekommen, um zehnjähriges Bühnenjubiläum zu feiern. Das ursprünglich im Münchner Technikum geplante Konzert fand nun in Dorfen für die online versammelte Fangemeinde statt. So kam ein Geburtstagskind zum anderen. Der Jakobmayer selbst hat sein Zehnjähriges am 11.11.2021 – und das hoffentlich mit Riesenpublikum.

Im Internet dabei waren aber viele. „Da waren wir schon anders angespannt als bei einem Live-Konzert. Wenn das digital verfügbar ist, potenziert sich das“, erzählt Drummer Benedikt Kurz. „Uns hat es aber Mega-Spaß gemacht.“ Das Live-Feeling fehlt den Vollblutmusikern einfach. Der Aufwand war aber gewaltig. Ein ganzes Probenwochenende und Promo-Videos vorab, die Technik für Ton, Licht, Video und Internet, Hygienekonzept – all das war aufwändig und auch kostspielig. Dafür hatte Donnerbalkan im Video ein Paypal-Konto eingeblendet, auf das Fans spenden konnten. „Die Kosten sind gedeckt“, bilanziert Kurz. Immerhin.

Auf den Jakobmayer-Saal ist die Band durch ihren Tontechniker Sven Hollfelder gekommen. Der Isener betreibt in Erding das Klangwerk-Studio, hat dort nicht nur die kommende Donnerbalkan-EP produziert und ist auch im Live-Geschäft ein kreativer Aktivposten in der Region. Die Band ist für den Tipp dankbar. „Wir sind schon gefragt worden, ob wir wiederkommen. Sehr gerne“, sagt der Donnerbalkan-Drummer.

Alle waren also zufrieden mit dem Abend. Ein Ersatz für den Trubel eines corona-frei gut besuchten Konzerts war das für Binder aber nicht ganz. „Das Wir-Gefühl, das Lachen, der Austausch – das fehlt einfach.“ Doch unter diesen Rahmenbedingungen sei das Donnerbalkan-Konzert einfach wohltuend gewesen. „Das war frischer Wind. Die vielen Bläser haben das Virus einfach rausgeblasen.“

Das Konzert-Video

ist auf Facebook oder Youtube noch bis Samstag, 24. April, um 19 Uhr zu sehen. Einfach nach „Donnerbalkan Jakobmayer“ suchen, und los geht’s. Hier der Link.

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