In ihrem Element: Regisseurin Maria-Anna Westholzer kennt sich im Wirtshaus genauso aus wie am Filmset. Hier erklärt sie den Darstellern Michael von Rospatt (†), Bernd Birkhahn und Werner Lustig (v.l.) die Szene.
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In ihrem Element: Regisseurin Maria-Anna Westholzer kennt sich im Wirtshaus genauso aus wie am Filmset. Hier erklärt sie den Darstellern Michael von Rospatt (†), Bernd Birkhahn und Werner Lustig (v.l.) die Szene.

Film „Heute stirbt hier Kainer“ in der ARD

Die Western-Regisseurin aus Dorfen

  • vonTimo Aichele
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„Dem Dorf in dir entkommst du nicht“: Regisseurin Maria-Anna Westholzer über ihren hessischen Western „Heute stirbt hier Kainer“

Berlin/Dorfen – Ein Western in Hessen als Liebeserklärung an das Landleben in Bayern – das bedeutet der Film „Heute stirbt hier Kainer“ für Maria-Anna Westholzer. Und sie muss es wissen: Die Filmemacherin hat das Drehbuch mitgeschrieben und Regie geführt. Aufgewachsen in Dorfen, lebt und arbeitet sie mittlerweile in Berlin. Ihr Werk wird am heutigen Mittwoch um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

„Ich habe es geliebt, in einem kleinen Ort aufzuwachsen“, sagt die Regisseurin, in deren Kindheit Dorfen noch 8000 Einwohner hatte. Damals kannte man sie hier als Maria Rimpfl. Unter anderem bediente sie in der „Soafa“ sowie beim Wirt in Landersdorf und war dort kurz auch Mitglied bei den Schützen.

Das Dörfliche habe sie geprägt, erzählt die studierte Regisseurin in breitem Bayerisch, das sie aber sofort abschalten kann, wenn sie jemand auf dem Filmset nicht versteht. „A jeder kennt jedn. Jeder glaubt zu wissen, wer du bist und wer du zu sein hast. “ Das sei auf dem Land einengend, aber auch positiv, „weil du aufgefangen wirst“.

Zum Studium sei sie damals bewusst nach Berlin gegangen, „vom größtmöglichen Einöd-Bauernhof in die größtmögliche Großstadt“. Sie könne sich schon vorstellen, irgendwann nach Dorfen zurückzukommen – „aber es ist ja nicht mehr bezahlbar“, meint die 43-Jährige lachend, die mit Lebenspartner und Kind in Berlin wohnt.

„Dem Dorf in dir entkommst du nicht“, das sei der tragende Gedanke für die Handlung von „Heute stirbt hier Kainer“ gewesen. Und die Cineastin huldigt mit dem Film dem klassischen Western, den sie für den eigenen einfach in ein deutsches Dorf verlegt hat. Der von Martin Wuttke gespielte Kainer ist der mysteriöse Fremde in der Stadt – ein typisches Western-Motiv, wie es die Regisseurin auch bei ihren Vorbildern findet. Wie in „The Shootist“ mit John Wayne ist ihr Held mit der dunklen Vergangenheit sterbenskrank. Wie in „Weites Land“ mit Gregory Peck trifft der Held auf eine alleinstehende Schöne aus dem Dorf. Auch hier suchen die vermeintlich braven Dorfbewohner einen Profi-Killer. Und wie praktisch in jedem Western rauchen bei Kainers Showdown die Colts.

Starbesetzung: Martin Wuttke (unteres Bild, r.) als kranker Profi-Killer Kainer und Justus von Dohnányi als Kommissar Decker. 

Es ist eine Tragikomödie, „sehr trocken und schwarz-humorig“, meint Westholzer. Aber sie habe von der Mutter einer Freundin eine schöne Rückmeldung erhalten: „Obwohl’s a Film über den Tod ist, macht er di ned traurig.“ Die Filmfiguren – der suizidale Profi-Killer, eine alleinerziehende anhängliche Bäuerin, eine avantgardistische Nazi-Truppe, äußerst zornige Tiere und ein amoklaufender Kommissar – tun ihr Übriges dazu.

„Ich habe so ein Glück gehabt mit den Hauptdarstellern“, schwärmt die frühere Dorfenerin. Die Hauptfigur wird gespielt von Wuttke, dessen herrlich knorrige Art sogar Simone Thomalla als Tatort-Kommissarin erträglich gemacht hat. Kainers großer Widersacher ist Justus von Dohnányi („Männerherzen“). Und sogar in den Nebenrollen finden sich noch Stars wie Martin Feifel, der von „Schtonk“ bis „Oktoberfest 1900“ Dauergast auf deutschen Kinoleinwänden und Fernsehern ist.

Schon als Schülerin auf dem Gymnasium Dorfen war der Regie-Stuhl Westholzers Traumarbeitsplatz. 1998 machte sie in Dorfen Abitur und inszenierte an der Schule „Romeo und Julia“. Da habe sie auch selbst eine Rolle übernommen, erzählt sie. Sonst suche sie nicht so sehr das Rampenlicht: „Ich bin lieber hinter der Kamera.“

Danach hat die junge Dorfenerin am Residenztheater in München hospitiert, ein Volontariat bei Premiere und die Ausbildung zur Medienkauffrau bei Kirch Media gemacht. Dem schloss sich das Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) in Berlin an.

„Heute stirbt hier Kainer“ ist das bisher größte Projekt der 43-Jährigen, die nach erfolgreichen Kurzfilmen auch drei Staffeln lang bei der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ Regie geführt hat. Und doch geht der „Kainer“ auf ihre Studienzeit zurück „Das ist mein Diplom-Drehbuch“, erzählt Westholzer. Damals habe sie es zusammen mit Michael Proehl geschrieben, der mit dem Tatort „Im Schmerz geboren“ und vielen weiteren Filmen Furore machte.

Es sei eigentlich ein klassischer Western, nur dass er in einem hessischen Dorf in der Gegenwart spielt. „Früher war das Drehbuch natürlich für Bayern geschrieben.“ Aber sie habe 2019 die einmalige Chance vom HR bekommen, ihr Herzensprojekt umzusetzen, ohne dass ihr ins Drehbuch hineinredigiert wird. Und perfekte Drehorte seien dann in Hessen gut zu finden gewesen.

Schön wäre es gewesen, wenn der „Kainer“, wie für 2020 geplant, auf dem Münchner Filmfest gelaufen wäre. Was jetzt kommt? „Es gibt schon Projekte. Aber da darf ich noch nichts sagen.“

Sendetermine:

„Heute stirbt hier Kainer“ läuft am heutigen Mittwoch, 21. April, um 20.15 Uhr im Ersten. Wiederholungen: Donnerstag, 21. April, 0.40 Uhr, ARD; Sonntag, 25. April, 20.15 Uhr, ONE. Außerdem ist der Film in der ARD-Mediathek abrufbar.

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