Timo Aichele, stellv. Redaktionsleiter
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Timo Aichele, stellv. Redaktionsleiter

Kommentar

Der Eiertanz um den Dorfener Bahnausbau geht weiter

  • vonTimo Aichele
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Der Dorfener Stadtrat hat sich zu einer Stellungnahme ans Bundesverkehrsministerium. Die darin formulierte Haltung ist ein Kompromiss, der das Gezerre um den Bahnausbau in Dorfen nicht beenden kann. Unser Kommentar.

Der nächste Akt im politischen Eiertanz um den Bahnausbau: ABS38-Projektleiter Klaus-Peter Zellmer entschuldigt sich im Stadtrat, falls sich jemand in der vorangegangenen Sitzung angegriffen gefühlt haben sollte. Aus dem Gremium kommt von allen Seiten Lob für das gute Gesprächsklima mit der Bahn und ihre Aufgeschlossenheit für Dorfener Ideen. Schöne neue Einigkeit.

Aber hätte man das nicht viel früher haben können? Für den einen oder anderen dürfte die Erkenntnis, dass der von Martin Vieregg geplante Schienentrog nie gebaut werden wird, sicher bitter, der Groschen aber schon lange gefallen sein. Aus Gründen der Gesichtswahrung gibt das im Stadtrat aber kaum jemand offen zu.

Die vom Stadtrat verabschiedete Stellungnahme ans Bundesverkehrsministerium leitet nun ein Rückzugsgefecht ein, das ebenso chaotisch ablaufen wird wie die Debatte der vergangenen Jahre. Offiziell hält man an der Vieregg-Planung fest – alles andere hätte bei interessierten Kreisen zu einem Aufschrei geführt. Das zentrale Element, die Tieferlegung der Gleise, wird aber lieber nicht explizit erwähnt. Wozu auch? Diesen Kampf will niemand mehr kämpfen.

Stattdessen stehen vergleichsweise unwichtige Ziele in dem Papier – über diese hätte schon lange eine Einigung mit der Bahn erzielt werden können. Oder eine relativ neue Kompromisslinie: die „Südverlegung“, die nach dem heutigen Kenntnisstand – zumindest in einem nennenswerten Ausmaß – ebenso illusorisch ist wie ein Tunnel. Die wachsweiche Formulierung „möglichst weite Südverlegung“ lässt hier aber wieder genug Spielraum, um nicht schon von Anfang als Verlierer dazustehen.

Das alles als reines Spektakel abzutun, wäre unfair. Hier kämpfen Stadträte und weitere Bürger wahrhaftig um die „beste Lösung für Dorfen“. Die schauspielerischen Elemente, das Herumeiern um unpopuläre Aussagen, das Taktieren, das Wecken falscher Hoffnungen, das erneut zu späte Aufeinanderzugehen – all das lässt Bürgermeister und Stadtrat aber weiter nicht gut aussehen.

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