„Wir stecken gerne ein bisschen mehr Power rein“: Birgitt Binder (l.) und Astrid Wandinger.
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„Wir stecken gerne ein bisschen mehr Power rein“: Birgitt Binder (l.) und Astrid Wandinger.

Dorfener Kulturzentrum

Der Jakobmayer trotzt der Corona-Krise

  • vonAlexandra Anderka
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Dorfen – Fünf Veranstaltungen während der Corona-Zeit haben Jakobmayer-Chefin Birgitt Binder und Assistentin Astrid Wandinger im historischen Saal bereits gemeistert, 20 liegen bis Jahresende noch vor ihnen – unter den Künstlern so bekannte Namen wie Michael Fitz, Martin Frank, Michael Altinger oder Claudia Koreck. Diese Woche spielte zwei Mal hintereinander Comedy-Star Michael Mittermeier. Beide Abende waren ausverkauft. Ausverkauft bedeutet im Jakobmayer während der Pandemie rund 130 Gäste, je nach Familienzugehörigkeit verteilt auf rund 30 Tische im Saal und auf der Galerie.

Der Großteil der Herbst-Veranstaltungen stand bereits vor der Corona-Krise zum Vorverkauf. Das macht die Organisation besonders schwierig, denn alle Ticketbesitzer müssen kontaktiert, die Familienverhältnisse erfragt werden. „Es dürfen ja nur mehrere Gäste an einem Tisch sitzen, wenn sie aus einem Haushalt stammen. Zwischen den Tischen gilt ein Mindestabstand von 1,50 Metern“, erklärt Wandinger die Vorschriften. Zudem werden alle Gäste vorab schriftlich über die Hygienevorschriften informiert.

Wandinger und Binder geben ihr Bestes. Für die Vorstellungen schleppen sie mit ihrem Team Bistro-Tische in den Saal, alle mit frischen kleinen Blumensträußen dekoriert. Zur Auflockerung dient auch schon mal ein Holzkistchen, wo man seine Getränke während der Vorstellung abstellen kann. Das kommt gut an bei den Gästen. „Manche haben mir sogar gesagt, sie finden es jetzt gemütlicher als vorher, wo alles voll war. Jetzt können sie in Ruhe etwas trinken und dabei den Künstler genießen“, sagt Wandinger.

Manche wären sogar bereit, für diese Annehmlichkeiten einen höheren Ticketpreis zu bezahlen. Dass das aus mehreren Gründen nicht geht, stehe außer Frage, denn schließlich wolle man in pandemiefreien Zeiten möglichst vielen Leuten Kultur bieten, und die Künstler sollen von den Auftritten leben können. Was im Augenblick nicht möglich ist. Auch sie würden momentan auf einen Teil ihrer Gage verzichten – „je nach Verhandlung“, weiß Wandinger. Nichtsdestotrotz bleiben die Veranstaltungen im Jakobmayer derzeit ein Verlustgeschäft.

Rund zwei Drittel weniger Einnahmen habe die Stadt Dorfen aufgrund der Corona-Beschränkungen im Jakobmayer, beziffert Julia Neuberger, Leiterin für Öffentlichkeit und Wirtschaftsförderung im Rathaus, die Lage. „Das ist wirklich nicht einfach für die Kommune“, sagt sie. Doch die Stadt betrachte es als „gesellschaftliche Aufgabe“, den Bürgern in schwierigen Zeiten Kultur zu bieten. Das Herbstprogramm sieht die Rathaus-Angestellte derzeit nicht in Gefahr, „aber natürlich müssen wir die Situation genau im Blick behalten und gegebenenfalls im Haushalt beraten, ob nachgebessert werden muss oder vielleicht Veranstaltungen gestrichen werden müssen“.

Die Kostensituation im Jakobmayer habe sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert. „Er hat sich vor der Krise gut getragen“, blickt Neuberger zurück. Das liege nicht zuletzt am Personal. „Frau Binder und Frau Wandinger sind sehr engagiert. Ohne die beiden würde der Jakobmayer nicht so erfolgreich laufen. Bei uns spielen ja Größen des Kabaretts. Ich sage nur Gerhard Polt oder diese Woche Michael Mittermeier. Da sind wir als Stadt sehr stolz darauf.“

„Es ist wirklich eine Ehre für uns, dass sich der Michael bereit erklärt hat, zwei Mal hintereinander dasselbe Programm zu spielen. Da sind wir ihm sehr dankbar. Er ist es ja gewohnt, vor viel größerem Publikum aufzutreten“, sagte Birgitt Binder der Heimatzeitung nach der Premiere am Dienstag. „Astrid und ich sind sehr motiviert, wir machen das für die Gäste, die das Angebot gerne angenommen haben, aber auch für die Künstler, die ja danach dürsten, wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.“ Wandinger stimmt ihr zu: „Und da stecken wir gerne ein bisschen mehr Power rein.“

Die ist auch nötig, denn nicht nur Michael Mittermeier sorgt für ausverkaufte Häuser, auch andere Künstler wie Michael Altinger, Alfred Mittermeier oder Martin Frank verkaufen mehr als 130 Karten. Aber auch da sind Binder und Wandinger schon in Verhandlungen. Die Künstler hätten grundsätzlich schon „Grünes Licht gegeben“, das gleiche Programm am selben Abend zwei Mal hintereinander aufzuführen – um 18 und um 21 Uhr. Das Publikum habe – solange es von der Platzverteilung her möglich ist – die Wahl. Aber auch das bedeutet für Binder und Wandinger erneut: telefonieren und abfragen.

Das komplette Programm

gibt’s im Internet auf der Homepage www.jakobmayer.de.

Hier unser Kommentar zu dem Thema.

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