Seit 41 Jahren verheiratet: Emil Rudolf und seine Gattin Huguette.
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Seit 41 Jahren verheiratet: Emil Rudolf und seine Gattin Huguette.

Dr. Emil Rudolf (68) geht Ende September in Ruhestand

Der klassische Familiendoktor als Idealbild

Dr. Emil Rudolf blickt auf 42 Jahre Erfahrung als Arzt zurück, die meiste Zeit davon hat er in Dorfen praktiziert. Ende September geht der Mediziner in Ruhestand.

Dorfen – Dr. Emil Rudolf geht Ende September in Ruhestand. Der Mediziner, der gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig Rudolf das MVZ in Dorfen gegründet hat, blickt auf 42 Jahre Erfahrung als Arzt zurück – die meiste Zeit davon hat er in Dorfen praktiziert. Künftig will er für seine Kinder und Enkel da sein, mit seiner Frau auf Reisen gehen und sein Wissen als Dozent weitergeben.

„Man muss aufhören, bevor man aufhören muss – so heißt es im Bayerischen“, meint Dr. Emil Rudolf (68). „Wer als Hausarzt an vorderster Front steht, muss medizinisch immer auf dem neuesten Stand sein.“ Dabei würde sich das medizinische Wissen alle zwei Jahre verdoppeln, die Verantwortung sei enorm groß.

Für Rudolf war schon immer klar: „Ich will Hausarzt werden.“ Studiert habe er in Gießen und Erlangen, erzählt er. „Mein Idealbild war der klassische Familiendoktor.“ Deshalb sei er auch in vielen Häusern der Umgebung gewesen, habe auf eine breit gefächerte Ausbildung geachtet. „Von der Zeugung bis zur Bahre“, so verstehe er sein Berufsbild. Oft habe er vier Generationen einer Familie behandelt: „Erst die Mütter, die schwanger waren, dann deren Kinder und später wiederum die Kinder der Kinder. Da baut man Beziehungen auf – das war eine Riesenverantwortung, die aber auch viel Freude macht“, sagt Rudolf rückblickend auf nahezu 40 Jahre als praktizierender Arzt in Dorfen.

Als Hausarzt steht man an vorderster Front, muss aber wissen, wann man an einen Spezialisten überweisen muss.

Dr. Emil Rudolf

Anfangs war Rudolf noch allein in seiner Praxis. Montag bis Freitag musste er erreichbar sein, auch nachts. Hinzu kamen Wochenenddienste: „Es gab ja noch keine Handys, ich saß daheim am Telefon.“ Die Anforderungen für den Mediziner seien groß, weiß er. „Als Hausarzt steht man an vorderster Front, muss aber wissen, wann man an einen Spezialisten überweisen muss.“

Deshalb setzte er sich für eine fachärztliche Organisation ein und gründete in Dorfen gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig, Internist und Gastroenterologe, eine der ersten fachübergreifenden Praxen mit einem Allgemeinarzt in Bayern. Später holten sie einen Kardiologen ins Team. 2005 startete dann das MVZ mit Emil und Ludwig Rudolf sowie Walter Ruckdeschel. 52 Mitarbeiter arbeiten inzwischen dort – Ärzte, Verwaltungsmitarbeiter, Medizinische Fachangestellte. „Es war mir wichtig, in Dorfen eine gute breit gefächerte medizinische Versorgung aufzubauen.“ Eine Kollegin aus der aufgelösten Filialpraxis in Oberding ersetze ihn künftig: „Die Kopfstärke bleibt folglich gleich.“

Unterstützt wurde er von seiner Frau Huguette, die er während des Studiums in Erlangen kennengelernt hat und mit der er 41 Jahre verheiratet ist. Ohne sie hätte er über die Jahre hinweg nicht sein Tagespensum schaffen können, weiß er. Zwar habe seine Frau sich nach dem zweiten Staatsexamen und der Geburt des zweiten Kindes für das klassische Rollenbild entschieden und auf eine eigene Karriere verzichtet – doch die Germanistin stieg ebenfalls in die Praxis ein: „Ich habe die Abrechnungen gemacht und mich zur Diabetesberaterin ausbilden lassen.“ Huguette Rudolf, die französische Wurzeln hat, und die ersten Jahre in Paris aufwuchs, war für Schulungen und Therapiebegleitung zuständig: „Sagen wir es ganz klar – meiner Frau verdankt das MVZ den Aufbau des Diabetes-Zentrums.“

Seit 24 Jahren ist Emil Rudolf auch Präsident des ESC Dorfen

Oft habe ihn seine Huguette auch gebremst, erzählt er: „Sie sagte: ,Ich habe Flüge gebucht, wir machen Urlaub‘.“ So erkundete das Paar Peru, Nepal oder Ägypten, war im Himalaya und erholte sich auch in Italien oder Frankreich. Der passionierte Fotograf brachte stets Momentaufnahmen mit: „Überwiegend Porträts, einige davon hängen in der Praxis.“

Seit 24 Jahren ist Rudolf auch Präsident des ESC Dorfen. Sein Vater gründete den Verein und baute das Stadion, das unter seiner Regie 1998 umgebaut wurde. Zudem saß er sechs Jahre im Kreistag, denn für ihn war es wichtig, sich kommunalpolitisch und parteiübergreifend für seine Stadt und den Landkreis zu einzusetzen. Als er eines Tages auf dem Weg nach Erding zur Sitzung geblitzt wurde, weil er zu spät aus der Praxis kam, kandidierte er nicht nochmals. „Da merkte ich, ich kriege das zeitlich nicht mehr unter einen Hut.“

Auch jetzt will er „Berufsstress nicht durch Freizeitstress“ ersetzen. „Ich werde es genießen, dass mein Leben nicht mehr so eng getaktet ist.“ Das Krankenhaus Rechts der Isar habe angefragt, ob Rudolf Seminare an der Uni halten möchte: „Es ist mir ein Anliegen, meine Erfahrungen als Hausarzt weiterzugeben.“

Dorfen - „Wer einmal hier gelebt hat, kommt immer zurück“

Dorfen bleibt er freilich treu, auch wenn er viele Reisen mit seiner Frau plant. „Wer einmal hier gelebt hat, kommt immer zurück“, meint der gebürtige Dorfener. „Das geliebte Nest“, wirft seine Frau ein, das Geborgenheit gebe. Ein Satz, der ihm allerdings nicht wirklich gefällt, denn Dorfen sei weit entfernt von jeglicher Abschottung, die ein Nest für ihn impliziere: „Dorfen ist weltoffen.“ Hier gehe es darum, die Heimat zu bewahren, dabei aber die Entwicklung nicht zu verschlafen. „München in der Nähe, ebenso die Berge – schöner kann man gar nicht wohnen.“ Auch drei seiner Kinder leben in Dorfen, sein jüngster Sohn ist als Facharzt für Allgemeinmedizin an der Uni Bern tätig, doch auch ihn ziehe es bald in die Heimat zurück.

„Die Kinder gingen ein bisschen an mir vorbei“, bedauert Rudolf. Für die vier Enkel will er sich jetzt Zeit nehmen. „Die Kinder, die Enkelkinder, sind das Schönste in meinem Leben – und hier sitzt meine Zukunft“, sagt er und schaut liebevoll seine Frau Huguette an.

Michaele Heske

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