In seinem Element ist s’Kino-Chef Georg Schmederer im Vorführsaal des Dorfener Lichtspielhauses.
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In seinem Element ist s’Kino-Chef Georg Schmederer im Vorführsaal des Dorfener Lichtspielhauses.

Kino im Jakobmayer

Die Dorfener Traumfabrik: Neun Jahre s‘Kino in Dorfen

Seit neun Jahren ist s’Kino im Jakobmayer in Dorfen eine Top-Adresse für Cineasten. Initiator und Chef Georg Schmederer blickt zurück. Eine Geburtstagsfeier kann es wegen Corona nicht geben.

Dorfen – Am 11. November wollte das Dorfener s’Kino-Team um Leiter Georg Schmederer das neunjährige Bestehen des kleinen Lichtspielhauses feiern, als Stargast hatte sich Regisseur Marcus H. Rosenmüller angesagt. Nun macht Corona den Planungen wieder einen Strich durch die Rechnung. Der Regisseur von „Wer früher stirbt, ist länger tot“ hatte sich zum Filmgespräch nach der Vorführung von „Dreiviertelblut“ angekündigt.

Auch der für 22. November geplante Film der Coen-Brüder „Oh Brother where art thou“ mit George Clooney muss coronabedingt ausfallen. Schon der erste Lockdown sei für s’Kino eine „wahnsinnige Zäsur“ gewesen. „Wir haben derzeit 65 Prozent weniger Umsatz als in unserem besten Kinojahr 2019.“ Denn am 15. März musste der Filmbetrieb eingestellt werden. „Wir haben am 15. Juni sofort wieder aufgesperrt. Anfangs war es aber zäh. Kürzlich waren die Leute wieder gut dabei.“

Am besten lief heuer der Film „Ausgrissn“ mit über 800 Besuchern. Der neue Eberhofer-Krimi, „Kaiserschmarrndrama“, sollte ab dem heutigen Donnerstag, 12. November, gezeigt werden. Auch das fällt ins Wasser, wird aber nachgeholt.

Mit der geforderten Mindestabstandsregelung, eingehalten durch schnuckelige Stoffbären auf der Hälfte der insgesamt 50 Sitzplätze, seien meist 15 bis 20 Kinobesucher pro Vorstellung gekommen. „Das ist einfach halber Umsatz“, stellt der 65-jährige Kino-Chef fest.

Eigentlich wollte Schmederer schon viel früher ein Kino eröffnen, nicht erst 2011 im Jakobmayer. Als Ende 1999 das Capitol in Dorfen für immer seine Kinosäle zusperrte, „hab ich mich schon mit dem Gedanken getragen. Aber privatwirtschaftlich ein Kino zu eröffnen, das hätte sich nicht getragen“, erzählt er. Die Idee war, ein Miniplex mit vier bis fünf Sälen zu eröffnen. Aber es wäre zu klein gewesen, um rentabel zu sein.

Mit seinem Steuerberater hatte er einen detaillierten Projektplan schon besprochen. „Nach der Entscheidung, dass in Erding ein Multiplex-Kino entstehen sollte, war das Thema vom Tisch.“ Erst wieder Anfang 2009 wurde es wieder aktuell, als Stadtrat Ludwig Rudolf auf ihn zukam. Er habe ihm von der Wiederöffnung des Jakobmayer als Kulturzentrum mit Saal und Wirtschaft erzählt. Auch ein Kino sollte dazugehören. „Damals war ich noch beruflich voll eingebunden als Vertriebsleiter eines japanischen Elektronikunternehmens. Ich habe den größten deutschen Halbleiterhersteller weltweit betreut und hatte noch überhaupt keine Zeit, aber die Idee ließ mich nicht mehr los“, erzählt der Ingenieur der Feinwerktechnik.

Der gebürtige Dorfener stammt aus einer alten Kaufmannsfamilie und ist 1955 im Schmederer-Haus, gleich neben dem Wesnertor, geboren. Aber mit Kaufhäusern hatte er nie etwas am Hut, seine Leidenschaft gehörte der Technik und dem Kino. Lebhaft kann er sich an die ersten Karl-May-Filme erinnern, die erst ab zwölf Jahren freigegeben waren und er mit elf Jahren noch nicht sehen durfte. „Das hat mich sehr hart getroffen.“

Später entwickelte er ein Faible für anspruchsvolle Filme: „Arthouse-Programm hat mich immer schon gereizt.“ Intensiv habe er mit Rudolf darüber gesprochen, dass sich vor allem die Jugend ein Kino wünsche. Aber die Vorstellung eines typischen Multiplex-Popcorn-Kinos, wo man die Blockbuster gleich am ersten Tag zeige, würde man im Jakobmayer nie realisieren können. Also wurde es ein „Einsaal-Nachspielkino“, bei dem die Filme immer erst vier bis fünf Wochen nach dem Start laufen werden.

Udo Rieger, Architekt des Jakobmayer Kulturzentrums, entwarf also eine Blackbox. Schließlich gab es rund 180 000 Euro Förderung. Das komplette Kino, das auf den ehemaligen Parkplätzen hinter der Gaststätte entstanden ist, habe 500 000 Euro gekostet. 70 000 Euro seien durch Spenden der Freunde des Jakobmayer hinzugekommen. 40 000 Euro wurden eingespart, weil die Freunde, respektive er, die Projektierung der Kinotechnik und des Ausbaus übernommen haben.

Einige Filmschaffende waren schon zu Gast im s’Kino, darunter Schauspielerin Gisela Schneeberger und 70er-Ikone Cleo Kretschmer, die sogar einen Stammplatz in der hinteren Reihe hat: A 1. Sie ist eine von vielen treuen Besuchern. Ein Stammgäste-Paar sei in einem Jahr 48 Mal gekommen, erzählt Schmederer stolz.

Viele schätzen den äußerst gepflegten Vorführsaal, um den sich seine Frau Inge kümmert. Weil die erste Ausstattung an Sesseln durchgesessen war, mussten sie Ende 2019 ersetzt werden. „Da gab es von der Bundesbildungsministerin ein Sofortprogramm für Kinos in Städten unter 30 000 Einwohner. Wir haben uns sofort beworben“, erzählt der 65-jährige Kinoleiter. 80 Prozent gab es an Zuschuss, 20 Prozent konnte er an Spenden auftun, damit waren die Kosten von 18 000 Euro gedeckt.

Eigentlich wollte Schmederer nur die Projektierung des Kinos übernehmen, die Leitung sollte den beiden Jakobmayer-Kulturmanagerinnen obliegen. Aber er hatte so viel Herzblut in sein Projekt gesteckt, dass er nicht mehr loslassen konnte. Die ersten zweieinhalb Jahre hat er es neben dem Beruf gemacht, aber bei einer Sieben-Tage-50-Stunden-Woche hat sich der Kino-Enthusiast 2016 komplett für s’Kino entschieden.

Engagiert kümmert er sich um alles, die Technik und Wartung, die Filmauswahl, Personalsuche und die Einsatzpläne der acht Mitarbeiter. Jobs im s’Kino sind begehrt. Es gibt 9,35 Euro Mindestlohn, und wenn der Film läuft, kann man für die Uni oder die Schule lernen und zusätzlich alle Filme kostenlos ansehen.

Außer Kino hat der Dorfener noch weitere Vorlieben, etwa im Wohnmobil durch den Südwesten der USA fahren. In diesem Frühjahr war er das 49. Mal in den Vereinigten Staaten, früher meist geschäftlich, jetzt nur noch privat. 2021 ist coronabedingt Pause. Im März 2022 soll es wieder soweit sein – wenn es Corona zulässt.

Birgit Lang

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