Der Lärmschutz ist ein wichtiges Thema beim zweigleisigen Ausbau mit Elektrifizierung. Die Schallschutzwand bei Esterndorf ist hier blau und lila eingezeichnet, in Gelb die Bereiche mit „besonders überwachtem Gleis“.
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Der Lärmschutz ist ein wichtiges Thema beim zweigleisigen Ausbau mit Elektrifizierung. Die Schallschutzwand bei Esterndorf ist hier blau und lila eingezeichnet, in Gelb die Bereiche mit „besonders überwachtem Gleis“.

ABS 38

Großprojekt ABS 38: Die ersten 4,8 Kilometer beim Bahnausbau

  • vonTimo Aichele
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Die ABS 38 ist ein Jahrhundertprojekt. Die Bahn will 2025 am Abschnitt bei Esterndorf zu bauen beginnen. Es wäre der Startschuss für den zweigleisigen Ausbau mit Elektrifizierung der Strecke. Ein Webcast klärte die Anwohner und weitere Interessierte auf.

Dorfen – Während der Bahnausbau ein paar Kilometer weiter östlich noch ein großes Streitthema ist, sind die 4,8 Kilometer Schiene entlang der Dorfener Ortsteile Embach, Esterndorf und Anning der erste Abschnitt, auf dem gebaut werden soll. Im Rahmen des Großprojekts ABS 38 – dem zweigleisigen Ausbau inklusive Elektrifizierung zwischen München und Mühldorf – wird die DB Netz AG noch in diesem Jahr die Genehmigungsunterlagen zur Prüfung beim Eisenbahn-Bundesamt einreichen. Der erste Spatenstich solle hier 2025 erfolgen, erklärte Projektleiter Max Cibis bei einer Online-Infoveranstaltung. „Wir haben das erklärte Ziel, auf diesem Abschnitt im Jahr 2030 fertig zu sein.“

Die Corona-Pandemie hat die Bahn zu dieser Form der Kommunikation gezwungen. Ein Infoabend mit vielen Menschen in einem Saal ist derzeit einfach nicht möglich. Alle Anlieger hatten per Post eine Einladung zu diesem Webcast erhalten. An jenem Abend waren zwischen 50 und 65 Zuschauer dabei. Und seitdem werde das Video bisher weiterhin täglich von durchschnittlich zehn Personen betrachtet, teilt ein Bahnsprecher mit.

Projektleiter Max Cibis erläuterte die Planungen.

Moderiert wurden die 90 Minuten, die man sich bequem am heimischen Computer ansehen konnte (und immer noch kann) von Bahn-Kommunikationsmitarbeiterin Alexandra Kratsch. Abwechselnd wurde ihr Gesicht und das von Cibis eingeblendet, der wiederum Fakten über das Gesamtprojekt und den Teilabschnitt in Form einer Präsentation einblendete.

Der Dialog war für die Live-Teilnehmer mittels einer Fragenbox im Internetprogramm möglich, in die man für alle sichtbar Fragen eingeben konnte. Der sogenannte Abschnitt 1.4, um den es dabei ging, beginnt im Westen an der Gemeindegrenze zu Lengdorf und geht bis kurz vor die Dorfener Stadtgrenze.

Überführungen

Auf den 4,8 Kilometern werden fünf bestehende Eisenbahnüberführungen umgebaut, sodass ein zweites Gleis drüber passt. Für das breitere Gleisbett muss die Bahn auch Dämme neu profilieren und außerdem teilweise verbreitern. „Der Baugrund ist sehr anspruchsvoll“, sagte Cibis dazu. Bei drei Straßendurchlässen bleibe es beim bestehenden Querschnitt, sagte Cibis und meinte damit die Bauwerke in Embach, Esterndorf und Anning. Bei der vor einem Jahr erstellten Brücke über die Isen würden noch landschaftbildende Maßnahmen fehlen.

Tempo 200

Um die vorgesehenen Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h zu ermöglichen, „haben wir kurz hinter Esterndorf eine Lageabweichung“, erläuterte Cibis. Das heißt, dass die bisherige Trasse etwas nach Norden verschoben wird. Bei dieser Kurvenbegradigung werde das zweite Gleis noch auf Bahn-Grund Platz finden, allerdings befinde sich nach aktueller Planung der Böschungsbereich auf privatem Grund. „Das Projekt ist hierzu in Kontakt mit den Anliegern“, teilt ein Bahnsprecher auf Nachfrage mit.

Schallschutz

Für den Schall- und Erschütterungschutz halte sich die Bahn an die Aussagen eines unabhängigen Gutachters, so Cibis. Durch die leichte Trassenführung rücken die Gleise zwar etwas näher an Esterndorf heran, dafür gibt es Lärmschutzwände. Auf einer Länge von gut 280 Metern sollen sie vier Meter hoch werden. Mit drei Metern Höhe ist die Wand westlich und östlich davon geplant.

Eine weitere Maßnahme des aktiven Schallschutzes ist ein „besonders überwachtes Gleis“ in drei Bereichen des Abschnitts – auf 1,2 Kilometern an der leichten Nordkurve bei Esterndorf, bei Anning und an der Südkurve bei Lappach. Dabei geht es laut Cibis um die Verringerung des Rollwiderstands. „In einem engen Intervall werden die Stahlschienen geschliffen, Sodass in der Rolbewegung des Zuges ein harmonischerer Ablauf möglich ist“, erläuterte der Projektleiter. „Das Rad läuft ruhiger und glatter über die Stahlschiene.“

Ein Zuschauer des Webcasts stellte die Frage: „Warum ist der Lärmschutz in Estenrndorf so kurz, obwohl weitere Anlieger betroffen sind?“ Für die von dem unabhängiggen Gutachter festgelegten Maßnahmen würden zunächst die Immissionsgrenzwerte überprüft. „Der gesetzliche Lärmschutz, der vorgeschrieben ist, den bauen wir auch, sagte der Projektleiter. Allerdings gelte hier „der unschöne Begriff der Verhältnismäßigkeit“.

Darüber hinaus hätten in diesem Planfeststellungsabschnitt 13 Anwesen Anspruch auf passiven Schallschutz, also Lärmschutzfenster, erläuterte Cibis. In einem Fall bestehe zudem Anspruch auf Entschädigung, weil das Gebäude so nah am Gleis liege.

Alexandra Kratsch führte durch den Webcast.

Als Webcast-Teilnehmer stellte der Bauamtsleiter der Stadt Dorfen, Franz Wandinger, eine Frage zu Optik und Material der Lärmschutzwand in Esterndorf. „Die klassische Lärmschutzwand ist die Aluwand“, antwortete Cibis, „im Verfahren können Stadt und Bürger aber die Optik mitbestimmen. Soweit sind wir noch nicht“.

Übergänge

„Momentan wird die Genehmigungsplanung finalisiert und dann vom Eisenbahn-Bundesamt vorgeprüft“, erklärte der Projektleiter zum Zeitablauf. „Dann folgt eine Anhörungsphase, in der man auch die Möglichkeit hat, Einwendungen zu erheben.“ Dass ein Teil der Strecke fertig ist und der Rest nicht, sei kein Problem: „Man kann auch mit einem Teilabschnitt zweigleisig in Betrieb gehen.“ Für die Übergänge brauche man nur eine Weiche.

Taktverdichtung

Die Fragen der Zuhörer drehten sich auch um Fahrplanverbesserungen. „Der Takt wird verdichtet, und Sie haben mehr verschiedene Möglichkeiten“, antworte Cibis. Zum einen werde es einen neuen S-Bahn-Ast ab Markt Schwaben geben: „Eine S-Bahn fährt dann nach Erding, und ein neuer Ast entsteht mit den S-Bahnen nach Dorfen.“ Dann könne man von dort ohne Umstieg bis zum Marienplatz fahren. Auch eine Express-Regionalbahn zwischen Mühldorf und München werde es geben. Ein Fernverkehrshalt sei in Dorfen dagegen nicht geplant.

Verkehrszunahme

„In der Summe wird es um eine Verdreifachung der Züge gehen“, beantwortete der Projektleiter eine Zuschauerfrage. Dabei gebe es für den Fern- und Güterverkehr Vorgaben vom Bund, für den Nahverkehr von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die sich auf Prognosen für 2030 beziehen. Diese sehe tägliche18 Fernverkehrszüge vor (heute noch gar keine), 40 bis 45 Güterzüge (heute 30 bis 35). Alleine schon durch die S-Bahnen wächst vor allem der Nahverkehr – auf 216 Züge in beide Richtungen.

Die Strecke werde auch für Güterzüge bis 740 Meter Länge tauglich gemacht. „So will man dem Ziel gerecht werden, dass Güter von der Straße auf die Schiene kommen“, erläuterte Cibis. Das sei gerade im Hinblick auf das Chemie-Dreieck wichtig. „Hier kommen bestimmte Kesselwägen für Gase zum Einsatz, die nicht auf der Straße transportiert werden können.“

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