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Hochwasser in Oberbayern: Siedlung geflutet - Die Zerstörung kam in nur 15 Minuten

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Die Siedlung Am Seebach in Oberdorfen stand komplett unter Wasser. Simone Yelderin half Familie Fellermayer bei den Aufräumarbeiten.
Die Siedlung Am Seebach in Oberdorfen stand komplett unter Wasser. Simone Yelderin half Familie Fellermayer bei den Aufräumarbeiten. Die Kramerei am Kreisel aus Dorfen spendierte unterdessen deftige Brotzeiten, süßes Gebäck und viele Kisten Getränke für die Helfer. „Eine super Geste“, finden sie. © Michaele Heske

Das Hochwasser am Montag das Wasser hat die Siedlung Am Seebach in Oberdorfen schwer getroffen. Innerhalb von wenigen Minuten stand alles unter Wasser.

Oberdorfen – Hochwasser in Oberdorfen: Innerhalb einer Viertelstunde stieg am Montagvormittag das Wasser in den Straßen auf einen halben Meter, die Siedlung Am Seebach wurde komplett überschwemmt. 250 Menschen mussten evakuiert werden, 30 Keller sind vollgelaufen, das Wasser stand teilweise bis ins Erdgeschoss. Landrat Martin Bayerstorfer, Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner und Kreisbrandinspektor Richard Obermaier, der den Einsatz leitete, sprachen am Tag darauf mit den Opfern des Hochwassers.

Hochwasser im Landkreis Erding: Siedlung in Oberdorfen evakuiert

„Wir sind gesund, das ist das Wichtigste“, sagt Brigitte Fellermayer. Jetzt erst bei Tage sehe sie das ganze Chaos, welches das Hochwasser angerichtet habe. Sie schaut bedrückt auf das Durcheinander vor ihrem Haus. Simone Yelderin hilft ihr bei den Aufräumarbeiten. Draußen liegen Lebensmittel in durchnässten Kartons, aber auch Bücher und Fotos, die im Keller gelagert wurden. „Was für ein Chaos“, wiederholt Yelderin. Angst und Erschütterung, aber auch Fassungslosigkeit spiegeln sich auf den Gesichtern der Anwohner wider. „Ich bin froh, dass es keine Verletzten oder sogar Tote gab“, sagte Bayerstorfer, der am Montag den Katastrophenfall für Dorfen ausgerufen hatte und dazu erklärt: „Wir wollten sichergehen. Wir mussten vom schlimmsten Szenario ausgehen.“

Nach Hochwasser in Oberbayern: „Starkregen in der Menge nicht beherrschbar“

Die Betroffenheit ist sowohl Bayerstorfer als auch Bürgermeister Grundner anzumerken. Schon öfters haben sie Hochwassersituationen erlebt. Sie erinnern an die Überschwemmungen im Jahr 2013. Damals war in Dorfens Innenstadt tagelang Land unter. Doch noch nie sei das Wasser so rasantem Tempo gestiegen wie am Montag. „Starkregen in der Menge und der Geschwindigkeit sind nicht beherrschbar“, erklärt Grundner, der am Montag seinen ersten Arbeitstag nach dem Urlaub hatte. „Kein guter Einstieg – aber es hilft nichts“, sagte er. Im Bereich des Hochwasserschutzes müsse jetzt nachgebessert werden.

Nach dem vielen Regen der vergangenen Tage hat es von Sonntag auf Montag die ganze Nacht durchgeregnet, mehr als 50 Liter pro Quadratmeter wurden im Landkreis Erding gemessen. Doch dieses Mal war es nicht die Isen, die in Dorfen schon viele Hochwasser verursacht hat, die den Oberdorfenern gefährlich wurde, sondern der Seebach. Ein kleiner, unscheinbarer Graben, der die landwirtschaftliche Fläche zwischen Oberdorfen und Landersdorf entwässert. Auf dieser Fläche baute sich die Hochwasserwelle auf.

Mit betroffenen Anwohnern der Siedlung Am Seebach sprachen am Dienstag (v. r.) Bürgermeister Heinz Grundner, Einsatzleiter Richard Obermaier und Landrat Martin Bayerstorfer.
Mit betroffenen Anwohnern der Siedlung Am Seebach sprachen am Dienstag (v. r.) Bürgermeister Heinz Grundner, Einsatzleiter Richard Obermaier und Landrat Martin Bayerstorfer. © Michaele Heske

Evakuierung nach Hochwasser in Oberdorfen: Bewohner von Flut überrascht

Die Leute aus der Siedlung wurden von der Flut überrascht, das Wasser schoss bis zu einem halben Meter hoch, schoss durch die Straßen und lief in die Häuser – es riss mit sich, was es zu fassen bekam. Einsatzleiter Obermaier berichtete von einer jungen Frau mit einem Baby auf dem Arm, die völlig verstört gewesen und panisch im Regen gestanden sei.

Froh sei der Kreisbrandinspektor indes gewesen, dass der Landrat den Katastrophenfall so schnell ausgerufen habe: „So war die schnelle Evakuierung der Anwohner möglich.“ Nicht nur wegen des Wassers mussten die Häuser geräumt werden, sondern auch damit niemand in den Keller gehe und dort beispielsweise einen tödlichen Stromschlag erleide, erklärte der Experte.

Notunterkunft in der Turnhalle: Evakuierte finden Unterschlupf bei Freunden und Verwandten

Es war nicht der erste Einsatz des Tages für die Feuerwehren im Landkreis. Wie berichtet, war die A 94 zwischen Lengdorf und Dorfen stundenlang gesperrt. Dort hatte der Dauerregen die Erde am frühen Morgen vom Hang auf die Fahrbahn rutschen lassen, die war mit Schlamm und Geröll bedeckt. „Dann kam die nächste Lage, hier in der Siedlung am Seefeld“, sagt Obermaier.

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In der Oberdorfener Turnhalle wurden am Montagnachmittag zwar Feldbetten aufgestellt, doch alle Evakuierten kamen bei Verwandten oder Freunden unter. Nun, am nächsten Morgen, möchten die Betroffenen natürlich wissen, wie es zu der Überschwemmung kommen konnte. „Wir werden die Situation genau analysieren“, versprechen die Politiker. Franz Wunschik und Jochen Kirschbaum fragen nach den Maßnahmen, die getroffen werden, um eine weitere Katastrophe zu verhindern. „Starkregen wird es wieder geben. Was dann?“, fragt auch Anwohner Gerhard Zelder. Und seine Tochter Luisa glaubt: „Das liegt auch am Klimawandel.“

Zum Aufräumen rückten am Montagnachmittag Feuerwehrleute in Oberdorfen an. Auch der Schaum, verursacht unter anderem durch Waschmittel in den überfluteten Häusern, musste entfernt werden.
Zum Aufräumen rückten am Montagnachmittag Feuerwehrleute in Oberdorfen an. Auch der Schaum, verursacht unter anderem durch Waschmittel in den überfluteten Häusern, musste entfernt werden. © Hermann Weingartner

„Es werden Lösungen gesucht“, sagen Landrat und Bürgermeister den Anwohnern der Siedlung zu. Aus dem Hochwasser 2013 habe die Stadt zudem gelernt: Es wurden zusätzliche Traktorenpumpen und eine Drohne angeschafft.

Die Pumpen waren bis in die Morgenstunden im Einsatz. Denn auch am Regenrückhaltebecken war die Situation zunächst kritisch. Da in der Nacht nur leichter Regen fiel, ist die Situation hier mittlerweile entspannt.

Landrat Bayerstorfer: „Der gesamte Schaden wird in die Millionen gehen“

Doch jetzt heißt es am Seebach erst einmal aufräumen. Container wurden mittlerweile angeliefert. Klaus Steiner, der Chef der Stadtwerke Dorfen, war ebenfalls vor Ort. Die Häuser in der Siedlung werden schnellstmöglich wieder mit Strom versorgt, der allerdings erst einmal von extern kommen wird, verspricht er. Auch Bauträger Decker und Architektin Veronica Weltrich-Zimmermann boten Hilfe an, eine erste Einschätzung zur Sicherheit der Häuser, wenn auch kein Gutachten, wollen sie den Bewohnern geben.

„Wir möchten jetzt erst mal alle wieder ins Haus und weiterarbeiten“, erklärt eine Frau stellvertretend für alle Opfer des Hochwassers in der Siedlung. Wie hoch der Schaden ist, ist noch nicht absehbar. „Auch die Therme in Erding ist vom Hochwasser betroffen – der gesamte Schaden wird in die Millionen gehen“, schätzt Landrat Bayerstorfer.

Michaele Heske

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