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Beeindruckend war eine nachgestellte Unfallsituation auf dem Schulhof.

Disko-Unfälle

Diese Szenen gehen nicht mehr aus dem Kopf

Vor den sogenannten Disko-Unfällen warnten Polizei, Feuerwehr und Rettungssanitäter die Schüler der elften Klassen am Dorfener Gymnasium. Bei der hoch emotionalen Veranstaltung kam sogar eine Mutter zu Wort, deren Sohn einen schweren Verkehrsunfall hatte.

Von Michaele Heske

DorfenGerade Fahranfänger sind gefährdet, die Kontrolle zu verlieren. Einerseits unterschätzen sie die Wirkung von Alkohol, andererseits überschätzen sie ihr fahrerisches Können. Die Folgen sind fatal. Vor den sogenannten Disko-Unfällen warnten Polizei, Feuerwehr und Rettungssanitäter die Schüler der elften Klassen am Dorfener Gymnasium. Bei der hoch emotionalen Veranstaltung kam sogar eine Mutter zu Wort, deren Sohn einen schweren Verkehrsunfall hatte. Viele Operationen, ein langwieriger Krankenhausaufenthalten sowie Reha waren die Folgen des Crashs, bei dem immerhin kein Alkohol im Spiel war.

Die Stimme der Frau zitterte, als sie sich erinnerte: „Es klingelte an der Tür, da stand die Polizei. Keiner denkt dran, dass ein Unfall jeden treffen kann, völlig unverhofft.“ Der Sohn habe sich ins Leben zurück gekämpft: „Meine Tochter fährt seither nicht mehr Auto.“ Und auch bei ihr fahre die Angst stets mit, auch sie und ihr Mann legten nur noch die wichtigsten Strecken mit dem Wagen zurück.

Finger weg vom Alkohol

„Gerade die persönlichen Schilderungen und Eindrücke der Rettungskräfte sowie der Mutter machen betroffen. Und eines ist uns klar: Finger weg vom Alkohol“, so Marianne Nussreiner stellvertretend für ihre Klassenkammeraden. Und: „Wir würden ohnehin nicht alkoholisiert Auto fahren.“ Ein Trend, den Johannes Gottwald, stellvertretender Dienstellenleiter der Dorfener Polizei, bestätigen kann: „Koma-Saufen und Vorglühen haben stark nachgelassen.“

Und dennoch gibt es Unglücke im Straßenverkehr. „Von einer Sekunde zur anderen ändert sich alles“, beschrieb das Gottwald. „Waren Alkohol oder Drogen im Spiel, und wird bei einem Unfall jemand verletzt oder getötet, kommt es zur Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung beziehungsweise Tötung.“ Ein Strafverfahren kostet den Führerschein und möglicherweise auch die Freiheit. „Ganz schlimm ist es für den Unfallverursacher, mit der Schuld zu leben“, so Gottwald. Es bleibe immer die Frage offen: „Warum?“

Für Polizisten sei es sehr schwer, die Familie nach einem Unfall zu benachrichtigen. Gottwald stelle sich stets vor, was seine eigenen Angehörigen empfinden würden: „Die Reaktionen der Eltern, wenn sie erfahren, dass ihr Kind bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt oder sogar getötet wurde, reichen von Verleugnung bis zum totalen Zusammenbruch.“ Und leise ergänzte er: „Das sind Szenen, die bekomme ich nicht mehr aus dem Kopf.“

Retter berichten vom Alltag

Spätestens nach zwölf Minuten müssten die Notfallsanitäter am Unfallort sein, berichtete Christian Ehrhard, Bereitschaftsleiter beim Bayerischen Roten Kreuz in Dorfen. „Die Patienten sollten spätestens eine Stunde nach dem Crash in einer Klinik medizinisch versorgt werden.“ Je mehr Personen in einen Unfall verwickelt sind, desto schwieriger auch die Rettung. „Wir können die Patienten nicht packen und aus dem Auto ziehen, oft haben sie offene Brüche und Verletzungen an der Wirbelsäule.“

„Die Fahrzeuge sind stabiler geworden, der menschliche Körper aber nicht“, ergänzte Stefan Beham, Kommandant der Feuerwehr Dorfen. Oft würden Unfallopfer mit einer hydraulischen Rettungsschwere aus den Fahrzeugen geschnitten. Generell werde die Energie unterschätzt, die bei einem Aufprall von 80 Kilometern pro Stunde frei werde. Beide Ersthelfer appellierten eindringlich an die Schüler: „Finger weg vom Alkohol, bildet Fahrgemeinschaften – und denkt dran, ihr seid nicht der Nicki Lauda der Landstraße.“

Bei Todesfällen werde zudem der Erdinger Kriseninterventionsdienst (KIT) alarmiert. „Wir leisten erste Hilfe für die Seele“, sagte KIT-Leiterin Iris Menzinger. „Denn von einer Sekunde zur anderen ist nichts mehr wie es war.“

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