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Zwei Landwirte, zwei Meinungen: Jakob Maier (l.) und Martin Häusling.

Differenzen und Einigkeit zwischen Grünen und Landwirten

Volksbegehren spaltet noch immer

Die Dorfener Grünen hatten zur agrarpolitischen Diskussionsveranstaltung „Power to the Bauer – Welche Landwirtschaft wollen wir?“ geladen. Im Gasthaus Huber in Landersdorf begrüßten sie rund 60 Gäste, darunter vermutlich mehr als die Hälfte Landwirte. 

Dorfen– Die Ausgangsfrage beantworteten die zwei Referenten wortgleich mit „eine europäische Landwirtschaft“. Aber schnell wurden auch Differenzen deutlich, schreibt der Dorfener Grünen-Sprecher Michael Rott in einer Pressemitteilung.

Auf dem Podium sprachen Jakob Maier, Kreisobmann des Erdinger Bauernverbands, sowie der Europaabgeordnete und Biobauer Martin Häusling. Moderatorin Hanna Ermann erläuterte zu Beginn ihre Sichtweise auf die Landwirtschaft als Verbraucherin und Mitbegründerin der Tagwerk-Verbraucher- und Erzeugergenossenschaft. Sie berichtete, dass die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU, die mit rund 60 Milliarden Euro den größten Posten im EU-Haushalt ausmacht, derzeit neu verhandelt wird.

Hierzulande fließt der größte Teil über die sogenannte Erste Säule in die Flächenpräme, die 280 Euro pro Hektar ausmacht. Der Landwirt bekommt sie für die Bewirtschaftung. Unabhängig von der Art der Pflanzen und der Betriebsgröße. Kreisobmann Maier hätte nichts gegen eine Deckelung der Flächenprämie je Betrieb, zum Beispiel auf 100 000 Euro. Doch große Betriebe im Osten würden das anders sehen, und diese hätten Einfluss im Deutschen Bauernverband, erklärte der Niederdinger.

Für den Europaabgeordneten Häusling ist es nicht in Ordnung, dass sich ein ostdeutscher Großbetrieb mit der Flächenprämie am Ende des Jahres einen neuen Bulldog kaufen könne, wogegen beim durchschnittlichen bayerischen Betrieb damit nur der Sprit für den Schlepper gedeckt sei. Häusling unterstrich, dass Bayern und Deutschland auf eine Änderung der Zahlungsmodalitäten drängen sollten, um die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Die Bauern müssten dabei ihr Auskommen behalten, aber nicht über die sture Flächenprämien, sondern über Ausgleich für Umweltmaßnahmen.

Häusling hielt es für falsch, Freihandelsabkommen abzuschließen, die den Export von Milch ermöglichen, denn dann müssten die heimischen Märkte ebenso für Fleischimporte geöffnet werden. Darüber hinaus sei es ökologisch unverantwortlich, Tiere mit importiertem Soja zu füttern, für das auch Urwald gerodet wird, um das Fleisch dann billig auf dem Weltmarkt zu verramschen. Dafür habe Deutschland zu hohe Standards und zu hohe Herstellungskosten.

Derzeit werden die Richtlinien für die Gülleausbringung auf Drängen der EU verschärft. Laut Maier stöhnen die Landwirte über diese Verschärfung, die hohe Kosten verursacht. Er fordert, dass erst die Erfolge dieser Maßnahmen abgewartet werden müssen, bevor weitere Vorschriften erlassen werden. Häusling zeigte einen deutlichen örtlichen Zusammenhang zwischen intensiver Tierhaltung und Nitratbelastung des Grundwassers auf. Landwirte im Publikum verwiesen dagegen auf ein ungünstiges Messstellennetz.

Besonders beim Thema Volksbegehren Artenvielfalt wurden die Differenzen zwischen BBV und Grünen deutlich. Während es bei den Bauern für Verstimmung sorgte, wurde es von den Grünen unterstützt. Laut Häusling sei zum Beispiel Bayern das letzte Bundesland ohne den fünf Meter breiten Uferrandstreifen, der nicht gedüngt und gespritzt werden darf. Maier hielt dagegen, dass manche Vorgaben des Volksbegehrens unpraktikabel seien. Er sorge sich um das Einkommen der Landwirte.

Besonders den hohen Maisanteil sah Häusling aus ökologischer Sicht kritisch. Dabei gebe es gerade jetzt nach dem Volksbegehren die Chance, dass Bevölkerung und Politik bereit sind, für eine ökologischere Landwirtschaft mehr Geld in die Hand zu nehmen. Ermann ergänzte, dass die deutschen Haushalte mit zehn Prozent nur einen vergleichsweise geringen Anteil für Lebensmittel ausgäben und dies auch der Grund für die Verschwendung von Lebensmitteln und die niedrigen Erzeugerpreise für die Bauern sei. Einig waren sich aber alle Diskussionsteilnehmer über die Bedeutung der Wahl zum Europaparlament am 26. Mai.  red

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