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Höflich, aber sehr bestimmt trugen Lärm-Betroffene ihre Wut ins Rathausfoyer. Bürgermeister Heinz Grundner (r.) versprach, tätig zu werden. 

Dorfens Bürgermeister Grundner in der Kritik

Wegen neuer A94: Bürgermeister Grundner in der Kritik: Betroffene gehen auf die Barrikaden

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Bürgermeister Heinz Grundner kam ins Rathausfoyer, um Bürger zu empfangen, die gekommen waren, um Unterschriften gegen den A 94-Lärm zu übergeben - dabei musste er sich einiges anhören.

Dorfen – Die Gruppe war so groß, dass Grundner lieber eine kleine Versammlung im Erdgeschoss abhielt anstatt die etwa 30 Protestierenden nach oben zu geleiten. Auf den Listen standen 390 Unterschriften. Es sollen noch mehr werden. Auch in Dorfener Geschäften liegen Formulare zum Protest aus, berichtete Sefanie Krenn aus Oberhausmehring.

Höflich war der Ton des ganzen Treffens. Doch in der knappen Stunde musste sich Grundner einiges anhören. „Sie als Bürgermeister haben es versäumt, sich für ihre Bürger einzusetzen. Man muss leider sagen, dass auch Sie für die Trasse über Dorfen waren“, sagte ihm eine der Wortführerinnen, Maria Numberger aus Lindum, ins Gesicht. Im Namen der Betroffenen forderte sie effektiven Lärmschutz und Tempolimits. Isolde Freundl sprach von 60 Kilometern pro Stunde für Lastwagen und 100 km/h für Autos.

Angesichts von ungefähr 20 Prozent Schwerlastverkehr sprach Freundl auch die Luftqualität an. „Wir fordern für Anwesen, die sich in einem Bereich bis zu 300 Meter von der Trasse befinden, eine professionelle Feinstaubuntersuchung. Jeder weiß, dass das nicht gsund is’, was wir da einschnaufn.“

„Das war so nicht absehbar“, erklärte Grundner bei seinen Begrüßungsworten und provozierte damit schon sarkastisches Lachen unter A 94-Gegnern der ersten Stunde. Die Stadt habe eine E-Mail-Adresse eingerichtet, bei der etwa 50 Beschwerden eingegangen seien. Außerdem habe er bereits das Gespräch mit Entscheidungsträgern auf Landes- und Bundesebene gesucht (siehe Bericht auf der lokalen Seite 1).

Mit scharfen Worten schilderte Numberger das Leid der Lärmgeplagten – obwohl oder gerade weil sie nach dem Pressetermin auf ihrem Hof zu diesem Thema (wir berichteten) im Internet übelst angefeindet wurde. „Wir leben mit einem Dauerschallpegel von 55 Dezibel.“ Gerade für Kinder sei das unerträglich, klagte die 30-jährige Mutter. „Nichts gegen die Schwindkirchener“, so Numberger weiter, doch für diese Ortschaft habe die Stadt 300 000 Euro für Lärmschutz ausgegeben – anders als für Lindum oder Hausmehring.

Gerade das laute Rattern der Autos über die Dehnungsfugen sei unerträglich. Die Aussage der Autobahndirektion, es werde besser, sei „blanker Hohn“. Hier sei gepfuscht worden. An Lärmschutz sei „nur das Allernötigste mit den billigsten Materialien“ verbaut worden. „Wir beantragen blickdichten und wirksame Schallschutzwände“, forderte Numberger im Namen ihrer Mitstreiter. Außerdem sei es erschreckend zu beobachten, wie Autos am Watzlinger Berg in Nebelwände hineinrasen – für sie auch Grund, ein Tempolimit zu fordern.

Freundl unterstrich das und forderte Grundner auf, den Schulterschluss mit allen Bürgermeistern entlang der A 94 zu suchen. So sei mehr zu erreichen. Mit den Kollegen aus Buch und Pastetten sei er bereits im Gespräch, antwortete der Rathauschef. Ulli Gaigl, Zudem war der Bürgermeister von St. Wolfgang neben einer Handvoll Dorfener Stadträte am Montagnachmittag bei dem Treffen im Rathaus.

„Es muss geprüft werden, ob im Bereich des PPP-Models wirklich alles korrekt gemacht wurde“, erklärte Grundner. Die lauten Fahrgeräusche auf dem neuen Abschnitt würden den Verdacht nahe legen, dass dem nicht so sei. „Wir haben eine Situation, die nicht hinnehmbar ist.“ Die Dorfener Innenstadt sei „genauso“ betroffen. Das wollte Wolfgang Gruber aus Pausenberg so nicht stehen lassen: „Kemman S’ moi raus zu uns und hören Sie si des moi o!“, schimpfte er.

Numberger ging einen Schritt und forderte vom Bürgermeister: „Sie müssen alles in Ihrer Macht stehende tun, dass hier keine B 15 neu kommt. Das wäre der größte Verrat an uns allen.“ Das sagte Grundner zu. Es gebe eine klare Positionierung des Stadtrats, dass hier keine weiteren Infrastrukturprojekte akzeptiert würden.

Kastulus Grundner wies darauf hin, dass Lärmschutzwände niedriger seien als in den Plänen ausgewiesen. Da müsse man nachmessen. In Richtung Mühldorf sei der Lärmschutz ohnehin sehr viel massiver, erklärte Gruber. Dort sei die Politik stärker dafür eingetreten, meinte auch Kastulus Grundner.

Stadtrat Martin Heilmeier forderte am Ende der Zusammenkunft, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung zu nehmen. Eine Resolution könne man verabschieden, sicherte Grundner zu.

Interessantes zum Thema: Viele Menschen an der neu eröffneten A94 sind verzweifelt. Sie wollen, dass ihnen gegen den Dauerlärm der Autobahn geholfen wird. Für die A 94 fordert eine Allianz aus CSU-Politikern eine Verkehrszählung und Schallmessungen, ein Tempolimit und Flüsterasphalt. Und sie kündigt an: „Die werden keinen Spaß mit uns haben.“

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