+

Offene Briefe von Politikern

A94: Laute Lärm-Debatte, aber keine Ergebnisse

  • vonTimo Aichele
    schließen

Anwohner fühlen sich vom A 94-Lärm gepeinigt. Quälend lang dürfte für sie auch die Debatte um Maßnahmen sein. Derweil beharken sich verschiedene Politiker mit offenen Briefen. 

Dorfen – Der Verkehrslärm auf der A 94 hält an, und auch die politische Diskussion wird nicht leiser. „Seit Eröffnung herrscht blankes Entsetzen über extreme Lärmbelastung“, hat Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und seinen Kollegen auf Landesebene, Hans Reichhart (beide CSU), geschrieben. Deren positive Worte bei der Einweihung des Teilstücks zwischen Pastetten und Heldenstein am 1. Oktober müssten den Anwohnern wie Hohn erscheinen, kritisiert die Grünen-Politikerin.

Der Briefwechsel mit Reichhart liegt unserer Zeitung vor. Mit der Antwort auf ihren Brief aus München zeigt sich Walter-Rosenheimer unzufrieden. „Auf meine Forderung, ein Tempolimit einzuführen, geht der Minister mit keinem Wort ein“, erklärt sie in einer Stellungnahme und moniert mit Blick auf einen Ortstermin des Ministers an der A 94: „Fotos vor Ort mit betroffenem Gesicht sind das eine – politisches Handeln das andere.“

Auch Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) macht Druck in der Sache. Er wendet sich allerdings an die Regierung von Oberbayern. In einem offenen Brief an Regierungspräsidenten Maria Els verweist er auf die einstimmig vom Kreistag Erding verabschiedete Resolution zum Thema. Darin wird gefordert, insbesondere den Fahrbahnbelag und Lärmschutzmaßnahmen zu überprüfen.

Die Untere Immissionsschutzbehörde im Landratsamt habe versucht, dazu Unterlagen von der Isentalautobahn GmbH zu erhalten. „Die Isentalautobahn GmbH hat diese jedoch nicht herausgegeben“, berichtet Bayerstorfer. „Die Damen und Herren des Kreistags fordern Sie deshalb unverzüglich auf, alle Unterlagen, die zur Planung, zum Aufbau und zur Durchführung des Fahrbahnbelags bei der Regierung von Oberbayern vorhanden sind, zu veröffentlichen“, schreibt der Landrat an Els.

Reichhart beteuert in seinem Schreiben an Walter-Rosenheimer, die Äußerungen der Mandatsträger und der Bürger aus der Region ernst zu nehmen. Die Mitarbeiter der beiden Verkehrsministerien, der Autobahndirektion Südbayern und der privaten Isentalautobahn GmbH stünden „im ständigen Kontakt, um die Sachverhalte aufzuklären“. Die weiteren Schritte würden „noch einige Zeit in Anspruch nehmen“. Reichhart bekräftigt, dass die Autobahndirektion mit Überprüfungen, „insbesondere zur Qualität der Fahrbahnoberflächen“, beauftragt sei. Dazu werde eine Lärmmessung vorgenommen, schreibt der Minister.

„Ein Schlag ins Gesicht der Menschen“ ist nach Ansicht von Walter-Rosenheimer aber folgende Passage in dem Brief: „In der bisher sehr ruhigen Landschaft wird der von der A 94 ausgehende Geräuschpegel selbstverständlich als besonders laut und störend empfunden“, schreibt der CSU-Minister. Ganz so, als ob „die Betroffenen besonders empfindlich“ seien, ärgert sich Walter-Rosenheimer.

Auch betont Reichhart die Bedeutung der A 94 als „unverzichtbare Verkehrsader“ für den südostbayerischen Wirtschaftsraum. Zudem würden viele Bewohner an der B 12 sowie den Staatsstraßen 2084, 2086 und 2332 „durch die Verlagerung auf die neue Autobahn erheblich entlastet“, erklärt Reichhart. „Diese Argumentation kennen die Menschen dort aus ihrem jahrzehntelangen Kampf gegen diese falsche Trasse“, schimpft die Grünen-Abgeordnete.

Auch interessant

Kommentare