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ABS38: Neuer Projektleiter will Dialogforen gründen

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Von: Timo Aichele

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Der neue Chef: Alexander Pawlik hat schon mehrere Bahn-Projekte geleitet, nun die ABS 38.
Der neue Chef: Alexander Pawlik hat schon mehrere Bahn-Projekte geleitet, nun die ABS 38. © Timo Aichele

Alexander Pawlik ist der neue Gesamtleiter des Projekts ABS38. Mit Dialogforen will er den Austausch mit der Region intensivieren. Am mehrjährigen Zeitverzug beim Bahnausbau wird das aber nichts ändern.

Dorfen – Mit Dialogforen will der neue Gesamtprojektleiter der ABS 38 den Austausch mit den betroffenen Kommunen entlang der Bahnstrecke München–Mühldorf–Freilassing intensivieren. „Wir wollen noch dieses Jahr damit starten“, erklärt Alexander Pawlik, der seit Anfang April bei der DB Netz AG für das Projekt mit zweigleisigem Ausbau und Elektrifizierung auf 150 Kilometern verantwortlich ist.

In den Dialogforen sollen Bürgermeister – in nichtöffentlichen Sitzungen – die Wünsche ihrer Bürger einbringen können. Die größten Betroffenheiten sieht Pawlik an den Planungsabschnitten Markt Schwaben–Ampfing sowie Tüßling–Freilassing. Deswegen sollen in diesen Bereichen die ersten Foren gegründet werden. „Da wollen wir Flagge zeigen“, sagte er am Dienstag beim Pressegespräch im ABS38-Infocenter am Mühldorfer Bahnhof. Auch Infotouren in anliegenden Kommunen sind ab 2023 geplant.

„In machen Abschnitten hat man vielleicht aneinander vorbeigeredet. Da will ich nicht weiter Zeit verlieren“, deutet Pawlik an. Aktuell würden Abstimmungsgespräche laufen. Zum Beispiel sei erst vor wenigen Wochen der zuständige Abschnittsleiter in Dorfen mit dem Stadtrat zusammengetroffen.

In den nächsten Monaten wolle er zunächst die Bürgermeister entlang der Strecke kennenlernen. Es sei wichtig, „bei einem Kaffee zusammen zu sitzen“ und Vorstellungen zu besprechen. „Ich verstehe viele Forderungen der Gemeinden“, sagte der Gesamtprojektleiter. Doch es sei eben nicht alles finanzierbar – „wir unterliegen dem Zuwendungsrecht“.

Zeitverschiebungen sind eine große Sorge, seitdem Ende März bekannt wurde, dass sich die gesamte Maßnahme um mehrere Jahre verzögert. Die ABS38 ist eines der ersten Projekte, das der Bund nach dem „Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz“ (MGVG) abwickeln will. Das bringt eine andere Reihenfolge bei Verfahrensschritten mit sich – und einen Zeitverzug um mehrere Jahre. „Wir sind ein bisschen die Übungskandidaten“, sagt der Bauingenieur über die zweifelhafte Ehre als Vorreiter beim MGVG.

Vor allem bei den Unternehmen im südostbayerischen Chemie-Dreieck ist deswegen die Stimmung schlecht. Sie klagen über eklatante Verspätungen beim Güterverkehr, die Hoffnung auf eine zweigleisige Bahnstrecke ist groß. Doch das ist nicht das einzige Zeitproblem bei dem Projekt, für das es schon in den 1980ern erste Anläufe gab. Ein Erlass von Verkehrsminister Andreas Scheuer hat 2021 dazu geführt, dass die Planung beim Bahnübergang Weidenbach in der Gemeinde Heldenstein, Kreis Mühldorf, „auf null“ gesetzt werden musste, so Pawlik. Nun muss die DB Netz AG dort eine Eisenbahnüberführung konzipieren (wir berichteten). „Das dauert mehrere Jahre“, so Pawlik.

Wegen des Ministererlasses übernimmt der Bund in Weidenbach die Mehrkosten. Ganz anders in Dorfen: Dort würde eine Tieferlegung der Gleise aus Gründen des Lärmschutzes nach Angaben des Verkehrsministeriums 72 Millionen Euro mehr kosten. Diese Teuerung würde der Bund nicht tragen. „Da gibt es eine klare Aussage vom Ministerium“, wiederholt Pawlik die seit Februar bekannte Haltung. Das gesamte Finanzvolumen der ABS38 liegt bei 3,2 Milliarden Euro plus einer Milliarde für die Truderinger und die Daglfinger Kurve.

Immerhin sieht der Gesamtprojektleiter an dieser Stelle kein Potenzial für weitere Verzögerungen. Elektrifizierung und Zweigleisigkeit der gesamten 150 Kilometer bis 2030, von dieser Zielmarke musste wegen des MGVG schon sein Vorgänger Klaus-Peter Zellmer abrücken. Bei der Verzögerung gehe es um mehrere Jahre, bestätigt Pawlik nun. „Wir gehen aber nicht von einem Jahrzehnt aus“, sagt er. Also 2035? „Oder deutlich schneller“, antwortet der 47-Jährige aus Fürstenfeldbruck.

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