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Das waren noch Zeiten: Ferdinand Stöckl (l.) mit Faustballfreunden. Jahrzehntelang marschierten sie am Vatertag durchs Gäu. 

Was am Vatertag geht und was nicht

Allein mit Bier und Bollerwagen

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Bollerwagen, Bier und die besten Freunde. Für viele Väter gehört das an Christi Himmelfahrt einfach zur Tradition. Doch der heurige Vatertag wird deutlich anders aussehen als sonst. In Bayern gelten immer noch Ausgangsbeschränkungen.

Dorfen – Klar scheint: Trotz der Corona-Beschränkungen wollen längst nicht alle Väter auf ihr Vatertagsritual verzichten. „Wir ziehen das durch“, sagt dazu ein 55-jähriger Dorfener Vater, der mit etlichen Spezln unterwegs sein wird – und namentlich nicht genannt werden will. Auf den Bollerwagen will der Dorfener und sieben seiner Spezln aber verzichten. Denn so durch die Gegend zu streifen, das wäre zu auffällig – weil es verboten ist. Die illustre Väterrunde steigt heuer aufs Radl. Getarnt als Sportler wollen sie in gebührendem Abstand von Biergarten zu Biergarten radeln – und so doch gemeinsam feiern.

Doch was ist eigentlich erlaubt, am Vatertag? Gefeiert werden darf mit Familienmitgliedern, die im selben Haushalt leben. Da muss auch kein Sicherheitsabstand eingehalten werden. Mit Personen eines weiteren Haushalts darf ebenfalls gefeiert werden, dann aber nur mit Sicherheitsabstand. Treffen sind sowohl im Freien als auch in der Wohnung erlaubt. Zudem ist es auch gestattet, mit mehreren Verwandten, auch aus verschiedenen Hausständen, zu feiern – aber unter Einhaltung eines Sicherheitsabstands.

Verboten sind aber ohne Wenn und Aber große Gruppenwanderungen. In Dorfen haben das viele Jahre vor allem die Väter der Faustballer und der AH-Fußballer praktiziert. Doch keine der beiden TSV-Abteilungen geht heuer auf Vatertagstour. Der Grund dafür ist aber nicht nur Corona. Es ist auch das Alter. Die wackeren Wanderer haben mittlerweile mehr oder minder große Wehwehchen. „Ich kann das nicht mehr organisieren. Ich könnt’ auch wegen meinem Knie selbst gar nicht mehr mitgehen“, sagt Ferdinand Stöckl. 40 Jahre lang sind er und die Faustballer durch die Gegend gewandert und haben gemeinsam den Vatertag verbracht. Seit der 40. Wanderung ist damit Schluss. Nicht anders sieht es auch bei den AH-Fußballern aus. Die Zeiten der Vatertagsmärsche sind vorbei – die AHler hielten sage und schreibe 50 Jahre lang durch.

Der ein oder andere wackere Ex-Wanderer geht morgen wohl in den Biergarten. Denn seit Montag dürfen in Bayern Biergärten unter Auflagen wieder öffnen. Die Wirte hoffen natürlich gerade am Vatertag auf Geschäft – die Einbußen der vergangenen Wochen sind hoch. Die Gastronomen sind aber auch vorbereitet, damit möglichst nichts ausufert. Im Tonwerk Dorfen gibt es 80 bis 100 Plätze, sagt Geschäftsführer Tobi Maier. „Wir haben schon extrem viel Reservierungen, können aber auch Spontanbesuchern Platz bieten.“ Allerdings stehe alles unter strenger Aufsicht. „Mehr Gäste, als erlaubt, dürfen nicht rein. Die müssen wir dann leider auf den Wartebereich verweisen oder wieder wegschicken“, verweist Maier auf die behördlichen Auflagen. Dazu gehört auch, dass die Gäste in allen Bereichen außer am Tisch eine Maske tragen müssen – also ab Betreten des Biergartens und auch beim Gang auf die Toilette. Und die Gäste müssen auch immer einen Abstand von 1,5 Metern zueinander halten – außer am Tisch bei Personen/Familien, denen der Umgang miteinander ohnehin erlaubt ist. Der Mindestabstand von 1,5 Metern gilt übrigens auch zwischen Bedienungen/Kellnern und Gästen. Und die Biergartenbetreiber müssen zudem eine Gästeliste mit Namen, Telefonnummern und Zeitraum des Aufenthaltes führen – um im Falle einer Infektion die Nachverfolgung zu ermöglichen. Für den Vatertagsexperten Stöckl ist das allerdings nichts. „Mit dem Mindestabstand kommt doch keine Gemütlichkeit auf.“ Und ob das alles funktioniere, daran zweifelt er auch.

Die Dorfener Polizei sieht dem Vatertag entspannt gegenüber. „Der Donnerstag ist für uns ein Feiertag wie jeder andere“, sagt der Inspektionsleiter Harald Kratzel. „Wer mit dem Bollerwagen alleine durch die Gegend zieht, ist kein Problem.“ In Gruppen zu marschieren, gehe aber nicht. „Wenn wir jemand antreffen, werden wir die Herren natürlich ansprechen und auf die Regularien hinweisen“, kündigt Kratzel an. Aber gezielte „Vatertagsstreifen“ gibt es nicht. Der Polizeichef selbst feiert übrigens auch Vatertag. Zuhause mit seinem Sohn. „Da ist es deutlich schöner als auf dem heißen Asphalt.“

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