Aldi
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Im Aldi in Dorfen rastete die Kundin völlig aus. Das kam sie vor dem Amtsgericht Erding teuer zu stehen.

Dorfenerin (56) beschimpft Afrikanerin und wird dafür zu 4800 Euro Geldstrafe verurteilt

Übler Rassismus an der Supermarkt-Kasse

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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4800 Euro Strafe muss eine Dorfenerin bezahlen, weil sie im örtlichen Aldi-Markt eine dunkelhäutige Asylbewerberin rassistisch beleidigt hat – vor den Ohren von Kunden und Mitarbeitern.

Dorfen/Erding – Der Einspruch der 56-Jährigen gegen den Strafbefehl erschien wenig aussichtsreich, weswegen Rechtsanwalt Harald Baumgärtl in der gestrigen Verhandlung am Amtsgericht Erding seine Mandantin dazu überredete, diesen zurückzuziehen. Damit sind die 4800 Euro Strafe rechtskräftig.

Zu dem üblen rassistischen Ausfall war es am 29. März vergangenen Jahres kurz vor 11 Uhr in der Aldi-Filiale an der Haager Straße gekommen. Die 39 Jahre alte Nigerianerin, die erst wenige Tage zuvor in der Asylbewerberunterkunft in Lindum eingezogen war, war dort beim Einkaufen.

Als Zeugin berichtete sie, dass sie immer wieder aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werde, so auch an diesem Tag. „Da gerate ich dann unter Stress, und dann rede ich sehr viel“, erklärte die Afrikanerin. Offensichtlich nicht nur das. Eine Kassiererin (53) hatte noch in Erinnerung, „dass die Kundin laut singend zwischen den Regalen auf und ab“ und schließlich zur Kasse gegangen sei.

Die Zeugin bediente eine andere Kasse. „Es warteten einige Kunden, die Beschuldigte wollte gerade zahlen“, erinnerte sie sich. „Plötzlich hat sie mit den Armen ausladende Gesten gemacht und laut gerufen: ,Go home, Negerfotze‘.“ Sie sei entsetzt gewesen.

Danach kam es zum Tumult an der anderen Kasse. Denn die Dorfenerin marschierte zu der Nigerianerin. Ein Geschubse war die Folge, für das sich das jetzige Opfer bereits vor Gericht hat verantworten müssen. Die Kassierin wusste noch, dass andere Kunden konsterniert reagiert hätten. Eine habe der 56-Jährigen zugerufen: „Man greift keine Menschen an, die bei uns Schutz suchen.“ Wenig später kehrte die Dorfenerin zurück, zahlte und ging. Derweil fuhr die Polizei vor.

Den Einspruch hatte Verteidiger Baumgärtl anfangs damit begründet, dass nicht gesichert sei, ob die Beschimpfung als „Negerfotze“ tatsächlich gefallen sei. Die Entgleisung geißelte Staatsanwalt Anselm Schmidt als „Erniedrigung, Böswilligkeit und Verächtlichmachung“.

Als die Aldi-Mitarbeiterin ausgesagt hatte, empfahl der Staatsanwalt: „Überlegen Sie es sich mit dem Einspruch noch einmal.“ Denn die 120 Tagessätze zu je 40 Euro seien noch ein „sehr fairer“ Ansatz. Er werde in seinem Plädoyer eine höhere Strafe fordern. Daraufhin zogen sich Anwalt und Beschuldigte zu einer Unterredung zurück. Wenig später teilte Baumgärtl mit, „dass wir das Angebot des Staatsanwalts annehmen“. Daraufhin konnte Richterin Michaela Wawerla die Verhandlung abbrechen. ham

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