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Die Cowerker sind beim Technikwerker eingezogen: Helga Schuller von Coworking-Space mit Vermieter Stefan Tremmel, in dessen Räumen die Jungunterneh merin arbeitet. 

Coworking-Space

Arbeiten im Büro der Zukunft

Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, kann Helga Schuller sehr beharrlich sein. So auch bei ihrer Idee, in Dorfen ein Coworking-Space einzurichten. Auch durch Corona ließ sie sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen.

Von Birgit Lang

Dorfen – Jetzt stehen „die Cowerker“ mit 200 Quadratmetern Büro im Elektrofachgeschäft „Technikwerker – Der Heuschneider“ kurz vor der Eröffnung. Die 45-jährige Dorfenerin kam durch ihre Zeit in München mit Coworking (englisch für „zusammenarbeiten“ bzw. koarbeiten) in Berührung. Im Coworking-Space arbeite zwar jeder für sich allein, aber habe dennoch menschlichen Kontakt, mit den anderen. „Warum gibt’s das nicht bei uns in der Region, noch dazu bei unseren Pendler-Zahlen?“, dachte sich die gelernte Schreinerin und studierte Innenarchitektin. Als solche arbeitet die Ehefrau und Mutter einer sechsjährigen Tochter im Einrichtungshaus Thalmeier in Dorfen.

Weil sie die Idee so fesselte, machte sich Helga Schuller auf die Suche nach geeigneten Flächen und wurde bei Stefan Tremmel fündig, der eine neue Nutzung für das ehemalige Café in seinem Fachgeschäft suchte.

Es ist ein Ort, wo große und kleine Treffen stattfinden können, wo man miteinander arbeiten, aber auch jeder seinen eigenen „Lieblings“-Arbeitsplatz mit der entsprechenden Infrastruktur und Technik hat. Diesen kann er in Paketpreisen flexibel zu verschiedenen Tarifen buchen, entweder nur tageweise oder pro Monat.

Schuller hat in den vergangenen Wochen den Bereich komplett nach ihren eigenen Ideen im „Industrial Look“ umgestaltet. „Die ersten Anfragen hatten wir schon vor dem Lockdown“, erzählt sie. Ihr Coworking-Projekt verbinde alles, was sie gut könne: einrichten, Menschen zusammenbringen, Vernetzungen schaffen, organisieren und anderen Menschen weiterhelfen.

Ihr Mann Hans, ein SAP-Entwickler aus der Oberpfalz, half ihr bei der Umsetzung. „Wir haben alles aus eigenen Mitteln finanziert“, sagt die 45-Jährige. Ihr Mann habe sich um die EDV des Startups gekümmert. „Er hat das ganze Router- und Login-System installiert, per Voucher mit Zeitpässen kann der Zugang zum Internet von uns selektiv freigegeben werden. Wir könnten sofort loslegen.“ Auch die Dorfener Stadtwerke haben geholfen und einen Glasfaser-Anschluss in den Coworking-Space verlegt. Stefan Tremmel und sein Team kümmerten sich um die Business-Lösungen und um die Elektrik.

14 Arbeitsplätze mit höhenverstellbaren Schreibtischen sowie selbst entwickelte OSB-Module gibt es, die als Aktenschrank, für die technische Ausstattung oder als Garderobe genutzt werden können. Ebenso können sie sich in eine ruhige Sitzecke zum Chillen oder in einen „Think-Tank“ (englisch für Denkfabrik) verwandeln.

Vorhanden sindzudem eine kleine Küchenzeile und ein großer Tisch, der zum Kaffeetrinken, Frühstücken, Mittagessen oder als Besprechungsecke dienen können. Auch eine größere Stehtheke mit Barhockern und eine Lounge-Ecke wird hier entstehen. Momentan sind die Gemeinschaftsbereiche aber durch die Corona- Einschränkungen noch nicht voll nutzbar. Für Kundengespräche oder Konzeptentwicklungen steht der separate Heuschneider-Besprechungsraum mit dem nötigen Equipment zur Verfügung.

Der Coworking-Space bietet für ein gemischtes Klientel, für alle Altersklassen und unterschiedlichste Berufssparten, eine flexible Möglichkeit zu arbeiten. Gerade jetzt, wo Home-Office an der Tagesordnung ist und der Trend zum Economy-Sharing geht, aber nicht jeder daheim die passenden Rahmenbedingungen vorfindet, kann es eine ideale Lösung sein, sich hier einzubuchen.

Ob Jungunternehmer, die sich das Geld für ein teures Büro sparen wollen, berufstätige Mütter, die vormittags in Ruhe arbeiten wollen, Angestellte, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen oder Leute, die sich ein zweites Standbein aufbauen wollen. Jeder ist willkommen.

Und bei den „Cowerkern“ trifft er vielleicht auf einen Grafiker, der ihm hilft die eigene Homepage aufzubauen, oder einen Buchhalter, der sich um sein Rechnungswesen kümmert oder zumindest Tipps dafür geben kann. Auch Workshops und Präsentationen zu Fachthemen soll es hier bald geben, gerne in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis. „Jeder kann sich bei uns anmelden.“

„Es ist eine spannende Sache und komplett neu für Dorfen“, sagt Schuller und ist überzeugt davon, dass es solche Arbeitsmodelle künftig noch sehr viel öfter in der Region geben wird. Beispielsweise in Isen, wo sich die neue Bürgermeisterin Irmgard Hibler dafür einsetzen möchte.

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