Spätzle und Geselligkeit: Die Besucher des Mittagstischs für Senioren freuten sich ebenso über die Premiere wie die Einsatzleitung der Nachbarschaftshilfe Dorfen, Dagmar Hausner (hinten, l.), und Vorsitzende Ruth Wildgrube.
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Spätzle und Geselligkeit: Die Besucher des Mittagstischs für Senioren freuten sich ebenso über die Premiere wie die Einsatzleitung der Nachbarschaftshilfe Dorfen, Dagmar Hausner (hinten, l.), und Vorsitzende Ruth Wildgrube.

Wertvolle Arbeit der Nachbarschaftshilfe Dorfen

Armut gibt es auch in der Boom-Region

  • VonTimo Aichele
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Die Nachbarschaftshilfe Dorfen ist  vielen Menschen eine Stütze bei Armut und Einsamkeit. Der Verein arbeitet rein spendenfinanziert. Hier ist jeder Euro gut angelegt.

Dorfen – Wer glaubt, in der Boom-Region rund um München und den Flughafen gäbe es keine Armut, muss sich nur einmal kurz mit Ruth Wildgrube unterhalten. Die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Dorfen und ihre Mitstreiter lindern Nöte, die sich Menschen mit geregeltem Einkommen gar nicht vorstellen können.

Da ist zum Beispiel die Familie, die in der eigenen Wohnung friert. Um wirklich genug Scheite im Holzofen einzuschüren, fehlt das Geld. Die Kinder sind oft erkältet. Oder die alleinerziehende Mutter, die ihre Wäsche mit der Hand wäscht. Für die Reparatur der kaputten Waschmaschine oder gar ein neues Gerät reichen ihre Einkünfte nicht. Diese und viele weitere Fälle sind nicht erfunden, sie sind bittere Realität im sonst so reichen Landkreis Erding.

Mit Zuschüssen und viel ehrenamtlicher Arbeit unterstützt die Nachbarschaftshilfe solche Menschen. Der eingetragene Verein besorgt Feuerholz oder für eine andere Familie Heizöl, kümmert sich um die Reparatur der Waschmaschine, kauft Winterschuhe für eine Seniorin, weil sie in den alten Schuhen nasse Füße bekommt, oder das Nötigste für eine bedürftige Familie, die am Monatsende nur noch wenige Cent und damit nicht genug für Windeln oder Toilettenpapier hat. Ein Arbeitsloser erhält ein Ticket für die Fahrt zum Vorstellungsgespräch oder ein Schulabsolvent einen Zuschuss für die Abschlussfeier. Sonst hätte er als einziger in der Klasse nicht am Tanzkurs teilnehmen können.

„Diese Auflistung ließe sich beliebig fortsetzen. So vieles wird zum Problem für Menschen mit geringem Einkommen“, sagt Wildgrube. Hin und wieder werde auch „kleiner Luxus“ ermöglicht, erzählt sie – Gutscheine für die Eisdiele, Kinokarten, der Friseurbesuch oder ein paar Volksfest-Fahrchips für die Kinder. „All das kostet viel ehrenamtlich geleistete Zeit und viel Geld. Das ist nur mit Spendengeldern möglich – denn die Nachbarschaftshilfe Dorfen finanziert sich ausschließlich aus Spenden“, erklärt die Vorsitzende.

Stolz ist die pensionierte Lehrerin, die früher an der Grundschule Dorfen-Nord gearbeitet hat, auf einen besonders umfangreichen Einsatz. Die Ehrenamtlichen ermöglichen derzeit einer alleinerziehenden Mutter, ihre Ausbildung zu beenden. An vier Tagen in der Woche betreuen die Helfer den siebenjährigen Sohn ab 6.30 Uhr bis Schulbeginn. „Ohne diese Unterstützung müsste die junge Frau ihre Ausbildung abbrechen“, sagt Wildgrube.

All diese besonderen Aktivitäten laufen vor dem Hintergrund eines bereits arbeitsreichen Alltags. Die Betreuung von Kindern, wenn Eltern verhindert oder krank sind. Die Begleitung von Senioren zum Einkaufen, Arzt, oder Physiotherapeuten. Hilfe beim Einkaufen, im Garten, bei der Grabpflege und bei vielen anderen Dingen des täglichen Lebens. Mit diesen und unzähligen anderen Tätigkeiten kommt der Verein mit 161 Mitgliedern, davon 81 aktiv, auf 6250 Einsatzstunden im laufenden Jahr.

Auf den Tafelbetrieb entfallen allein 1800 Stunden. Jeden Donnerstagvormittag holen ehrenamtliche Helfer gespendete Lebensmittel von Geschäften ab, räumen sie in Regale und Kühlschränke und geben sie nachmittags an berechtigte Kunden aus.

Einmal monatlich lädt der Verein zum „Kleinen Café“ in seinen Räumen an der Haager Straße 22 und seit November auch zum monatlichen Mittagstisch für Senioren. „Das Schöne war, dass die Leute wirklich miteinander ins Gespräch gekommen sind“, erzählt Wildgrube von der Premiere und dem zweiten Termin im Dezember. Und: „Die meisten haben sich wieder angemeldet.“

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt die Nachbarschaftshilfe und damit unverschuldet in Not geratene Bürger im Landkreis. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN:

DE54 7005 1995 0000 0171 11.

Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

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