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So sieht Planer Martin Vieregg den Bahnausbau in Dorfen: Sowohl die beiden Gleise als auch die Staatsstraße liegen in einem offenen Graben. Darüber führt, wie hier im Bereich der Birkenallee, eine Brücke, oder in anderen Bereichen teilweise ein Deckel. 

Bürgermeister Grundner: „Vorläufig vorläufiger Endbericht“

Bahnausbau in Dorfen:  Alternativplanung wieder nicht vollständig

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Dorfen – Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Das ist seit langem der Wunsch der Stadt Dorfen, die im Bundesverkehrsausschuss in Sachen Bahnausbau eine für Dorfen bessere Lösung erreichen will. Überzeugen will man die Regierenden in Berlin mit einer Alternativplanung, die vom Münchner Verkehrsberatungsbüro Vieregg und Rössler erstellt wurde. Doch die Reise in die Bundeshauptstadt verzögert sich.

Verkehrsplaner Martin Vieregg hat dem Stadtrat seinen „vorläufigen Endbericht der vertiefenden Planung“ vorgestellt. Oder wie es Bürgermeister Heinz Grundner formulierte: „den vorläufig vorläufigen Endbericht“. Denn ganz fertig ist die Alternativplanung für einen besseren Bahnausbau im Dorfener Stadtgebiet noch immer nicht. Bis Ende Juli soll es soweit sein. Dann sollen auch auf Wunsch Viereggs die Planer der Deutschen Bahn seine Variante einer Plausibilitätsprüfung unterziehen. Erst wenn von da das „Okay“ kommt, geht es nach Berlin. Das kann Monate dauern.

Im Stadtrat äußerte vor allem die CSU ihren Unmut darüber, dass die Planung wieder nicht komplett fertig ist. Viele Monate warte die Stadt jetzt schon darauf. Vieregg entschuldigte sich zunächst für die zeitliche Verzögerung. Das beauftragte Ingenieurbüro „igi CONSULT“ habe auch ihn „sehr lange warten lassen“. Der Inhaber sei schon 85 Jahre alt und habe wohl erst spät erkannt, „dass das alles auch ziemlich kompliziert und arbeitsintensiv ist“. Vieregg wies auch darauf hin, dass die vorgelegte Planungsvariante noch Widersprüche enthalte, da die Ausarbeitung „redaktionell noch nicht komplett abgeschlossen ist“.

Vieregg hat seinen überarbeiteten Vorschlag mit geologischen Untersuchungen ergänzt, die allerdings offenbar auf alten Zahlen beruhen. Der Planer schlägt vor, die Bahngleise in einen offenen Graben zu legen. Dadurch sollen kilometerlange Lärmschutzwände und teure Brückenbauwerke unnötig werden. Im Gegensatz zum weitgehend ebenerdigen Ausbau, den die Bahn vorhat, ließe sich so auch der künftig neue Stadtteil auf dem Areal der ehemaligen Ziegelei Meindl sinnvoll erschließen.

Zudem hat Vieregg Hochwasserschutzmaßnahmen bei Starkregen und die in Dorfen gewünschte Verlegung der Staatsstraße von Isen bedacht, die seiner Planung nach von Rutzmoos aus entlang der Bahngleise bis zur B 15 führen soll. Die Bahn habe dazu keinerlei Planung. Für den Planer auch ein gewichtiges Argument: Seine Variante käme mit 57,8 Millionen Euro 8,5 Millionen Euro günstiger als die der Bahn.

Während SPD, Grüne und ÜWG die Alternativplanung in höchsten Tönen als „bessere und städtebaulich schönere Variante“ (SPD-Fraktionschefin Michaela Meister) lobten, sah dies die CSU anders. Ihr Fraktionssprecher Michael Oberhofer sagte, das vorgelegte Papier könne „bestenfalls ein Anfang“ sein. Mit diesen Plänen brauche man nicht nach Berlin zu fahren, da falle man durch. Oberhofer forderte eine Plausibilitätsprüfung durch die Bahn. Fraktionskollegin Barbara Lanzinger stellte infrage, dass die Planung „überhaupt belastbar ist“, da sie auf alten Zahlen beruhe. Landlisten-Sprecher Martin Heilmeier sah in Viereggs Papier dagegen „eine um Meilen bessere Planung als die der Bahn“.

Der als Zuhörer im Publikum sitzende Chefplaner der Bahn, Klaus-Peter Zellmer, erklärte auf Nachfrage, Viereggs Planung eventuell zu prüfen: „Ich bin grundsätzlich bereit, etwas gemeinsam zu machen.“

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