Den Blick in die Zukunft gerichtet: Der Dorfener Komponist und Musiker Andreas Begert beim Komponieren am Flügel und mit Akkordeon. In den nächsten Monaten soll das Bayerische Oratorium fertig werden. 

Andreas Begert komponiert

Bayerisches Oratorium für die Welt

  • Anton Renner
    vonAnton Renner
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Er sieht sich selbst höchst bescheiden als „kleiner Musiker, kleiner Komponist“. Aber Andreas Begert hat hat große Träume, er will „große Werke“ machen. Sein bisher größtes Werk soll ein Bayerisches Oratorium werden, das der 30-Jährige derzeit komponiert. Die Corona-Pandemie beflügelt ihn.

Dorfen – „Ich will bayerische Kultur leben lassen“, gibt sich Begert ansteckend begeistert. Seine Komposition soll ein klassisches Oratorium werden, ein geistliches Werk aus einer Mischung aus Volksmusik, klassischer Musik, das aber auch Jazz- und Popklänge beinhaltet. Begert komponiert sein Werk für Orchester, Akkordeon, Chor und drei Gesangssolisten.

Um die für 2020/21 geplante Uraufführung des Werks in München benötigten rund 80 Musiker sowie Sänger und Solisten bezahlen zu können, hat das musikalische Multitalent eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Mit dieser Art der Gruppenfinanzierung, an der sich jeder beteiligen kann, will der junge Mann 15 000 Euro sammeln. Als Gegenleistung bietet Begert unter anderem Konzertkarten zur Uraufführung, einen dreistündigen, exklusiven Unterricht oder aber auch ein Privatkonzert an. Außerdem sollen mit den Einnahmen die Saalmiete, die Werbung für das Konzert und der Notendruck bezahlt werden. Sollte etwas übrig bleiben, will Begert auch ein Live-Video von der Uraufführung machen lassen, um das Konzert später im Internet zur Verfügung zu stellen.

Meilenstein in der Musikwelt

Seine Augen funkeln, wenn der in Erding geborene und in Dorfen lebende Musiker, Komponist und Dirigent über sein Vorhaben spricht. „Die absolute Besonderheit bei dem Projekt ist, dass das Werk eine bayerische Übersetzung des Textes aus dem Oster-Oratorium von Johann Sebastian Bach haben soll. Der bayerische Dialekt liegt mir besonders am Herzen, da meine ganze Familie aus Bayern stammt und ich selbst die bayerische Tradition über alles liebe.“ Sein Oratorium „soll Brücken bauen zwischen Menschen, aber auch zwischen Musikrichtungen“, schwärmt Begert. „Mein Oratorium wird ein Meilenstein in der Musikwelt werden. Ich möchte ein in dieser Form noch nie dagewesenes Werk schaffen und somit unsere Musikkultur nachhaltig mitgestalten.“

Die Corona-Zeit hat die Welt verändert, gewaltig auch die von Begert. Die Pandemie hat seine beruflichen Pläne komplett zum Erliegen gebracht. Bis Ende des Jahres waren zahlreiche Konzerte und Auftritte bei Festivals geplant. Alle mussten abgesagt werden. Einen Tag in der Woche unterrichtet Begert in der Kreismusikschule. Von den Einnahmen kann er gerade die Miete bezahlen. Gelebt wird vom Ersparten, „das wegläuft wie Eis in der Hitze“. Aber seine Visionen und Träume, neue Musik in die Welt zu setzen, hat der Musiker deswegen nicht aufgegeben. Mit Beginn der Pandemie hat Begert schon alleine wegen der vielen freien Zeit damit begonnen, „bayerische Corona-Lieder“ zu schreiben. Entstanden sind Songs wie „Zsamhoidn“ und „Vergelt’s Gott“, ein Song als Dank an alle, „die in der Krise den Laden am Laufen halten“. Die Musikvideos hat Begert auf die Internetplattform Youtube hochgeladen. Das Lied „Um’s verecka bleibts’ dahoam“ kam bei den Usern besonders gut an. Begert erhielt zahlreiche Zuschriften und Anrufe, warum er nicht mehr Werke in bayerischer Sprache schreibe. Das war die Geburtsstunde der Idee für das Oratorium.

Bayern mit der Welt verbinden

Begert hat sich auf seine Wurzeln besonnen, die in der bayerischen Tradition und Heimat liegen – aber er schätzt auch die weite Welt. „Ich bin ein traditioneller Mensch, der aber immer die Herausforderung sucht, der immer etwas Neues machen will, der sich nicht umdreht, sondern immer nach vorne schaut. Aber ich komme eben auch gerne nach Hause, ich lebe Werte und Traditionen, fühle mich wohl, wenn ich meine Vergangenheit und meine Zukunft verknüpfe“, beschreibt sich Begert selbst. Und genau dieses Gefühl von Tradition und Moderne will er in seinem Oratorium verbinden. „Dieses Werk soll meine Heimat Bayern mit der ganzen Welt verbinden. Es soll junge und alte Menschen gleichzeitig ansprechen und Generationen miteinander in Kontakt kommen lassen.“

In Begerts Leben wird die Corona-Zeit zu einem täglichen Zwiespalt. Einerseits hat er gewaltige finanzielle Einbußen und die damit verbundenen Existenzsorgen, anderseits hat das Virus ihm einen gewaltigen kreativen Schub verpasst. „Ich versuche das Positive aus der Situation zu holen und vielleicht was daraus zu ziehen“, sagt Begert. „Vielleicht kann ich ja der Kultur und Musiklandschaft etwas zurückgeben mit meinem Werk.“ Und der 30-Jährige ist sich sicher: „Wenn meine Vorstellungen, Planungen und Träume Realität werden, dann wäre Corona ein Gewinn für mich.“ Seine Überzeugung: „Nicht den Kopf in den Sand stecken, das beste aus der Situation machen.“ Er lebt ohnehin nach einem einfachen Motto: „Ich mache, worauf ich Lust habe und bleibe mir treu. Ich verbinde musikalische Stile und breche Regeln, weil ich mich auf mein Gefühl und mein Herz verlasse.“ Dass Begert sein künstlerisches Leben so frei führen kann, das verdankt er nicht zuletzt seiner Familie. Hinter ihm stehen allen voran seine Frau Clara, aber auch seine Eltern, alle Omas, Opas, Uroma und Uropas.

Hinzu kommen Förderer und Bekannte, die Begert durch ihre positive Begleitung seines Tuns eine Stütze sind. Denn sie schätzen, dass Begert ein außergewöhnlicher Mensch, ein außergewöhnlicher Komponist und Songwriter ist. Viele Werke hat er schon komponiert und auch zahlreiche moderne Songs geschrieben. Im Juli 2019 hat der Dorfener im Münchner Gasteig sein bisher größtes und auch meist beachtetes Konzert gegeben: Er führte sein Requiem auf. Doch das wird im Vergleich zum Oratorium, das derzeit entsteht, dann im Nachhinein doch eher klein und bescheiden wirken.


Crowdfunding

Wer Andreas Begert bei seinem Oratorium finanziell unterstützen will, kann dies unter folgender URL tun: www.startnext.com/bayerischesoratorium.

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