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Das Tappberger Feld in Grüntegernbach: Die Baulücke (gelb umrandet) soll geschlossen werden. 

Lückenschluss im Tappberger Feld

Anwohner sorgen sich um Lebensqualität

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Der Wunsch, auch in den Dörfern bauen zu können, ist groß. In Grüntegernbach hat die Stadt Dorfen dies durch die Bebauungspläne Tappberger Feld und Grüntegernbach Ost ermöglicht. Knapp 60 Einfamilien- und Doppelhäuser sind entstanden. Jetzt aber gibt es Ärger.

Dorfen – 1989 ist die Siedlung Tappberger Feld Ost mit 16 Einfamilienhäusern entstanden. 2002 folgte der West-Teil mit weiteren zehn Einzelhäusern. Weil der Regenwasserkanal dafür nicht ausgelegt war, musste der Kinderspielplatz dem Rückhaltenbecken weichen. Trotz entsprechender Nachfrage von Einheimischen wurden etliche Grundstücke in den beiden Baugebieten von den Eigentümern bisher nicht verkauft und auch nicht bebaut.

Jetzt sollen Baulücken geschlossen werden. Doch die Anwohner wehren sich dagegen, dass anstatt ursprünglich geplanter dreier Einfamilienhäuser nun mindestens neun Wohneinheiten entstehen sollen. Was zahlreiche Grundstücksanlieger nicht hinnehmen wollen, ist vor allem die geplante Höhe der Häuser. Bisher galten Wandhöhen von vier Metern – außer bei Hanglagen. Bei den neuen Häusern sind Wandhöhen bis 6,45 Meter geplant, kritisieren Anwohner wie Richard Handl. Der Höhenunterschied sei zu massiv, die Häuser wirkten wie Fremdkörper. Das habe nichts mehr mit ländlicher Bebauung zu tun, wird argumentiert. Befürchtet wird überdies eine Verschärfung der Situation durch zugeparkte Straßen.

Auch gegen die Auflösung des auf einem städtischen Grundstück liegenden Hochwasserrückhaltebeckens wehren sich die Bewohner. Sie befürchten dadurch eine drastische Verschärfung der Hochwasserproblematik bei Starkregen. Im Norden angrenzend an die Siedlung ist eine etwa 8000 Quadratmeter große landwirtschaftliche Fläche. Bei Starkregen läuft Regenwasser inklusive Gras, Laub, Steine und Erde in großen Mengen ins Auffangbecken. Der Kanal ist laut Anwohnern schon jetzt bei stärkeren Regenfällen sehr häufig dicht. Hier hilft das Auffangbecken, das etwa 380 000 Liter Wasser fasst.

Im Rathaus wird diese Problematik nicht gesehen. Deshalb soll das Rückhaltebecken aufgelöst und an der Stelle ein Wohnhaus gebaut werden. Die Aufgabe des Beckens soll ein großer, so genannter „Bergeinlauf“ übernehmen. Das ist ein überdimensionierter Kanaleinlauf. Dieser könne 900 Liter Wasser pro Sekunde abführen, das Rückhaltebecken nur 150 Liter.

„Das ist eine deutliche Verbesserung der Situation“, konstatierte Bauverwaltungsleiter Franz Wandinger im Bauausschuss des Stadtrats. Zudem werde auch der Regenwasserkanal vergrößert. Das Wasser werde dann ins Rückhaltebecken im Tapperbergerfeld Ost abgeleitet. Diese Lösung sei auch mit dem Wasserwirtschaftsamt abgesprochen. Die Behörde habe dagegen keine Einwände erhoben. Auf Wunsch der Anwohner sei auch die Höhe der Bebauung etwas zurückgenommen worden, sagte Wandinger. Die Verwaltung schlug vor, das Änderungsverfahren zu beschließen und Behörden und Anwohnern nochmals die Gelegenheit einer Stellungnahme zu geben.

Rückhaltebeckensoll bleiben

Heiner Müller-Ermann (SPD) sagte, die Befürchtungen der Anwohner müssten ernst genommen werden. Bei der jetzt geplanten Änderung solle die Stadt die von Anwohnern gemachten Einwendungen dem Wasserwirtschaftsamt zur Prüfung vorlegen. Christian Holbl (Landliste Tegernbach) befürchtete, dass auch ein großer Wassereinlass bei Starkregen durch Schlamm und Geröll, das vom Hang her abgespült werde, verstopfen könne. Dies müsse ausgeschlossen werden. Ursula Frank-Mayer (GAL) forderte den Erhalt des Rückhaltebeckens. Die Stadt solle auf die Bebauung des städtischen Grundstücks mit einem Einfamilienhaus verzichten. „Die Bürger haben mit Starkregen schon schlechte Erfahrungen gemacht, die wollen das Rückhaltebecken behalten.“

Ludwig Rudolf (CSU) dagegen rief seine Ausschusskollegen dazu auf, „mit gesundem Menschenverstand zu arbeiten, nicht mit Emotionen“. Die Hochwasserproblematik verbessere sich durch die von der Stadt geplanten Maßnahmen deutlich. Zudem könne die Stadt auch die Einnahmen aus dem Verkauf des Grundstücks, auf dem sich das Rückhaltebecken befinde, gut gebrauchen. „Von nix kommt nix“, sagte Ludwig mit Blick auf die vielen freiwilligen Leistungen, die die Stadt in finanzieller Hinsicht gewähre.

Gegen die Stimme von Frank-Mayer wurde schließlich das Änderungsverfahren für den Bebauungsplan beschlossen. Behörden und Anwohner wird nochmals die Möglichkeit eingeräumt, sich dazu zu äußern.

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