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Der Friedhof in Dorfen war trotz schlechten Wetters mit unzähligen Trauergästen gefüllt.

Unglück nach Hemadlenzn-Umzug

Simon (18) ertrank nach Faschingsumzug: Vater richtet bei Beerdigung ergreifenden Appell an die Freunde

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Simon (18) ertrank vergangene Woche beim Dorfener Hemadlenzn-Umzug. Nun wurde er beerdigt. Auf dem überfüllten Friedhof hielt sein Vater eine herzzerreißende Abschiedsrede.

Dorfen – Herzzerreißende Szenen spielten sich am Donnerstag bei der Beerdigung von Simon Oberhofer auf dem Friedhof in Dorfen ab. Der 18-jährige Student war nach dem Hemadlenzn-Umzug am Unsinnigen Donnerstag in die Isen gefallen und darin ertrunken. Sein Vater Michael betonte in einer ergreifenden Abschiedsrede: „Es war ein unfassbares Unglück. Es gibt keine Form von Schuld.“

Damit richtete sich der Dorfener Kommunalpolitiker und Leiter der Grund- und Mittelschule Isen an die Freunde seines verstorbenen Sohnes. „Hätten wir es verhindern können? Haben wir etwas falsch gemacht?“, von diesen Fragen würden die jungen Wegbegleiter bewegt, erklärte der 53-Jährige mit tränenerstickter Stimme. 

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Ergreifende Abschiedsrede des Vaters: „Ihr habt nichts falsch gemacht“

Er wolle ihnen helfen, „diese Wolken vor eurem Gesicht wegzuschieben, damit der Sonnenschein von Simon durchdringen kann. Bitte macht euch frei von schlechten Gedanken!“ Hätten sie also etwas falsch gemacht? „Nein!“, antwortete der trauernde Vater. „Es war ein unfassbares Unglück, und es gibt auch keine Form von Schuld. Auch nicht für die Veranstalter oder die Verwaltung der Stadt Dorfen.“ Und er ergänzte: „Nichts, aber auch gar nichts hätte dieses tragische Unglück verhindern können.“

Simon Oberhofer wurde nur 18 Jahre alt.

Appell an die Freunde: „Begegnet uns so herzlich, wie Simon immer war“

Er und seine Frau Christine dankten allen, die ihnen in den letzten Tagen beigestanden hätten. Zum Schluss bat der Vater darum: „Bitte begegnet uns zukünftig offen und ohne jede Scheu oder gar Angst. Begegnet uns so, wie Simon immer war, herzlich, unkompliziert und voller Lebensfreude auf den nächsten Augenblick.“

Mit Kilian Fischer, Willis Hackel und Nico Leipold erzählten schließlich drei seiner besten Freunden von ihrer Zeit mit Simon Oberhofer. Sie blickten zurück auf die letzten Jahre, in denen sie viel Spaß zusammen hatten. Leipold erzählte, dass man zuletzt beim Hemadlenzn unterwegs gewesen sei. Simon habe dann gesagt, dass er jetzt noch mit ein paar anderen Freunden weiterziehe. Fischer meinte: „Ich habe gesagt, kein Problem, wir sehen uns später. Das war das letzte Mal, dass wir ihn gesehen haben.

Freundin Nadine blickt zurück auf zweieinhalb Jahre - mit einem Lächeln

Die Tränen nicht zurückhalten konnte Simons Freundin Nadine, und doch trat auch sie ans Mikro. Sie erinnerte an die zweieinhalb Jahre ihrer Beziehung. Sei ein Tag auch noch so trüb gewesen, Simon habe ihn mit seiner Art zu einem Sonnentag gemacht. „Ich hoffe, dass du da, wo du jetzt bist, Fußball spielen kannst“, sagte Nadine über den leidenschaftlichen Torwart bei der A-Jugend des TSV Dorfen. Mit einem Lächeln wünschte die junge Frau: „Und dass du dein Lieblingsessen bekommst – Essigknödl – geviertelt.“

Schon eine Stunde vor Beginn des Trauergottesdienstes hatten sich Simon Oberhofers Fußballkameraden mit Nachwuchskickern vom befreundeten 1. FC Neunburg vorm Wald am Vereinsgelände getroffen. Gemeinsam zogen sie zur Pfarrkirche – im Trainingsanzug mit Trauerflor. Das Gotteshaus war letztlich viel zu klein, um allen Trauernden Platz zu bieten; mehrere hundert Menschen wollten sich von dem 18-Jährigen verabschieden.

Taufpate Armin verspricht: „Am 3. Juni werde ich auf dich trinken“

Pater Janusz Gadek zelebrierte den Trauergottesdienst, bei dem viele Tränen flossen. Vor allem, als die zahlreichen Redner an Simon Oberhofer erinnerten. Zunächst sein Taufpate Armin, der am 3. Juni 1971 geboren wurde, auf den Tag genau 29 Jahre vor seinem Patenkind Simon. Er erzählte aus dessen Leben, von seiner Fußball-Leidenschaft beim TSV Dorfen, wo er seit seinem siebten Lebensjahr im Tor stand, von der Schulzeit, die vergangenes Jahr mit dem Abitur am Gymnasium Dorfen endete. Er versprach, dass er am 3. Juni 2019 eine Flasche Bier öffnen und auf ihn trinken werde „So, wie du es gewollt hättest. Und auch an allen weiteren Jahren am 3. Juni, so lange ich lebe.“

Auf einem Steg am Fluss Isen, in dem Simon ertrank, haben Freunde und Familie Zeichen der Trauer aufgestellt.

Simon war leidenschaftlicher Fußballer - sein größter Wunsch bleibt nun unerfüllt

TSV-Vorsitzender Bernd Schmidbauer ließ die fußballerische Laufbahn des Verstorbenen Revue passieren, der als Torwart seit einigen Jahren Mannschafts-Kapitän gewesen sei. Simons letzter Wunsch, in der ersten oder zweiten Mannschaft spielen zu dürfen, sei leider nicht mehr erfüllt worden: „Dabei war schon alles vorbereitet.“

Andrea Hafner, Direktorin am Gymnasium Dorfen, sagte, sie erinnere sich an Simon als sehr zielstrebigen und sehr beliebten Schüler. Nicht zuletzt deshalb habe er vergangenes Jahr die Abiturrede gehalten, die „launig und witzig war, aber auch ernst und kritisch“.

Sogar der Himmel weinte um den 18-Jährigen

Als sich die Trauergemeinde nach dem Gottesdienst vor der Aussegnungshalle versammelt hatte, wurde ein Rap eingespielt. Den hatte der A-Jugend-Torwart vom 1. FC Neunburg extra für Simon komponiert. Bei einem Turnier vor zwei Jahren in Italien hatten sich beide Teams kennengelernt und Freundschaft geschlossen. Die Kicker aus der Oberpfalz waren erst vor Kurzem in Dorfen zu Besuch. „Tränen tropfen aus mir, wie aus den Wolken der Regen“ hieß es am Ende des Rap-Songs.

Und wie aufs Stichwort prasselte heftiger Regen herunter, als die große Trauerschar zum Grab zog, wo die Urne von Simon Oberhofer schließlich zur letzten Ruhe gebettet wurde. Sogar der Himmel weinte um den 18-Jährigen.

Lesen Sie hier den Nachruf auf Simon Oberhofer und sein großartige Persönlichkeit.

*merkur.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

Ein tragischer Unfall hat sich in einem Altenheim in Erding ereignet: Dort kam eine 99-jährige Bewohnerin bei einem Feuer ums Leben, berichtet Merkur.de*.

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