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Das Gewissen von Dorfen: Steffi Hönninger mahnte als Cilli Mare mehr Freundlichkeit im Dorfener Stadtrat an.
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Die A94 war ein Thema von Martin Mittermaier als Egon M.
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De Schdorara Matthias Eicher (l.) und Stefan Fietz sprachen unter anderem über die Volksfestvergabe.
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Zweimal volles Haus gab es im Dorfener E3-Eiskeller zum Starkbierfest.

Zwei Veranstaltungen im E3-Eiskeller

Dorfen: Beim Starkbierfest werden Politiker sauber derbleckt

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Zweimal volles Haus: Beim Starkbierfest in Dorfen schmecken der Josefator und auch die spitzfindigen Auftritte der Cilly Mare, der Stodara und von Egon M.

Was ist der Unterschied zwischen Dorfen und München? In Dorfen gibt es ein Politikerderblecken, in München nicht. Zweimal war der E 3-Eiskeller beim Starkbierfest voll. Angst vor Corona? Keine Spur. „Am besten schützt man sich mit Josefator“, meinte augenzwinkernd Erich Kiefinger, der gewohnt souverän durch den Abend führte. Neue Gesichter standen auf der Bühne, während Rudi Nagl „eine schöpferische Pause“ einlegte, und so gab es diesmal keine musikalischen Einlagen.

Zum 18. Mal war Politikerderblecken in der Isenstadt angesagt – zum sechsten Mal im E 3-Eiskeller. Der „Isener Migrant“ Egon M. (Martin Mittermaier) eröffnete den Abend, ging kurz auf die Wahl und die Fotos der Kandidaten ein und meinte: „Das Auge wählt doch auch mit.“ Gerald Forstmaier sei der ideale Kandidat für die Grünen, der Namensteil „Forst“ impliziere bereits die Farbe grün. „Der ist Landschaftsarchitekt, bei dem ist alles grün. Der schaut auch grün aus – so nachhaltig.“ Weitere Themen bei Egon M. waren A 94 („Ich wohne in Oberhausmehring, da hören wir jeden Schoaß auf der Autobahn“) und dritte Startbahn („Machen wir auf alle Fälle, aber nur unter der Bedingung, dass sie von Berlinern geplant und gebaut wird“).

Erstmals dabei waren die „Schdodara“ Matthias Eicher und Stefan Fietz, „zwei Dorfener Buam, jetzt wohnhaft in München“. Sie machten einen Stadtspaziergang und fragten sich, warum im Bahnhofsgebäude Flüchtlinge wohnen und ein Wettbüro drin ist: „Wahrscheinlich, damit sie das Geld, das sie bekommen, wieder in den Wirtschaftskreislauf geben.“ Als „unser Team Facebook“ bezeichneten sie die Stadträte Barbara Lanzinger und Sepp Jung, „weil die sofort auf jede Diskussion einsteigen“. Auch über den „Drecks-Bahnübergang“ schimpften sie. Übers neue Rathaus sagten sie: „Das passt so gut in die Stadt wie die Autobahn ins Isental.“

Bei seinen Überleitungen auf den nächsten Auftritt wurde Moderator Kiefinger immer wieder „unterbrochen“ von „Jaga“ Günter Janocha, der ihn in kurze Gespräche verwickelte. So meint er zum Abriss und Neubau der B 15-Brücke: „Die Stadt hat es geschafft, dafür einen chinesischen Bautrupp zu engagieren, der die Brücke zwischen Samstag, 10 Uhr, und Sonntag, 7 Uhr, baut.“ Und der Jaga fügte an: „Der chinesische Polier hat gesagt, sie hätten es auch bis 6 Uhr geschafft, aber laut deutschem Baurecht müssen sie Pausen machen.“

“Wann hat es im Stadtrat das letzte freundliche Wort gegeben?“

Wie immer herausragend war die Cilli Mare (Steffi Hönninger), quasi das Dorfener Gewissen. Bei ihrem Auftritt war es wieder mucksmäuschenstill, als sie dem einen oder anderen die Leviten las. So zum Beispiel dem Dorfener Stadtrat, den sie ermahnte, freundlich zu sein – „auch zu den Kollegen“. Und sie fragte: „Wann hat es im Stadtrat das letzte freundliche Wort gegeben?“

Sie mahnte Wertschätzung, Ehrlichkeit und Respekt an und meinte, man brauche sich nicht wundern, wenn unerwünschte Parteien aus Frust gewählt werden würden. Und die Cilli Mare rief zum Wählen auf, denn: „Jede nicht abgegebene Stimme ist ein Kreuz für das, was wir nicht wollen.“

„Es kann doch nicht so schwer sein, Dorfen zu regieren“, schimpfte sie. In den Wahlprogrammen der Dorfener Parteien stehe überall das Gleiche drin: „Wenn alle dasselbe wollen, warum schaffen sie es dann nicht?“ Sie kritisierte Heiner Müller-Ermann, „der immer aufspringt, egal wo, wenn es ums Radl oder ums Klima geht“. Und sie fragte, warum die Dorfener Grünen keinen Bürgermeisterkandidaten haben, „wo sie doch gerade so einen Aufschwung haben“. Am Ende ihres Vortrags mahnte die Cilli Mare: „Es gibt keinen Planeten B, deshalb sollten wir alle freundlich sein zu unserer Mutter Erde.“ Ihr Unwort des Jahres sei dennoch „nachhaltig“. Ihr Tipp: „Ich setze lieber auf regional als auf nachhaltig.“

Im zweiten Teil ihres Stadtspaziergangs widmeten sich die „Schdodara“ zunächst der Volksfestvergabe: „Der Festwirt ist ein Niederbayer, a Drunter-Bayer, da hättn’s glei an Preißn nehma kenna.“ Und sie sagten in Richtung Stadtrat: „Da habt ihr wieder übereinander geredet, aber nicht miteinander.“

Kein Bier für Drobilitsch

Köstlich amüsierte sich das Duo, dass sich Vize-Bürgermeister Günther Drobilitsch am Nachmittag des Hemadlenzn im Liberty darüber beschwert hatte, dass er nach 15 Uhr kein Bier mehr bekommen habe. „Wisst ihr nicht, wer ich bin?“, habe er gefragt und zur Antwort bekommen, dass doch der Stadtrat den Zapfenstreich um 15 Uhr beschlossen habe. Auch, dass es bei den Fußballern des TSV Dorfen gewaltig „schöberlt“, ist den Schdodaran nicht entgangen.

Zum Abschluss kam noch einmal Egon M. auf die Bühne. „Ich tausche mich immer mit Leuten aus, die anderer Meinung sind als ich – ich red jeden Tag mit meiner Frau“, sagte er und erklärte, in Dorfen gebe es jetzt auch einen kulturellen Austausch mit einer japanischen Partnergemeinde. Für Barbara Lanzinger sei es problematisch, da sie die Japaner deutlich überrage. Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner tausche sich dagegen mit seinem japanischen Kollegen auf Augenhöhe aus. Die Derbleckten nahmen es mit Humor und spendeten ebenso wie die anderen Gäste viel Applaus.

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