Rocker sein als Lebenseinstellung: Markus Meßner mag Motorräder und seine Freiheit.

Drohende Fahrverbote

Drohende Motorrad-Fahrverbote: Biker „zeigen Widerstand“ - Statement aus der Rocker-Szene

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Motorrad, Lederkutte, Tätowierung. Unverkennbar sind das Kennzeichen von Bikern, oft auch als Rocker tituliert. Biker wie Markus Meßner aus Dorfen lieben die Freiheit und ihre Motorräder. Weil ihnen beides eingeschränkt werden soll, geben sie jetzt Gas.

Dorfen – Über 10 000 Motorradfahrer haben am Samstag in München für ein Verkehrschaos gesorgt. Durch einen Motorradkorso vor allem auf dem Mittleren Ring wurde gegen eine Initiative des Bundesrats protestiert. Diese sieht vor, den Lärm von Motorrädern zu reduzieren – unter anderem auch durch Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen. Mit dabei waren auch 79 Biker aus dem Dorfener Raum. Sie sammelten sich an der Shell-Tankstelle in der Isenstadt und fuhren dann in einem über einen Kilometer langen Korso auf der A 94 in die Landeshauptstadt.

Biker-Treffen zur Abfahrt nach München. Außenstehende bemängelten, dass die Motorradfahrer bei dem kurzen Zwischenstopp in Dorfen keine Mund-Nase-Masken trugen und es mit der Abstandsregel auch nicht genau nahmen.

Organisiert hat die Ausfahrt der MC Mjölnir Germania. Meßner ist Präsident der Chapter Nomads, in der Biker zusammengeschlossen sind, die kein eigenes Clubhaus haben. „Es war ein tolles Erlebnis“, berichtet der 47-Jährige von dem „Biker-Treffen“ in München. Überrascht ist der leidenschaftliche „Mopedfahrer“ davon, dass viele Polizisten Verständnis für die Aktion zeigten – trotz Demoverbots. Das liegt auch daran, dass die Polizei gegen ein Biker-Treffen im öffentlichen Raum kaum eine rechtliche Handhabe hat.

An dem Treffen waren Meßner zufolge alle Motorradclubs dabei, „die es so gibt in der Gegend – auch die ganz großen“. Und der Dorfener ist begeistert: „Alle sind in einer Reihe nebeneinander gefahren, ganz friedlich, um für unsere Grundrechte einzutreten. Da gab es keine Aggressionen, gar nichts.“ Meßner zitiert hier einen Facebook-Post: „So konnten wir auf unsere demokratische Weise mit viel Spaß friedlich unseren Widerstand gegen unsinnige politische Verordnungen zeigen.“

Dass die Politik den Bikern vorschreiben will, wann sie fahren dürfen und wie laut, findet der Dorfener „unsäglich“. Es könne nicht angehen, „dass alle Biker unter Kollektivschuld gestellt“ würden. „Ich verstehe Leute, die sich gegen Lärm wehren. Und natürlich gibt es auch in der Rocker-Szene Schwarze Schafe. Wie überall anders eben auch. Aber dann muss gezielt gegen die vorgegangen werden. Es dürfen nicht einfach alle Biker pauschal bestraft werden.“ Meßner verweist auch darauf, dass es genug Autos gebe, die durch Tuning oder sogar schon werksmäßig mit lauten Auspuffanlagen ausgestattet seien.

Dass Biker unter einem Negativimage litten, sei die Realität, aber sehr bedauerlich. Zwar gebe es unter gewissen Clubs Reibereien, aber der Großteil der Szene sei absolut friedlich. Wenn Meßner von der Lebensphilosophie eines Rockers spricht, gerät er ins Schwärmen. „Bei uns im Club sind drei Generationen aktiv. Da steht einer für den anderen ein. Wenn einer Hilfe braucht, rennen alle. So einen Zusammenhalt habe ich – außer bei der Dorfener Feuerwehr – nirgends erlebt.“

Die Clubmitglieder sehen sich als Brüder. Wer in einen Club aufgenommen werden will, braucht vor allem eins: Zeit. Bis zu zwei Jahren kann es dauern, bis die „Probezeit“ beendet ist. „Wir wollen dadurch Leute verhindern, die einen auf dicke Hose machen und am Wochenende Rocker spielen wollen. Diese Wochenend-Rocker passen nicht zu uns.“

Gesetz ist für Clubmitglieder, für Werte wie Loyalität, Vertrauen, Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft einzutreten. Dass dies nicht nur warme Worte sind, beweisen der MC Mjölnir und Meßners Nomads regelmäßig. Bei der jährlichen Charity-Feier wird stets eine Versteigerung für einen guten Zweck abgehalten. Vergangenes Jahr kamen 5500 Euro zusammen, die die Werkstätte für Menschen mit Behinderung in Erding erhalten hat. 2017 war der Erlös krebskranken Kindern zugute gekommen, 2018 hatte das Präsidium das Kinderhaus Atemreich ausgewählt, in dem beatmeten Kindern, die eine Intensivbetreuung benötigen, die Möglichkeit gegeben wird, in einer familiären Wohnform ein Zuhause zu finden.

Viele der Biker sind übrigens auch sozial engagiert. Meßner etwa war viele Jahre Feuerwehrmann in Dorfen. Und wer den Rocker um Hilfe bittet, der bekommt sie auch – garantiert.

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