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Corona: So schützen Helfer die Senioren – und sich selbst

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Von: Timo Aichele

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das Marienstift Dorfen ohnehin für seine 90 Bewohner und viele weitere Senioren, die in Tages- oder Kurzzeitpflege betreut werden. In Zeiten des Corona-Virus bestehen seit Donnerstag besondere Vorsichtsmaßnahmen – die wichtigste ist eine Besuchersperre sogar für Lieferanten.
das Marienstift Dorfen ohnehin für seine 90 Bewohner und viele weitere Senioren, die in Tages- oder Kurzzeitpflege betreut werden. In Zeiten des Corona-Virus bestehen seit Donnerstag besondere Vorsichtsmaßnahmen – die wichtigste ist eine Besuchersperre sogar für Lieferanten. © Hermannn Weingartner

Besuchersperre im Marienstift Dorfen  und Vorsichtsmaßnahmen bei den Nachbarschaftshilfen: Ältere Menschen werden geschützt. Expertinnen berichten.

Dorfen/Isen – Senioren gelten als Risiko-Gruppe, die man besonders vor einer Infektion mit dem Corona-Virus schützen muss. Deswegen werden in Altenheimen Besuchsverbote verhängt, und die Nachbarschaftshilfen stehen vor besonderen Herausforderungen: Einerseits werden die Helfer mit neuem Bedarf konfrontiert, andererseits müssen die meist älteren Ehrenamtlichen selbst geschützt werden. Expertinnen in Dorfen und Isen berichten vom neuen Corona-Alltag.

„Wir haben eine Besuchersperre. Und auch die Tagespflege ist gesperrt“, erklärt die Leiterin des Marienstifts Dorfen auf Nachfrage. Eines ist Marion Prey aber besonders wichtig. Der Zettel „Keine Besuche!“, der seit Donnerstag in der Eingangstür der Einrichtung mit 90 Bewohnern und 130 Mitarbeitern hängt, bedeutet nicht, dass das Marienstift von Corona betroffen wäre. „Wir haben keinen nachgewiesenen Fall“, kommentiert die Krankenschwester und Betriebswirtin entsprechende Gerüchte. Auch Lieferanten werden nicht mehr eingelassen. „Wir lassen uns alles vor die Tür stellen.“

Auch die Kurzzeitpflege ist geschlossen. „Die Angehörigen waren alle sehr verständnisvoll“, erzählt Prey von den Gesprächen. Damit fällt vorerst auch die reguläre Anlaufstelle für Kliniken weg, wenn Patienten untergebracht werden sollen. „Das ist aber eine Tagesentscheidung“, so Prey.

An internen Abläufen müsse nichts geändert werden, berichtet die 49-Jährige. „Wir haben sowieso ein sehr gutes Hygienemanagement.“ Auch Mundschutz und Desinfektionsmittel werden dem Marienstift laut der Leiterin nicht ausgehen.

Mit Mitarbeiterausfällen habe das Marienstift nicht zu kämpfen. „Wir haben alle Mitarbeiter angefragt, was sie anbieten können“, berichtet die Leiterin. Ergebnis: Alle Schichten sind besetzt. „Die Menschen, die hier arbeiten, zeigen eine extreme Bereitschaft“, erzählt Prey stolz.

Extreme Bereitschaft – das trifft definitiv auch auf Patrizia Brambring zu. Die 58-Jährige ist als Einsatzleiterin der Nachbarschaftshilfe Isen-Lengdorf-Pemmering ständig auf Achse. Die gelernte Gesundheitspflegerin hat sich auch schon selbst ein paar Vorsichtsmaßnahmen angewöhnt, ist aber überzeugt: „Des krieg ma schon.“

Die Mittagstische für alleinstehende Bedürftige habe sie diese Woche bereits abgesagt. „Aber nur weil ich wusste, dass die Leute versorgt sind.“ Alle hätten großes Verständnis dafür gehabt. Die Nachfrage nach Einkaufsfahrten habe sich „ein klein wenig erhöht“ – auf einem niedrigen Niveau: Wenn es früher einmal im Monat vorkam, dann sei es jetzt vielleicht einmal pro Woche, erzählt Brambring.

Die Nachbarschaftshilfe betreue gut 30 Senioren. „Teilweise fragen die schon: ,Wenn mein Enkelkind kommt, was mache ich dann?‘“, erzählt die Einsatzleiterin. Ihre Antwort: Abstand halten, Hände waschen, sich gesund ernähren. „Ich selbst gebe schon seit bestimmt drei Wochen keine Hand mehr.“ Sie sei zwar kein ängstlicher Mensch, aber ein Meter Abstand sei jetzt wichtig. Wenn sie jemanden besuche, „dann schaue ich, dass die Leute mir die Tür aufmachen und ich auch die Klinke nicht unbedingt berühre“.

Die Nachbarschaftshilfe Dorfen geht mit ihren Vorsichtsmaßnahmen noch weiter. „Die Einsätze haben wir bis auf weiteres ausgesetzt“, berichtet Vorsitzende Ruth Wildgrube. „Das können wir unseren zumeist älteren Helfern nicht zumuten“, sagt sie über Angebote wie Kinderhüten. Die meisten Ehrenamtlichen seien ja auch über 60, berichtet die pensionierte Lehrerin (67). Dabei gehe es sowohl um den Schutz der Helfer als auch der Kunden.

Allerdings: „Für Kunden, für die das echt zum Problem wird, finden wir Einzelfalllösungen.“ Zu diesem Zweck hat sich Wildgrube am Freitag mit Einsatzleiterin Dagmar Hausner zusammengesetzt und die Helfer-Liste nach jüngeren Ehrenamtlichen durchgesehen, die eventuell für Einkaufshilfen oder dergleichen zur Verfügung stehen.

Auch in Dorfen wurde der Senioren-Mittagstisch abgesagt. „In dem Raum hätten wir den Ein-Meter-Abstand nicht einhalten können.“ Das Essen wurde dann ausgeliefert. Um den Mindestabstand geht es auch bei der Tafel. „In der letzten Woche haben wir angefangen, weniger Gäste reinzulassen.“ Am Tafel-Donnerstag in dieser Woche wurden zusätzlich Tische als Abstandshalter aufgebaut. Die Essensausgabe an Bedürftige läuft aber weiter – bisher.

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