(BE)MERKENSWERTES DER WOCHE

Willst du was erleben, geh’ ins Freibad

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Der Stadtrat hat trotz der Corona-Krise die Öffnung des Dorfener Freibades beschlossen. Viele wird das freuen, doch richtige Badefreuden werden das nicht, kommentiert Redakteur Anton Renner in seinem Wochenkommentar.

Es war wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Der Dorfener Stadtrat hat sich für die Öffnung des städtischen Freibades entschieden – unter Regeln, über die man teilweise nur baff staunen kann. Klar ist aber auch: Hätte das Gremium beschlossen, das Freibad geschlossen zu halten, wäre wohl der Aufschrei auch groß gewesen.

Schwimmen im Kreisverkehr

Möglichst schnell sollen also wieder Badefreuden in Dorfen möglich sein. Doch ob das wirklich Freuden werden, das muss bezweifelt werden. Höchstens 230 Besucher dürfen auf das Gelände, davon maximal ein Drittel, also 76,666 (!) Menschen zeitgleich ins Wasser. Und die dürfen nur im Kreisverkehr im Abstand von vier Metern schwimmen. Kinder unter 14 Jahren dürfen nur in Begleitung Erwachsener kommen. Der Freibadbesuch kann auch nur im dreigeteilten Schichtbetrieb erfolgen – jeweils nach 3,5 Stunden müssen die Gäste das Bad wieder verlassen. Dann muss desinfiziert werden. Was, ist nicht so genau bekannt. Nicht nutzbar, weil gesperrt sind Spinde, Umkleiden und Duschen, auch der Spielplatz und das Beachvolleyballfeld. Ob noch Platz im Bad ist, können Besucher nur vor Ort oder telefonisch erfragen – das ist Lotterie auf dorfnerisch...

Ärger ist programmiert

Mal Hand aufs Herz: Wer will unter solchen Bedingungen denn in ein Schwimmbad gehen? Allenfalls vielleicht, um sich über das Chaos zu amüsieren, das unvermeidlich scheint. Die Mitarbeiter im Freibad, die die Einhaltung der Regeln durchsetzen müssen, können einem Leid tun. Wie wird kontrolliert, ob nicht 79 oder 87 Gäste gleichzeitig im Wasser sind? Wie soll der Vier-Meter-Abstand beim Schwimmen überwacht werden? Ärger und Streit sind hier programmiert.

Und noch eins: Das nicht erfasst wird, wer sich im Freibad aufhält, mag zwar Datenschutzfreaks freuen – im Falle einer Corona-Infektion im Bad ist das der Supergau. Infektionsketten können so nicht nachverfolgt werden.

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