Ziehen beim Bahnausbau an einem Strang (v. l.): Klau Peter Zellmer, Klaus-Dieter Josel und Marcel Huber hier am Mühldorfer Bahnhof. 
+
Ziehen beim Bahnausbau an einem Strang (v. l.): Klau Peter Zellmer, Klaus-Dieter Josel und Marcel Huber hier am Mühldorfer Bahnhof. 

Bahnprojekt ABS38

Dorfener Pläne würden Bahnausbau um Jahre zurückwerfen

  • vonTimo Aichele
    schließen

Klaus Peter Zellmer plant den Dorfener Bahnplaner Martin Vieregg.  Von den Zeitangaben, die Vieregg in Bezug auf die „Dorfener Vorzugsvariante“ beim Bahnausbau nennt, hält der DB-Projektleiter Zellmer nicht viel.

Mühldorf/Dorfen – Noch sind die Unwägbarkeiten groß, dennoch nennt Klaus Peter Zellmer öffentlich zumindest einen Wunschtermin für die Fertigstellung des Großprojekts, für das er verantwortlich ist. „Ziel ist immer noch die Inbetriebnahme im Dezember 2030“, sagte der Gesamtprojektleiter gestern über die ABS 38, also den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke München–Mühldorf inklusive Elektrifizierung. „Wie viele Einwendungen und Klagen kommen, hat man aber nicht in der Hand“, so Zellmer bei einem Pressegespräch, dessen Hauptthema die abgeschlossene Vorplanung des Abschnitts Tüßling–Freilassing war. Einen Seitenhieb auf Dorfen verkniff er sich aber nicht.

Auch die Bahn sei zu dem Termin der Dorfener Delegation am 1. September im Bundesverkehrsministerium eingeladen. Er stehe der Dorfener Vorzugsvariante, die Verkehrsplaner Martin Vieregg für die Stadt erstellt hat, „neutral“ gegenüber. „Wir sind Auftragnehmer“, so Zellmer. Wenn das der Wunsch der Bevölkerung und des Ministeriums sei, dann setze die Bahn auch ein Konzept mit tiefergelegten Gleisen um.

Zellmer widersprach allerdings Viereggs Aussage, dass die Baumaschinen in drei Jahren anrollen könnten, sobald das Ministerium Grünes Licht gegeben habe. Schließlich gehe es dann unter neuen Voraussetzungen mit Vorplanungen und Baugrunduntersuchungen von vorne los. „Seit 2013 arbeiten wir an diesem Abschnitt. Daran sieht man, wie weit uns das zurückschießen kann“, erklärte der Projektleiter. Viereggs Zeitschätzung „zeugt davon, dass er doch kein Bauingenieur ist“. Ein paar gute Ideen würden nicht reichen, „die Umsetzung lässt dann doch zu wünschen übrig“, sagte Zellmer. „Unruhe in der Bevölkerung“ sei die Folge.

Über den 1. September sagte er: „Ich hoffe, dass wir dann schnell vom Bundesverkehrsministerium ein Zeichen bekommen, wie es weitergehen soll.“ Die Bahn sei vom Ministerium gebeten worden, parallel weiterzuplanen – ebenerdig mit einem kurzen Trog bei der B 15.

Einen großen Schritt weiter ist man dagegen beim Abschnitt Tüßling–Freilassing. Das Bundesverkehrsministerium hat eine Ausbauvariante festgelegt. „Wir liegen mit der Planung sehr gut im Zeitplan und verdanken das gute Vorankommen hier auch dem kooperativen Miteinander mit den betroffenen Kommunen“, betonte DB-Konzernbevollmächtigter Klaus-Dieter Josel. Erkundungsbohrungen seien dort in vollem Gange. Vor der Pressekonferenz im Info-Center am Mühldorfer Bahnhof hatte der Projektbeirat der ABS 38 getagt. Dabei war auch der Mühldorfer Landtagsabgeordnete Marcel Huber (CSU). „Das ist ein Jahrhundert-Projekt und ein Milliardenvorhaben mit Auswirkungen auf über eine Million Menschen“, erklärte er. Die Kosten lägen, je nachdem, was man einrechne, bei drei bis vier Milliarden Euro.

„Die ABS 38 gehört zu den Top-10-Projekten der Deutschen Bahn in Deutschland“, stellte Zellmer fest. Ein solch großes Projekt nehme man am Ende in Etappen in Betrieb. „Die Elektrifizierung wird man dann erst am Ende machen.“ Welcher der 17 Teilbereiche als erster fertig werden könnte, sei noch nicht klar, doch er tippe auf den Abschnitt zwischen Thann-Matzbach und Dorfen.

Eine große Herausforderung sei der Bahnhof in Markt Schwaben. Dort sei planerisch ein „großer Knoten zu lösen“, sagte Zellmer. Mehrere Dinge müssten umgesetzt werden: der Erdinger Anschluss, Barrierefreiheit und der viergleisige Ausbau Richtung München. „Deswegen wird es dort ein großes Überwerfungsbauwerk geben“, berichtete der Gesamtprojektleiter für die ABS 38.

Die Walpertskirchener Spange, die Schienenverbindung von dieser Bahnstrecke nach Erding, liege aktuell beim Eisenbahnbundesamt, so Zellmer. „Wir erwarten in Kürze die Übermittlung an die Regierung von Oberbayern, damit das Erörterungsverfahren eröffnet werden kann.“

Nicht weit von Dorfen läuft aktuell auch eine Diskussion um Ausbauvarianten. Für den Bahnübergang Weidenbach (Gemeinde Heldenstein) war die teuerste Lösung mit einer Grundwasserwanne eigentlich schon durchgefallen. Nach den Kommunalwahlen hätten der neue Landrat und die neue Bürgermeisterin erneut das Gespräch gesucht.

Dazu werde es nun am morgigen Mittwoch eine Videokonferenz mit dem Bundesverkehrsministerium geben. Wenn umgeplant werden müsse, „dann müssten die zusätzlichen Kosten aus der Region kommen“, erklärt Josel – vom Landkreis Mühldorf als „Kreuzungspartner“, wie Zellmer ergänzt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wartenberger Wertstoffhof ist bald fertig
Wartenberger Wertstoffhof ist bald fertig
Horror-Unfall auf der B20: Vier junge Männer sterben nachts beim Versuch zu Überholen - Neue Details zu den Opfern
In der Nacht auf Montag ereignet sich in Ascha (Landkreis Straubing-Bogen) ein schrecklicher Verkehrsunfall, der vier Leben kostet. Schuld ist ein missglückter …
Horror-Unfall auf der B20: Vier junge Männer sterben nachts beim Versuch zu Überholen - Neue Details zu den Opfern
Weichen für Krippe sind gestellt: Gemeinderat Ottenhofen vergibt Auftrag an Architekturbüro
Ottenhofen bekommt eine neue Krippe, direkt neben der Schule, dort wo das Lehrerwohnhaus steht. Der Auftrag dafür wurde nun an ein Architekturbüro aus Erding vergeben.
Weichen für Krippe sind gestellt: Gemeinderat Ottenhofen vergibt Auftrag an Architekturbüro
Dividende verboten
Ein „schwieriges Jahr“ war 2019 für die Raiffeisenbank St. Wolfgang-Schwindkirchen.
Dividende verboten

Kommentare