Abschied von 3. Bürgermeisterin

Doris Minet, eine Seniorenreferentin mit Herzblut

  • VonCIF.H. Weingartner
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In 19 Jahren Stadtratsarbeit hat Doris Minet Dorfen geprägt. Vor allem als Seniorenreferentin hat sie viele Akzente gesetzt.

Dorfen – Fünf verdiente Räte gehören dem neuen Dorfener Stadtrat nicht mehr an. Unter ihnen ist Doris Minet. Die Dritte Bürgermeisterin, Mitglied ÜWG-Fraktion und Seniorenreferentin hatte nicht mehr kandidiert. Vor ihrem 70. Geburtstag solle Schluss mit der Politik sein, berichtet die 69-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Minet hat sehr viel Gutes für die älteren Generationen erreicht. Ihre Aufgabe als Seniorenreferentin war zu ihrer Berufung geworden. Das Referat trägt ihren Stempel und wird eine Herausforderung für die oder den Nachfolger. Sie habe sich „mit großem Einsatz erfolgreich für die Seniorenarbeit innerhalb der Stadt Dorfen engagiert“, lobt nun Bürgermeister Heinz Grundner. Minet habe mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Ideen das Angebot für die Seniorinnen und Senioren in der Stadt positiv mitgestaltet. 2019 erhielt sie aus den Händen von Landrat Martin Bayerstorfer die kommunale Dankurkunde des Bayerischen Innenministers.

Nur wenige Gremiumsmitglieder können wie sie von sich behaupten, ihre ehrenamtliche Referententätigkeit so aktiv über die gesamte Amtszeit ausgefüllt und erfüllt zu haben. Ihre vielen Ideen mündeten für ältere Bürger und in vielen Fällen auch für deren Angehörige in zahlreiche Verbesserungen und Erleichterungen im Leben und Alltag.

2001 war Minet für den verstorbenen Eibacher Willi Mooshofer in den Stadtrat nachgerückt. Nach der Wahl 2002 war sie dann gleich Mitglied der ÜWG-Fraktion. In dem Jahr hatte das Stadtparlament beschlossen, ein Seniorenreferat einzurichten. Eigentlich hätte Heidi Amman (CSU) die Aufgabe übernehmen sollen, konnte sie aber aus gesundheitlichen Gründen nicht ausüben. Also übernahm Minet.

„Ich habe mich immer gefragt: Was möchte ich, wenn ich selber mal älter bin?“, sagt die verheiratete Mutter eines Sohnes über ihre lange Zeit als Referentin. Dieses Leitmotiv war offensichtlich der richtige Ansatz. Die Liste ihrer Aktivitäten in den knapp 20 Jahren ist lang.

Gleich ihr erstes Projekt wurde 2002 eine bis heute anhaltende Erfolgsstory: der Seniorentanz. Etwa 30 Leute hatten sich zum ersten Treffen für älteren Menschen im Dorfener Gäu im Nebenzimmer des früheren Gasthaus „Dorfener Stubn“ am Johannisplatz eingefunden. Wegen des großen Interesses gleich zum Start zog man in den früheren Streibl-Saal und 2012 in den neuen Jakobmayer-Saal, wo die Erfolgsgeschichte bis heute anhält.

„Ganz wichtig ist eine barrierefreie Stadt“, sagt Minet über ihre Aktivitäten. Ein entsprechendes Projekt von Dorfener Gymnasiasten habe sie mit unterstützt. Einige Stolperstellen in der Innenstadt konnten so beseitigt werden, aber es gebe „noch viel zu tun in dem Bereich“. Der Dorfener Stadtbus sei am Anfang auch eine ihrer Ideen gewesen. Das Projekt ist inzwischen von der Stadt umgesetzt und laufe sehr gut.

Weitere Initiativen waren die Lese-Patenschaften, bei denen ältere Menschen in der Schule vorlesen, und die Hospizsprechstunde, die inzwischen auch in Dorfen angeboten „und sehr gut angenommen wird“. Auch ein städtisches Pflegeberatungsbüro für Senioren und Angehörige wurde durch den Anstoß der Seniorenreferentin geschaffen. Es hat sich als wichtiges Angebot erwiesen.

Und natürlich lag Minet immer der Erhalt und der Ausbau des städtischen Alten- und Pflegeheims Marienstift besonders am Herzen. Dieses sei „toll geführt“, lobt die gelernte Drogistin, die vor ihrer Rente in verschiedenen Geschäften gearbeitet hat.

Auf der langen Aktivitätenliste der Seniorenreferentin stehen außerdem die jetzt geplante Senioren-Wohngruppe am Schießhallenplatz, ein Zugang zum städtischen Friedhof vom benachbarten Marienstift aus, ein Friedhain auf dem Oberdorfener Gottesacker, ein VHS-Computerkurs für Senioren in Dorfen, 2011 eine erstmalige Abfrage der Bedürfnisse und Lebensumstände von Senioren in der Gemeinde, ein „Wegweiser für Senioren“, die Aktion „Patenoma- und Patenopa“, „Jung trifft Alt“, Seniorenwanderungen durchs Isengäu und Busausflüge sowie unzählige Vorträge und Info-Veranstaltungen.

Die Politik habe sie immer schon interessiert, erzählt die 69-Jährige. „Ich wollte was bewegen und mich für etwas einsetzen.“ In jüngeren Jahren habe sie schon alleine Stadtratssitzungen besucht. Ermuntert durch den bereits verstorbenen Jakob Baumgartner sen. habe sie den Weg in die Lokalpolitik gefunden. Bei der ersten Kandidatur 1984 auf der ÜWG-Stadtratsliste reichte es noch nicht für ein Mandat. Aber Minet blieb der Lokalpolitik treu. Nach dem Nachrücken in den Stadtrat 2001 wurde sie 2002, 2008 und 2014 gewählt. In dieser letzten ihrer drei Amtsperioden wurde Minet sogar Dritte Bürgermeisterin und schaffte auch den Sprung in den Kreistag.

„Der ÜWG bleibe ich treu“, verspricht die 69-Jährige. Wichtig sei ihr immer gewesen, bei einer Gruppierung ohne Parteizugehörigkeit zu sein. Die 19 Jahre im Stadtrat waren „eine schöne Zeit“ – besonders, „wenn sich alle einig waren“, resümiert sie. „Dorfen ist es wert, sich dafür zu engagieren.“ Vor dem Politik-Ruhestand sagt die 69-Jährige: „Langweilig wird’s mia sicher a ned.“

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