Leidenschaft für Kunst prägt das Leben von Peter Breth, hier mit einen Sägefisch aus Holz. 
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Leidenschaft für Kunst prägt das Leben von Peter Breth, hier mit einen Sägefisch aus Holz. 

80. Geburtstag

Ein bunter Hund mit vielen Facetten: Peter Breth feiert seinen 80.

  • vonCIF.H. Weingartner
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Peter Breth ist als Künstler, A 94-Widerstandskämpfer und FDP-Politiker bekannt. Zu seinem 80. Geburtstag hat er viel zu erzählen.

Grüntegernbach – Er ist ein Mensch mit Herz und Charakter, Feinsinn, Schalk und Humor, ein Kunstsinniger, Kumpel und treuer Partner, lieber Familienvater, Aushilfs-Opa. Er war Stadt- und Kreisrat für die FDP, Widerstandskämpfer gegen die A 94, Hauptschullehrer in Dorfen und ist vor allem ein echtes Original: Peter Breth. Der weithin bekannte Grüntegernbacher feiert heute 80. Geburtstag und kann auf ein bewegtes Leben mit vielen Höhen, Tiefen und Geschichten zurückblicken, die Bücher füllen würden. Die Heimatzeitung besuchte Breth gestern zuhause in seinem Haus in Grüntegernbach.

Schon auf den ersten Metern wird seine Leidenschaft klar, sein Heim ist kein „normales“ Haus, sondern eher eine Kunstgalerie. Kein Fleck vom Keller bis ins Obergeschoss, wo nicht irgendeines seiner selbst erschaffenen Bilder, Linol-Drucke, Holzschnitte, Collagen, Eisen- oder Holzplastiken sowie Werke aus Recyclingmaterial und Schrottteilen platziert sind. Selbst im großen Garten gibt es keine Ecke, wo nicht ein „Abfall“-Kunstwerk aus der Werkstatt des Jubilars steht.

Viele seiner Schätze haben Grüntegernbach verlassen, wie etwa seine Sammlung von über 3000 Gockeln, die jetzt ihren „Stall“ in der pfälzischen Stadt Göcklingen im eigenen Gockel-Museum gefunden haben. Breth selbst vermeidet für sich den Begriff „Künstler“, denn ein Kunststudium habe er nie gemacht, nur Kunsterziehung an der Schule gegeben. Er sehe sich als Bilder- und Figurenmacher, wozu er ein außergewöhnliches Geschick besitzt.

Breth wurde 1940 in Worms geboren. „Ich komme aus einer Zeit, wo noch Krieg war in Deutschland“, erzählt er und kramte einen ramponierten braunen Teddybär hervor: „Der ist mindestens 78 Jahre alt, der hat Worms noch brennen sehen.“ Der Jubilar kann sich genau erinnern, als die Stadt am Rhein im schweren Bombenhagel großteils zerstört wurde. Die Meldungen im Radio damals höre er noch immer: „PD7 3000 Bomber im Anflug“.

Als „völligen Irrsinn“ bezeichnet er, dass es ganz am Ende in großen Teilen Deutschlands noch Kriegsbegeisterung gegeben habe. Heute, in Zeiten, in denen rechte Gewalt und Gesinnung sich wieder breitmachten, sei ihm ein „Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus ein großes Anliegen“. So pflegt Breth unter anderem regen Briefkontakt mit der 90-jährigen Holocaust-Überlebenden Eva Erben.

Über sein Alter sagt der Jubilar: „Ich bin dankbar, dass es mir relativ gut geht. Und ich nach dem Tod meiner geliebten Frau Ursula vor elf Jahren – mit der ich eine wunderbare Tochter habe – dann doch noch mal eine neue Frau gefunden habe, die das Risiko mit mir eingeht. Wir haben ähnliche Interessen im Bereich der Kunst.“ Heiraten werde er seine Hannelore Stephanie aber nicht: „Das wollten wir beide nicht mehr.“ Mit ihr „habe ich keine Chance, alt zu werden, weil sie agiler ist und reiselustiger ist als ich“, und auch als Aushilfs-Opa sei er gefragt.

An seine Schulzeit als Lehrer in Grüntegernbach und Dorfen von 1965 bis zur Pension 1998 denke er heute nicht mehr, höchstens wenn er einen seiner Schüler treffe. Die haben den damals revolutionären Pädagogen bestens in Erinnerung, war er doch der erste Lehrer, der auf Hausaufgaben verzichtete. Er habe „keinen Schulton gehabt, Lehrer war meine Aufgabe“.

Breth mischte in vielen Bereichen tatkräftig mit. So war er Hemadlenz, Theaterspieler, Schafzüchter, in vielen lokalen Vereinen aktiv, Vorsitzender des Kunstvereins Erding, Naturschützer, Mann der ersten Stunden des Widerstands gegen eine A 94 im Isental, Initiator des Dorfener Bauernmarkts, Urheber des ersten Dorfener Bierkrieg-Plakats und über zwei Jahrzehnte leidenschaftlicher Lokalpolitiker als Einzelkämpfer für die FDP, zunächst 28 Jahre Kreisrat (ab 1978) und dann Stadtrat (ab 1984).

Heute mit 80 Jahren interessiere ihn Politik nur noch am Rande, schreibe aber schon Briefe an die Verantwortlichen, „wenn mir was nicht passt“. Noch als Pädagoge war Breth 1990 dann Verbindungsmann in die ehemalige DDR. Nach dem Fall der Mauer pflanzte er eine Einheitslinde an der Dorfener Schule. In die neuen Bundesländer pflegt er noch heute gute Kontakte zu systemkritischen Leuten von damals.

Langweilig werde es Breth bestimmt nicht, versichert der Jubilar am Ende. So verriet er, dass er 2021 noch mal eine große Ausstellung im Frauenkircherl vorwiegend mit Linoldrucken machen werde. „Den Titel weiß i scho: 1001 – weil 1001 Originale ausgestellt werden.“

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