Visuelle Animation: Die Bahn hat schon 2016 dargestellt, wie der neue Dorfener Bahnhof nach dem zweigleisigen Ausbau aussehen könnte. Er wird nach Osten in Richtung Ziegelei Meindl (r.) verschoben.  Für diesen Planungsfall wünscht sich die Stadt Dorfen nun eine Unterführung für Fußgänger und Radler.
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Visuelle Animation: Die Bahn hat schon 2016 dargestellt, wie der neue Dorfener Bahnhof nach dem zweigleisigen Ausbau aussehen könnte. Er wird nach Osten in Richtung Ziegelei Meindl (r.) verschoben.  Für diesen Planungsfall wünscht sich die Stadt Dorfen nun eine Unterführung für Fußgänger und Radler.

Bahnausbau in Dorfen

Ein Tunnel für den Dorfener Bahnhof

  • VonTimo Aichele
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Noch weiß man nicht, wie das Bundesverkehrsministerium über den Bahnausbau in Dorfen entscheiden wird. Nun stand das Thema im Stadtrat wieder auf der Tagesordnung.

Dorfen – Hohe Lärmschutzwände durch die Stadt oder ein Schienentrog – diese Varianten stehen in Dorfen beim Bahnausbau gegenüber. Scheinbar unversöhnlich, der streitbare Verkehrsplaner Martin Vieregg hatte zunächst für die BI, dann für die Stadt sein Konzept der Schienentieferlegung entwickelt. Seit dem Frühjahr warten die Dorfener nun auf ein Votum des Bundesverkehrsministeriums, ob diese Planung oder die der DB Netze AG zum Tragen kommen wird. Für letzteren Fall musste der Stadtrat nun eine Entscheidung treffen: Beim zweigleisigen Ausbau nach dem DB-Konzept fordert Dorfen am Bahnhof eine Unterführung für Fußgänger und Radler.

Das sei keine Vorentscheidung für eine der Varianten, beruhigte Bauamtsleiter Franz Wandinger. Das Votum des Verkehrsministeriums wird nach Informationen unserer Zeitung für August oder September erwartet.

Währenddessen wirbt der von der Stadt beauftragte Verkehrsplaner weiter für seine Ideen. Die DB AG selbst plane derzeit eine Neubaustrecke, „die dem Konzept der Streckenführung der Vieregg-Rössler GmbH in Dorfen sehr ähnlich ist“, schreibt Martin Vieregg in einer E-Mail an die Redaktion.

Bei der Aus- und Neubaustrecke Karlsruhe– Basel sei im Bereich Müllheim – Bad Krozingen ein Geländeeinschnitt mit steilen Böschungen unter Einsatz von bewehrter Erde sowie abschnittsweisen Deckelungen dieses Schienentrogs im Bereich der querenden Wege vorgesehen. Genau das hat Víeregg für Dorfen geplant, die DB Netze AG hatte das aber unter anderem mit Verweis aufs Eisenbahngesetz abgelehnt.

Im Unterschied zu Dorfen solle der Einschnitt bei dem Bahnprojekt im Breisgau „nicht nur drei bis sechs, sondern acht bis zehn Meter tief werden. Es ist also eine vollständige Tieflage“, beschreibt Vieregg. „Aufgrund der geringeren Tieflage in Dorfen und der Tatsache, dass der Einschnitt den bei der bisherigen DB-Planung vorgesehenen sehr teuren Betontrog ersetzt, ergeben sich in Dorfen keine Mehrkosten“, erklärt der streitbare Verkehrsplaner.

Hier steht allerdings nach wie vor Aussage gegen Aussage. Während Vieregg sein Konzept für günstiger hält, beansprucht Klaus-Peter Zellmer, Gesamtprojektleiter der ABS 38 bei der DB Netze AG, das gleiche für seine Planung.

Bei der Entscheidung über die Unteer- oder Überführung am Bahnhof gehe nur um eine Festlegung, mit der die DB Netze AG weiterplanen kann, sagte Wandinger. Georg Brandhuber von der BI „Besserer Bahnausbau“ war von dieser Argumentation freilich nicht überzeugt. Aus dem Publikum heraus protestierte er lautstark gegen die Behandlung des Themas.

Dies sei das Ergebnis einer Besprechung mit der DB Netze AG Ende Juni, berichtete Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). Die Entscheidung über die Anbindung des Meindl-Areals südlich der Bahnlinie müsse noch im Juli fallen, erläuterte er den Stadträten die Notwendigkeit, die Tagesordnung um diesen Punkt zu ergänzen. Sollte sich die Planung des Büros Vieregg-Rössler durchsetzen, muss komplett anders gedacht werden.

Wandinger schlug eine Unterführung für Fußgänger und Radler vor. Diese schone das Ortsbild, und die Barrierefreiheit sei besser umzusetzen. Auch Heiner Müller Hermann (SPD) pochte auf den Tunnel: „Eine Brücke ist einfach fußgänger- und radlerfeindlich.“ „Die Herstellungskosten dürften sich die Waage halten“, erklärte Grundner. Allerdings sei der Unterhalt einer Überführung erheblich teurer. Das sei entscheidend, denn die Verkehrssicherungspflicht liege hernach bei der Stadt.

Die Investition soll nach den Vorstellungen des Stadtrates zwischen der Bahn und dem Bauträger, der das Meindl-Areal zu einem neuen Wohnviertel entwickelt, geteilt werden. „Diese Kostenbeteiligung ist einzufordern. Das ist schließlich eine Erschließung“, erklärte Grundner. „Ich bin der Meinung, dass das hauptsächlich von der Bahn zu zahlen ist“, erklärte dagegen Martin Heilmeier (LDW) .

Gerald Forstmaier (GAL) berichtete, dass es von der Firma Decker, dem Investor auf dem Meindl-Areal, bereits eine eigene Planung für eine Anbindung gebe. „Hier sind die Fristen, die für die Realisierung genannt wurden, visionär“, sagte Wandinger.

Auch die Bahn werde ihr Großprojekt ABS 38 nicht so schnell umsetzen, erklärte Müller-Ermann. Ein Indiz dafür sei die beschlossene Ertüchtigung des Bahnübergangs in Kloster Moosen. Hier gehe es um gesetzliche Vorgaben, antwortete der Bürgermeister. „Die Bahn ist vom Eisenbahnbundesamt gezwungen, den Übergang jetzt zu ertüchtigen“, erklärte er. Das gleiche gelte für Wasentegernbach. Der dortige Bahnübergang sei auch für 1,5 Millionen Euro modernisiert worden.

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