Trotz allem erreichbar: Sabine Kuliga-Lenffer musste ihr Reisebüro zwar schließen, am Telefon ist sie trotzdem für ihre Kunden da.
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Trotz allem erreichbar: Sabine Kuliga-Lenffer musste ihr Reisebüro zwar schließen, am Telefon ist sie trotzdem für ihre Kunden da.

Tourismusbranche im Landkreis

Corona macht  Betreibern von Reisebüros Angst

Es reißt nicht ab. Am 25. September vergangenen Jahres kam die Schreckensmeldung der Insolvenz von Thomas Cook. Jetzt setzt der Corona-Virus der Reisebranche gehörig zu. Wie lange dies vor allem die kleineren Reisebüros durchhalten können, muss sich zeigen.

Dorfen/Erding – Sabine Kuliga-Lenffer führt das Holiday Land Kuligas Reisebureaux am Unteren Markt in Dorfen. „Thomas Cook war unser Leitveranstalter“, sagt sie und erzählt, dass damals die Hölle los war. „Wir haben die Pleite überstanden und die ausstehenden Provisionen abgeschrieben.“ Die Touristikfachfrau spricht von einer fünfstelligen Summe.

Nach Thomas Cook sei es aber noch weitergegangen, denn man konnte auf andere Veranstalter zurückgreifen. „Und jetzt kommt Corona, und alles steht still. Wir haben aktuell keine Einnahmen.“ Die Provisionen von abgesagten Reisen würden nicht gezahlt. Auch der Ticketservice wirft aktuell nichts ab, koste vor allem Arbeitszeit, Geduld und gutes Zureden. Denn nahezu alle Veranstaltungen wurden und werden abgesagt: „Seit einer Woche arbeiten wir für nichts. Ich bin am Überlegen, ob ich Kurzarbeit anmelden soll, bis die Krise überstanden ist.“ Damit könnte sie zumindest ihre Personalkosten in Grenzen halten.

Über ähnliche Zustände berichtet die Inhaberin des Reiseateliers in Erding, Corinna Gunst: „Für die Kunden kosten diese Stornierungen nichts. Zum Glück. Sie können ja nichts dafür.“ Allerdings hätten sie und ihre Mitarbeiterinnen so viel zu tun wie lange nicht mehr, „und wir verdienen nichts dabei.“

Ärgerlich sei die mangelnde Unterstützung der Veranstalter, Mitarbeiter am Telefon zu erreichen, sei schier unmöglich. „Wir sitzen zwischen den Stühlen und machen es so gut es geht.“

Durchhalten ist angesagt, aber wie? Je nach finanziellen Rücklagen könne man solche Ereignisse überstehen, meint Kuliga-Lenffer. „Wir haben uns in über 30 Geschäftsjahren ein gewisses Polster aufgebaut.“ Wenn sich die Situation aber noch einige Monate lang nicht entschärfe, werde es eng. „Das Letzte, was für mich in Frage kommt, ist Personal zu entlassen.“ Von den vielen schlaflosen Nächten, von Existenzängsten, der Verantwortung für ihre drei Mitarbeiter und ihre vierköpfige Familie erzählt die Geschäftsfrau nur auf beharrliches Nachfragen. Kraft tankt sie draußen in der Natur, wenn sie mit den Hunden spazieren geht. Wichtig sei auch, dass man den Humor nie verliere, so die 43-Jährige.

Vielleicht werde man bald auch Atemübungen machen mit Mitarbeiterin Bettina Holzner-Schmidt, die auch Yoga-Lehrerin ist, um zur Ruhe zu kommen. Und vielleicht kehrt die Ruhe ja auch in den kommenden Tagen wieder etwas ein. Schließlich muss(te) das Reisebüro am Mittwoch für den Kundenverkehr schließen. Seitdem kann man das Kuliga-Lenffer-Team nur noch persönlich am Telefon erreichen.

„Wir haben nichts zu tun“, sagt auch Wolfgang Linner, Inhaber und Geschäftsführer der Linner Reisen in Erding. Er selbst sei nur noch mit Wartungsarbeiten an Bussen beschäftigt, seine Mitarbeiter höchstens noch mit ein paar Stornierungen. Bereits letzte Woche musste Linner in seinem Unternehmen Kurzarbeit einführen. Denn ihn betrifft die Krise schon länger: „Es gibt sehr viele Geschäftsleute aus dem Fernen Osten, die unsere Angebote buchen. Bei uns begann der Auftragsrückgang, als das öffentliche Leben in China eingeschränkt wurde“, erzählt er.

In der Linner-Reisen-Flotte befinden sich sechs Busse. „Wir werden nächste Woche ein paar abmelden müssen. Das bringt ja nichts, wenn die angemeldet sind und einfach nur rumstehen.“

Bei Scharf Reisen ist das bereits passiert: „Wir haben die Hälfte unserer Busse schon abgemeldet“, berichtet Inhaber und Geschäftsführer Andreas Scharf. Sein Fuhrpark zählt über 50 Busse. Noch seien seine Mitarbeiter im Reisebüro zwar beschäftigt, das werde sich in den nächsten Wochen aber ändern, wenn alle Aufträge storniert sind. Ausdrücklich will sich Scharf bei seinen Mitarbeitern bedanken: „Sie bauen Überstunden und Urlaubstage ab, obwohl sie nicht verreisen können.“ Wie es weitergehen wird, kann er noch nicht vorhersehen.

Sein Kollege Linner hört sich aber nicht optimistisch für die Zukunft an: „Wenn es ab dem 20. April einigermaßen bergauf gehen sollte, kann man sagen: Das waren jetzt halt fünf schlechte Wochen. Aber wahrscheinlich ist 2020 für uns gelaufen.“ Um sich selbst mache er sich dabei keine Sorgen, „aber um meine Mitarbeiter. Wir müssen abwarten“.

Von einem Funken Hoffnung kann dagegen Gunst erzählen: „Diese Woche hat eine Dame bei uns eine Neuseelandreise zum Ende des Jahres gebucht, weil sie etwas in der Hand haben wollte, auf das sie sich in dieser schwierigen Zeit freuen kann.“

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