Sandra und Andreas Irmer rüsten auf: „Fest installierte Gastankflaschen lassen sich an Tankstellen auffüllen.“
+
Sandra und Andreas Irmer rüsten auf: „Fest installierte Gastankflaschen lassen sich an Tankstellen auffüllen.“

Firmenporträt

Zwei Erdinger machen ihren Wohnmobil-Traum zum Beruf - trotz Corona boomt ihr Geschäft

Sandra und Andreas Irmer rüsten mit ihrer Firma autarker.de Campingfahrzeuge um. Es ist die Fortsetzung ihrer privaten Leidenschaft.

Dorfen – Vor fünf Jahren hat Andreas Irmer sein Hobby zum Beruf gemacht. Der Maschinenbau-Ingenieur und passionierte Wohnmobilist stattet seither Campingbusse mit Technik aus – beispielsweise mit Solaranlagen, Internetanschlüssen und fest eingebauten Gastankflaschen.

Dorfen: Erdinger machen Hobby zum Beruf - trotz Corona boomt das Geschäft

Das Geschäft boomt, deshalb zog die Firma autarker.de im Januar von Erding nach Esterndorf und vergrößerte hier das Firmengelände um ein Dreifaches, inklusive Shop, Beratungsräume sowie großer Werkshalle. Und einen weiteren Schub erlebt das Geschäft jetzt durch die Corona-Pandemie. Touren mit dem Wohnmobil sind die letzte verbliebene Möglichkeit für einen Kurzurlaub.

Irmer und seine Frau Sandra leben seit 2005 in Erding, wegen des Jobs zogen sie aus Herscheid im Sauerland dorthin. Seitdem ist die neue Heimat Ausgangspunkt für ihre Reisen mit dem eigenen Wohnmobil. Der interessanteste Urlaub, da sind sich beide einig, war 1998 die sechs Wochen lange Reise durch die USA, von San Francisco nach Arizona. Mittlerweile leben sie ihre gemeinsame Leidenschaft auch beruflich.

Dorfen: Erdinger machen sich selbstständig - und statten Campingbusse mit Technik aus

„Wenn ich eine Idee habe und mich nicht traue, das zu tun, werde ich mich ärgern, es nicht getan zu haben“, diesen Gedanken habe er gehabt, bevor er autarker.de gegründet habe, erzählt Andreas Irmer. Also wagten es der 50-Jährige und seine Frau 2015.

Der Firmenname bezieht sich auf das Gefühl der Unabhängigkeit beim Campen. Das genoss das Paar schon bei der ersten gemeinsamen Wohnmobil-Tour. Die Fahrt ging nach Mecklenburg-Vorpommern und auf die Insel Rügen – kurz nach der Grenzöffnung vor 30 Jahren. „Alle Camping-Plätze waren besetzt, wir mussten frei stehen und uns entsprechend im Wohnmobil versorgen.“ Seither habe das Thema Autarkie das Ehepaar nicht mehr losgelassen, so die diplomierte Verwaltungswirtin.

Beim kommoden Urlaub auf vier Rädern braucht der Camper Strom, Gas und Wasser. Gerade für Wohnmobilisten sind Campingplätze nicht immer die erste Wahl. Jetzt, seitdem Corona wütet, zahle sich der Wunsch nach nachrüstbarem Zubehör doppelt aus: „So ist es möglich, auch in diesen Zeiten Urlaub zu machen – Abstand zu halten und unabhängig zu bleiben“, sagt Sandra Irmer.

Im Corona-Urlaub liegen Wohnmobil-Reisen im Trend

Der Markt boome schon länger: „Reisen mit dem Wohnmobil liegen im Trend“, berichtet Andreas Irmer, der viele Jahre im Außendienst eines Automobilhersteller gearbeitet hat. Der Reiz von Wohnmobiltouren? „Flexibilität“, so der Maschinenbauingenieur. Rundreisen sind möglich, man ist nicht auf ein Hotel angewiesen. Gefällt es dem Wohnmobilisten an einem Ort nicht, fährt er weiter. „Das ist bei Pauschalreisen nicht möglich.“ Der Camper habe immer sein Bett dabei.

Die Reiseziele sind individuell – wie auch das Klientel, das sich an die Irmers wendet, um Wohnmobile „autark“ ausstatten zu lassen. Junge Familien zieht es in die klassischen Urlaubsländer Italien, Frankreich oder Österreich. Senioren möchten zur Sommersonnenwende nach Norwegen fahren oder planen große Reisen, touren ein Jahr lang durch die USA. Wiederum andere setzen auf Städtetouren und Wochenendtrips. Die Kunden kommen aus ganz Deutschland, der Schweiz oder auch Österreich. „Viele Wohnmobilfahrer machen einen Zwischenstopp in der Region, um ihr Fahrzeug aufzurüsten“, erzählt Andreas Irmer.

Dorfen: Wohnmobil-Kunden kommen aus ganz Deutschland zu den Erdingern

Er nimmt für sich in Anspruch, ehrlich auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen. „Wer im Winter in Norwegen tourt, ist mit einer Solaranlage schlecht beraten. Und wer E-Bike oder Laptop aufladen muss, braucht mehr Strom. Ich weiß von was ich rede“, sagt Andreas Irmer. „Früher habe ich selbst Beratungsleistungen gesucht, habe aber nur Verkäufer gefunden. Ich habe mir alle Themen selbst erarbeitet.“

Mittlerweile hat die kleine Firma, die vor fünf Jahren als „One-Man-Show“ anfing, acht Mitarbeiter, darunter eine Schreinerin sowie ein Kfz-Technikmeister, allesamt selbst Wohnmobilisten. Auch der Online-Handel bei autarker.de wurde ausgeweitet.

Im Esterndorfer Verkaufsraum zeigt Sandra Irmer auf Gläser in der Auslage, die sich mit Magnetstreifen auf den Tischen oder im Schrank befestigen lassen. „Selbst beim Geschirr setzen die Käufer mittlerweile auf Nachhaltigkeit und bestellen Glas und Porzellan statt Plastik.“

Der Impfstoff-Stopp wegen Lieferengpässen bedeutet für das BRK-Impfzentrum in Erding eine logistische Herausforderung. Alle für die nächsten Tage oder gar Wochen vergebenen Termine müssen umgebucht werden. Und sagenhafte 15 000 Euro will die Burschengemeinschaft Pastetten an die Kinderkrebshilfe und die Mitarbeiter des Klinikums Erding spenden. Dass der Betrag derart hoch wird, damit hätte niemand gerechnet.

(Von Michaele Heske)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare