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Dorfen: „Faust hat Magie“

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Von: Michaele Heske

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Brennen vor Begeisterung: Andreas Wiedermann (l.) und Ernst Bartmann werden 2023 vor der malerischen Kulisse am Unteren Markt wohl „Faust“ als großes Open-Air-Spektakel inszenieren.
Brennen vor Begeisterung: Andreas Wiedermann (l.) und Ernst Bartmann werden 2023 vor der malerischen Kulisse am Unteren Markt wohl „Faust“ als großes Open-Air-Spektakel inszenieren. © Michaele Heske

Nicht alle Dorfener Stadträte waren vom Goethe-Klassiker „Faust“ als Freiluftspektakel zum Stadtjubiläum 2023 begeistert. Die Stimmung hat sich jetzt gewandelt.

Dorfen – Die geplante Freilichtinszenierung von Goethes „Faust“ zur 1250-Jahr-Feier Dorfens 2023 war im Dorfener Stadtrat nicht nur auf Zustimmung gestoßen. Zu intellektuell hieß es, zu teuer – und müsste nicht eigentlich wieder der „Bierkrieg“ auf dem Programm stehen? Am Mittwoch präsentierten Ernst Bartmann und Andreas Wiedermann im Haupt- und Finanzausschuss ihr Konzept für das geplante Open-Air-Spektakel und begeisterten mit einem Konzept, das die Bevölkerung einbezieht. Am Ende der Sitzung stellten sich die Stadträte in nicht öffentlicher Sitzung die Gretchenfrage: Rechnet sich das Faust-Spektakel?

Hätte nicht Ulli Frank-Mayer, Fraktionsvorsitzende der Grünen, einen Antrag gestellt, wäre wohl die komplette Debatte hinter verschlossenen Türen geführt worden. „Die 1250-Jahr-Feier ist im öffentlichen Interesse“, begründete sie zu Sitzungsbeginn ihr Anliegen. „Wenn sich Dorfen im kommenden Jahr ausgiebig feiert, müssen wir auch darüber diskutieren, was auf dem Festprogramm steht.“ Es sei zudem kein gutes Signal, wenn bei einem Fest für alle Bürger die Allgemeinheit von vornherein ausgeschlossen werde, sagte Frank-Mayer. Und SPD-Stadträtin Michaela Meister ergänzte: „Auch Budgetverhandlungen müssen eigentlich immer in der Öffentlichkeit geführt werden.“

Über Geld wurde am Mittwoch im Rathaus vor den wenigen Zuhörern nicht gesprochen, aber immerhin konnten dank des Antrags Bartmann und Wiedermann, bekannt durch viele Inszenierungen der Opera Incognita im Jakobmayer, ihr Konzept präsentieren. Sie sehen die Kulisse am Unteren Markt als optimal geeignet für eine Inszenierung dieser Größenordnung.

„Faust hat Magie“, begeisterte sich Wiedermann, der als Regisseur das Schauspiel umsetzen wird. „Egal, ob beim Hexensabbat, beim Osterspaziergang oder in der Wirtshaus-Szene – das wird ein Spektakel, bei dem viele Dorfener mitmachen können.“ Die Bürger sollen schon bei den Proben eingebunden werden. Zudem will Bartmann als musikalischer Leiter für Musical- und Show-Effekte sorgen.

Der Stoff sei so aktuell wie zu Goethes Zeit, betonte Wiedermann: „Der Mensch glaubt, unheimlich viel zu wissen, Faust ist eigentlich ein personifizierter Supercomputer. Die Geschichte lässt sich gut ins Heute transportieren. Sie steht auch stellvertretend für die Lebenswirklichkeit unserer Generation – für die immerwährende Suche nach dem Glück.“

Nichts also mit gelbem Reclam-Heft und grauer Theorie, um es mit Mephisto zu sagen. „Anfangs war ich auch skeptisch – aber das wird echt geil“, sagte Martin Bachmaier nach der Präsentation.

Möglich, dass diese Formulierung Altmeister Goethe nicht gefallen hätte, aber in der Sache hat der CSU-Stadtrat durchaus recht. Denn die Protagonisten Bartmann und Wiedermann brannten förmlich vor Begeisterung, steckten die Anwesenden mit ihren Vorstellungen an.

„Wir wollen es beim Jubiläum so richtig krachen lassen“, erklärte Kulturreferent und Vize-Bürgermeister Ludwig Rudolf. Und: „Der Bierkrieg hat sich zu Tode geritten. Mit Faust setzen wir neue Akzente im Landkreis, werden damit auch ein auswärtiges Publikum erreichen.“ Schließlich biete der Stoff auch viel Potenzial für eine originelle Dorfener Interpretation und Adaption.

An den fünf Wochenenden von Mitte Juni bis Mitte Juli 2023 sind acht Aufführungen vorgesehen, wobei Ersatztermine für mögliche Ausfälle wegen schlechten Wetters eingeplant sind. Kalkuliert wird mit insgesamt 6000 Zuschauern. „Dann müssten die Vorstellungen auch kostendeckend sein“, meinte Sigrid Wiedenhofer, die als Projektleiterin das Dorfener Stadtjubiläum koordiniert.

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