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Über 40 Meter in die Höhe ragt der Erdüberschuss-Hügel bei Osendorf. Mit diesem Material hätten Wälle gebaut werden sollen. Sie hätten Grund zur Verfügung gestellt, sagen Anwohner. Die Autobahndirektion widerspricht.

Planänderung an der Isentaltrasse

Fehlende Lärmschutzwälle an der A94: Anwohner kritisieren Autobahndirektion

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Hunderttausende Kubikmeter Erde sind beim Bau der Isentaltrasse als „Überschussmasse“ übrig geblieben. Doch das Material  wurde nicht wie versprochen als Lärmschutz verbaut.

Dorfen – Wieder wühlen sich Betroffene des Autobahnlärms an der A 94 durch alte Unterlagen, und wieder entdecken sie „eklatante Missstände“. Das schreibt Isolde Freundl von der Bürgerinitiative Lärmschutz A 94 im Gemeindebereich Dorfen in einer Pressemitteilung. „Die Autobahndirektion Südbayern hatte uns Anwohnern den bestmöglichen Lärmschutz versprochen. Ein Blick in die nun veröffentlichten Unterlagen zeigt: Die Autobahndirektion hatte dieses Anliegen bereits 2011 zu den Akten gelegt. Überschüssige Erdmassen wurden nicht für zusätzliche Lärmschutzwälle genutzt“, kritisiert sie angesichts der nun von der Regierung von Oberbayern veröffentlichten Informationen zur Isentalautobahn.

A94: Planänderung nach dem Prozess

Es geht um hunderttausende Kubikmeter Erdüberschuss, die bei den Bauarbeiten anfielen – und nun nicht wie ursprünglich erhofft als zusätzliche Lärmschutzwälle entlang der Trasse aufgetürmt wurden, sondern als Riesenberg bei Osendorf. Dort wurde eine Kiesgrube aufgefüllt, und dennoch ragt der Hügel 40 Meter übers Geländeniveau hinaus.

„Im Gerichtsverfahren hatte die Autobahndirektion Südbayern stets versichert, den Anwohnern einen bestmöglichen Lärmschutz zu gewahren“, erklärt Freundl. „Einzige Bedingung: Die Anwohner sollten im Gegenzug zusätzliche Flachen für den Bau dieser Wälle zur Verfügung stellen.“

Die Behörde habe versprochen, dies mit den Anwohnern gemeinsam zu planen, berichtet Freundl. So heißt es beispielsweise in der Planfeststellung vom 27. Februar 2009, Seite 237, dass die Autobahndirektion ihre „Bereitschaft erklärt, im Einzelfall zu prüfen, ob im Rahmen der Bauausführung zusätzliche Lärmschutzanlagen aus Überschussmassen hergestellt werden können.“

„Auf diese Zusicherung haben wir alle vertraut“, sagt Anton Obermaier, Anlieger der A 94. Kostenlos hatte er einen Teil seines Grundstücks für besseren Lärmschutz angeboten. „Es wurde aber nicht darauf eingegangen, sie interessierten sich einfach nicht mehr dafür.“

A94-Anwohner: „Ich hab’ nix Schriftliches“

Die Autobahndirektion weist diesen Vorwurf zurück. „Unsere Grunderwerbsabteilung hat mit allen Grundstückseigentümern beim Kauf der für den Bau der Autobahn erforderlichen Grundstücke Verhandlungen geführt“, schreibt Behördensprecher Josef Seebacher auf Nachfrage. „Nach Angaben unserer Grunderwerbsabteilung hat kein Grundstückseigentümer das Angebot gemacht, zusätzliche, über das erforderliche Maß hinausgehende Grundstücksflächen kostenlos für das Schütten von zusätzlichen Lärmschutzwällen zur Verfügung zu stellen.“ Doch hier steht nun Aussage gegen Aussage.

„Das stimmt defintiv nicht“, erklärt wiederum Martin Numberger auf Nachfrage. Der direkte A 94-Anwohner in Lindum erzählt, dass er mehrfach dazu Gespräche geführt habe. „Das Problem ist aber: Ich hab’ nix Schriftliches.“ Er wisse konkret von mehreren Autobahnanliegern, dass diese ebenfalls kostenlos Flächen für Lärmschutzwälle hergegeben hätten. „Die sollen mal einen benennen, der da wirklich Nein gesagt hat“, sagt Numberger in Richtung Autobahndirektion.

Nach der Darstellung der Bürgerinitiative lief es so: Kaum waren alle Gerichtsverfahren der Anwohner abgeschmettert, änderte die Autobahndirektion die Pläne. So steht in der Planänderung des Planfeststellungsbeschlusses „Deponierung der Überschussmassen in der Kiesgrube Osendorf“ vom 21. Januar 2011 auf Seite 11 des Erläuterungsberichts: „Auch ein Einbau der Überschussmassen in Lärmschutzwälle als zusätzlicher Lärmschutz wurde nicht weiterverfolgt.“

Frust über Lärmschutz an der A94: „Plötzlich reich t das Minimum“

Aus immissionsschutzrechtlichen Gründen gebe es keine Rechtfertigung für die zusätzliche Flächenbeanspruchung, da mit den bereits geplanten Lärmschutzanlagen die gesetzlichen Grenzwerte weitgehend eingehalten wurden, argumentierte die Behörde. „Die Autobahndirektion war also plötzlich der Meinung, dass das gesetzliche Minimum reicht. Sicherlich aus Kostengründen wurden die Unmengen an Erdüberschuss lieber auf einen großen Berg zusammengekippt statt entlang der Trasse für Schutzwälle zu verteilen“, schreibt Freundl. „Fakt ist aber, dass diese veraltete Bundesimmissionsschutzverordnung mit viel zu hohen Grenzwerten nicht den Menschen schützt, sondern nur dem Staat zu billigerem Straßenbau verhilft.“

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