„Die Arschkarte gezogen“: Isolde Freundl bei ihrer Ansprache beim Mahnfeuer in Eck bei Dorfen. 
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„Die Arschkarte gezogen“: Isolde Freundl bei ihrer Ansprache beim Mahnfeuer in Eck bei Dorfen. 

Große Protestaktion

Flammender Widerstand an der A94: Lärmgeplagte entzünden Mahnfeuer

  • vonTimo Aichele
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Der Lärm an der A94 lässt die Anwohner nicht ruhen. Am Donnerstagabend  wurden viele Mahnfeuer entlang der umstrittenen Isentaltrasse entfacht. Bei Dorfen aber auch in Buch oder Pastetten  und aus Solidarität sogar in Altötting.

DorfenEin weithin leuchtendes Zeichen des Widerstands sandten am frühen Donnerstagabend die lärmgeplagten Anwohner der A 94 aus. Sie entzündeten entlang der Isentaltrasse Mahnfeuer, um allen Autofahrern da unten auf der Autobahn und vor allem den Politikern zu zeigen: Wir hören euch – jetzt hört mal auf uns. Rund um Dorfen waren es zwölf Mahnfeuer. Auch weiter westlich, in Buch oder Pastetten, loderte der Protest. Und sogar aus Altötting wurden solidarische Feuerzeichen gemeldet.

Zur größten Veranstaltung in Eck bei Dorfen, wo früher der Schwammerl als A 94-Mahnmal gestanden hatte, kamen etwa 100 Besucher – unter ihnen auch Gäste aus Obertaufkirchen oder Simbach am Inn. Unter ihnen eben einige Politiker, die beim Publikum unterschiedlich gut ankamen. Der Traktor-Fangkorb, der als Redner-Bühne diente, stand wegen des zeitweilig heftigen Winds abseits des großen Feuers. An ihm wurden Fackeln entzündet, und zu Beginn gegen 17 Uhr zogen eine kleine Lichter-Prozession zur Bühne mit dem Plakat „Politischer Wille brachte uns unmenschlichen Lärm. Und jetzt?“

Als Moderatorin sprach Maria Numberger aus Lindum. Die direkte Nachbarin der A 94 berichtete von Kindern, die wegen des Lärms nachts aufwachen und forderte von den anwesenden Politikern, wirklich aktiv zu werden: „Gute Worte tun uns gut. Aber wir brauchen Taten.“ Tempolimits, Lärmmessungen, Schallschutz – die Forderungen sind bekannt, und kein Redner sprachen sich dagegen aus.

Die Landbevölkerung habe „die Arschkarte gezogen“ kritisierte A 94-Widerständlerin Isolde Freundl aus Lindum: „Alleine die Tatsache, dass bei den Grenzwerten ein Unterschied zwischen dem Außenbereich und Wohngebieten gemacht wird, ist unserer Meinung nach ein Verstoß gegen das Grundgesetz.“

„Welche Farbe die Partei hat, ist heute egal“, sagte Freundl. „Es wäre halt schöne, wenn unser Ministerpräsident Söder mit seinem neu erwachten Klimabewusstsein endlich ein Tempolimit durchsetzen würde.“

Das Mahnfeuer, die Fackeln und die große Anteilnahme seien beeindruckend, sagte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). „Aufgrund der Berechnungen war der Lärm so nicht zu erwarten“, erklärte Grundner – und erntete dafür sarkastisches Lachen und Buh-Rufe. Als Grundner auch noch ein Grußwort von MdB Andreas Lenz verlas, schallte ein „Langt scho wieder!“ nach vorne, gefolgt von einem gebrüllten „Ausredn lassn!“

„Nur gemeinsam können wir Verbesserungen schaffen“, schloss der Bürgermeister. Das betonte auch Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf (CSU). „Ich finde es nicht gerade richtig, dass man hier so ein Banner auffährt“, sagte sie über den prägenden Schriftzug der Kulisse: „CSU wählen – Lärm ernten“. Reiner und Sabine Koch aus Kloster Moosen beeindruckte das nicht, sie blieben mit ihrem Laken stehen, bis alle Reden vorüber waren.

Scharf kritisierte den angeblich lärmmindernden Fahrbahnbelag. „Man spürt, dass hier etwas nicht stimmen kann“, sagte die frühere Umweltministerin aus Maria Thalheim, da müsse man nur einmal darübergefahren sein. Dabei werde an vielen Autobahnen anders gebaut – „das muss man mir erklären“.

Während Scharf noch relativ verhaltenen, aber immerhin größeren Applaus erntete als Grundner, erhielt der nächste Redner großen Zuspruch. Angesichts der hier vertretenen Politiker-Allianz rief der junge Grünen-Landtagsabgeordnete Johannes Becher aus Moosburg: „Da hätte ich mir a parteiübergreifende Unterstützung gegen den Bau der A 94 gewünscht.“ Das eine seien ja die geltenden Lärmgrenzwerte, das andere, „was man den Leuten erzählt hat“.

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) erklärte, dass der Kreistag Erding stets ablehnende Beschlüsse gegen die Trasse Dorfen gefasst habe. Die jetzige Situation sei nicht hinzunehmen: „Jeder Tag mit dieser Lärmkulisse ist einer zu viel.“ Wie zur Bestätigung rief Wolfgang Gruber aus Pausenberg aus: „Es is a Wahnsinn!“

Die Mühldorfer Kreisrätin Cathrin Henke berichtete, dass ihr Kreistag am Freitag über das Thema berate. Es herrsche große Solidarität, aber: „Wo wir uns streiten, ist das Thema Geschwindigkeitsbeschränkungen.“ Hier müssten alle den Druck aufrecht erhalten, forderte die Grünen-Politikerin. In diese Richtung ging auch die Befürchtung von Hermine Spiegel aus Lengdorf: „Mei Sorge is: Die Wahl am 15. März geht vorbei, und dann is ois stad.“

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