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Kämpfen gegen das Vergessen (v. l.): Georg Wiesmaier, Doris Minet und Adalbert Wirz im Treppenhaus des Jakobmayer, wo nach dem Weltkrieg jüdisches Leben stattfand.

Konzert und Vortrag zur Geschichte

Freiheit unterm Dorfener Davidstern: Schicksal von Juden nach dem Krieg

Die Dorfener Geschichtswerkstatt nimmt einen Konzertabend zum Anlass, um an die besondere Historie des Kulturzentrums Jakobmayer hinzuweisen.

Dorfen – Rund 300 Juden lebten nach dem Krieg in Dorfen. Das Gasthaus „Zum Jakobmayer“, das heutige Dorfener Kulturzentrum, war damals Sitz des Jüdischen Komitees. Auch einen Gebetsraum soll es im Erdgeschoss neben der Gaststätte gegeben haben. Wer die Treppen zum Konzertsaal hinaufgeht, findet im Treppenhaus deutliche Spuren jüdischen Lebens im Dorfen der Nachkriegszeit: die Darstellung eines Davidsterns auf dem Treppenabsatz und die einer Menora, eines siebenarmigen Leuchters, direkt vor dem Saal. Dort treten am Sonntag, 9. Februar, „Klezmers Techter“ auf, eine der wenigen weiblichen Klezmer-Ensembles (siehe Kasten).

„Jahrzehnte lang wurde geschwiegen, fast schon ein Geheimnis daraus gemacht, dass nach dem Krieg Juden in Dorfen gelebt haben“, sagt Doris Minet, die an dem Abend für den historischen Teil verantwortlich zeichnet. Immerhin haben zeitweise 300 osteuropäische Juden als Displaced Persons (DPs), also Flüchtlinge, nach dem Zweiten Weltkrieg im damaligen Markt Dorfen gelebt.

Der Verein „Dorfen ist bunt“, zu dessen Gründungsmitgliedern auch Minet gehörte, steht gegen die rechte Szene in der Stadt. „Wir haben in der Dorfener Geschichte nach Vorbildern gesucht, nach Männern und Frauen, die hier für Toleranz gekämpft und Zivilcourage bewiesen haben“, erklärt die 3. Bürgermeisterin Dorfens. Gemeinsam mit Adalbert Wirz, Monika Schwarzenböck und Bettina Kronseder suchte Minet nach einem geschichtlichen Thema, das exemplarisch für das Zusammenleben unterschiedlich geprägter Menschen in Dorfen steht. Und sie wurden fündig: „Ich weiß nicht, ob es Zufall oder Fügung war“, sagte Minet. Am 24. Oktober 2011 jedenfalls musste sie im Münchner Staatsarchiv warten und fand die Bachelor-Arbeit von Thea Fleischhauer, einer jungen Historikerin aus Weimar. „Die Jüdische Blumengartenschule: Ein Kibbuz jüdischer Displaced Persons im oberbayerischen Dorfen, 1946 – 1948“, lautet der Titel. „Was für ein Fund“, so Minet.

Gleichzeitig war die Arbeit Initialzündung für ein mehrjähriges Projekt, das ein vergessenes Kapitel Dorfener Geschichte aufdeckte und dessen Erkenntnisse der Arbeitskreis im Buch „Wie kommt der Davidstern nach Dorfen“ zusammengefasst hat.

In fast jedem zweiten Haus in der Innenstadt waren zeitweise jüdische DPs einquartiert. Außerdem existierte in jenen Jahren in Dorfen ein Ausbildungs-Kibbuz, in dem sich die Überlebenden des Holocaust auf ein Leben in Palästina vorbereiteten. Beispielsweise in der sogenannten Blumengartenschule, in der von den US-Behörden zu diesem Zweck beschlagnahmten Villa des Ziegelfabrikanten Albert Meindl.

Die Dorfener mussten zusammenrücken. „Für beide Seiten war das nicht leicht.“ „Dass die Juden vor einem Jahr noch im KZ waren, und was das bedeutete, haben viele Leute nicht begriffen“, ergänzt Adalbert Wirz.

Trotz allem habe sich aber auch Rührendes zugetragen, zwischen den Einheimischen und den in Dorfen untergebrachten Überlebenden der Schoah. Im Jahr 1947 haben der polnische Jude Jakob Slawny und die waschechte Oberbayerin Elisabeth Dirscherl geheiratet. „Es gab schon einige Widerstände – von den Juden, die nicht verstanden haben, dass mein Vater eine deutsche Christin heiratete und umgekehrt natürlich auch, dass man einen polnischen Juden heiraten konnte“, erzählt Manfred Slawny, der in Moosen lebt. Die Kinder wurden katholisch getauft, doch zu Ostern gab es auch Jüdisches: ungesäuerte Pessach-Brote, die Mazzen. Und einmal im Jahr sind Vater Jakob und Sohn Manfred in die Synagoge nach München gefahren.

Über die Zeit im Konzentrationslager habe der Vater kaum gesprochen, so Slawny. Schon in früher Jugend begann er sich für die Geschichte der Nationalsozialismus zu interessieren: „Das ist wohl der Grund für mein heutiges politisches Engagement“, sagt der SPD-Ortsvorsitzende, der bei den Kommunalwahlen für das Bürgermeisteramt in Taufkirchen kandidiert.

Die Dorfener Geschichtswerkstatt hat sich der Spurensuche verschrieben, wird Georg Wiesmaier am Sonntag im Jakobmayer erklären: „Wir machen das, weil wir uns dagegen wehren, dass die Opfer und deren Leiden vergessen sind – aber die Täter mit Ehrenbürgerwürden und Straßen-Benennungen geehrt werden.“

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