Solarzellen nahe der Autobahn gibt es bereits in Weidmühle an der Landkreisgrenze zu Mühldorf. Diese Anlage soll erweitert werden. 
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Solarzellen nahe der Autobahn gibt es bereits in Weidmühle an der Landkreisgrenze zu Mühldorf. Diese Anlage soll erweitert werden. 

Freifeldphotovoltaikanlagen

Grünes Licht für Sonnenstrom rund um Dorfen

  • vonTimo Aichele
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Der Stadtrat Dorfen billigt vier von fünf Anträgen auf Errichtung von FreifeldphotDcovoltaikanlagen. In einer Grundsatzdebatte ging es um die Flächenkonkurrenz mit der Landwirtschaft.

Dorfen – Freifeldphotovoltaik gegen Landwirtschaft – diese Konfliktlinie wurde in der Dorfener Stadtratssitzung gezogen. Konkret ging es um die Ermöglichung von Sonnenstrom-Feldern auf fünf Teilflächen im Gemeindegebiet. Martin Heilmeier erklärte für die Landliste Dorfen-West, seine Fraktion sei grundsätzlich gegen Freiflächenphotovoltaikanlagen. „Die Landwirtschaft hat in unserer Gegend schon sehr viel Fläche durch die A 94 verloren. Die Landwirte kämpfen um jeden Quadratmeter“, sagte er. Bei den folgenden Abstimmungen setzte sich jedoch eine Mehrheit gegen diese Haltung durch.

Heilmeier trat eine Grundsatzdebatte los. Photovoltaik müsse in anderen Bereichen realisiert werden als ausgerechnet auf landwirtschaftlichen Flächen. So müsse die Nutzung von Böschungen an der Autobahn dafür möglich sein, doch dagegen würden sich Behörden sträuben. „Außerdem wird auf Dächern in Gewerbegebieten wenig gemacht“, kritisierte Heilmeier.

„Die Lage ist

so ernst, dass wir willige Investoren nicht stoppen dürfen“, widersprach ihm Heiner Müller-Ermann (SPD). Schließlich gebe es in Bayern für die dringend nötige Energiewende das zusätzliche Problem, dass Windkraft durch die 10H-Regel unmöglich gemacht worden sei.

In Bezug auf den Flächenbedarf für Landwirte gebe er Heilmeier schon recht, meinte Michael Oberhofer (CSU). „Aber wenn man die Energiewende und den Klimaschutz ernst nimmt, muss man die Interessenlagen austarieren.“ Die Freiflächenanlagen würden ja auch nur temporär stehen bleiben und „irgendwann zurückgebaut“.

Auch Umweltreferent Gerald Forstmaier (GAL) pflichtete einem Punkt in Heilmeiers Kritik bei. „Die Nutzung von Gewerbedächern wäre sicher der bessere Weg, aber das ist eine Entscheidung von Privaten.“ Die Politik könne hier keinen Zwang ausüben. Umgekehrt müsse sie Photovoltaik ermöglichen, wenn sie schon beantragt werde. Landwirte seien heute ja oft auch Energiewirte, sagte Forstmaier. „Es werden große Flächen mit Mais für Biogasanlagen bebaut.“ Allerdings brauche man hier für die gleiche Menge erzeugter Energie je nach Berechnungsart das 25- bis 65-Fache der Fläche wie bei Sonnenstrom.

Für eine erfolgreiche Energiewende müsse nach Angaben von Experten ein großer Anteil aus der Photovoltaik kommen. „Außerdem haben solche Anlagen auch positive Wirkungen für Artenschutz und Bodenerholung“, erklärte Forstmaier. Dort würden sich für Tiere und Pflanzen neue Lebensräume eröffnen.

„Wir eröffnen den Grundstückseignern die Möglichkeit“, erklärte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). Die Stadt ändere nur den Flächennutzungsplan. Die entsprechenden Bebauungspläne würden auf Kosten der Antragsteller aufgestellt. Ob dort dann tatsächlich Freifeldphotovoltaikanlagen entstehen, „ist die Entscheidung des Investors“, so Grundner.

Grünes Licht gab der Stadtrat vier von fünf Anträgen und folgte damit der fachlichen Bewertung durch die Stadtverwaltung. Kriterien waren hier unter anderem Naturschutz und die Bonitätsklasse der Ackerböden.

So wird auf einem etwa einen Hektar großen Gebiet bei Kaidach nahe der A 94 das Verfahren weitergetrieben. Insgesamt fünf Räte von LDW, GEM und AfD stimmten dagegen. Das Abstimmungsergebnis gab es für ein Gebiet bei Klachlhub sowie ein weiteres, aufgeteilt auf zwei Flächen nördlich und südlich der Autobahn bei Steinberg. Mehrheitlich positiv war auch der Beschluss für die Erweiterung der Freifeldphotovoltaikanlage bei Weidmühle um etwa 0,2 Hektar. Hier stimmte nur AfD-Rat Mirko Kamolz dagegen.

Einstimmig abgelehnt wurde die Sonnenstrom-Nutzung für eine Fläche bei Bonesmühle. Diese liegt laut Bauamtsleiter Franz Wandinger im Überschwemmungsgebiet der Goldach.

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