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Zeitraubend und kompliziert: Der Bau des Dorfener Hauses der Gesundheit

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Von: Timo Aichele

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Eine Begegnungsstätte wird das Haus der Gesundheit. Praxen, eine BRK-Tagespflege und ein inklusives Café mit einem 180 m2 großen Dachgarten sind geplant. An der abgeschrägten Nordecke ist der Eingang zur Passage zu sehen.
Eine Begegnungsstätte wird das Haus der Gesundheit. Praxen, eine BRK-Tagespflege und ein inklusives Café mit einem 180 m2 großen Dachgarten sind geplant. An der abgeschrägten Nordecke ist der Eingang zur Passage zu sehen. © Biersack Brunner

Im ehemaligen Kaufhaus Schmederer ist die komplizierte Entkernung abgeschlossen. Mitte September sollen am künftigen Haus der Gesundheit in Dorfen die Rohbauarbeiten beginnen.

Dorfen – Der Verkehr wälzt sich derzeit zähflüssig durch die Dorfener Innenstadt – und stockt vor allem am Wesner Tor. Mancher Fußgänger, der sich gleichzeitig mit einem Auto durch den Torbogen wagt, fragt sich vielleicht: Wird im früheren Kaufhaus Schmederer überhaupt gebaut? Es wird, versichert Projektentwickler Georg Scharl. Das von ihm dort geplante Haus der Gesundheit kommt Schritt für Schritt voran – und damit auch die Fußgängerpassage, die künftig den gefährlichen Gang durchs Wesner Tor erübrigen soll.

Im Juli 2021 hatte der Dorfener Bauunternehmer Scharl noch von einem möglichen Bezug im Frühjahr 2023 gesprochen. Nun nennt er diesen Zeitraum als Ziel für das Ende der Rohbauarbeiten. „Wenn’s optimal läuft“, ergänzt Bauingenieur Christian Brunner bei einer Besichtigung am Montag.

Die Sanierung des teilweise denkmalgeschützten Kaufhauses direkt am ebenso denkmalgeschützten Wesner Tor seien hochkomplex, erklärt der Planer vom Erdinger Büro Biersack Brunner. Bürokratische Verzögerungen hatten den Auftraggeber Scharl in der Vergangenheit regelrecht zur Weißglut getrieben. Der Abstimmungsprozess mit verschiedenen Behörden – vor allem mit dem Landesamt für Denkmalpflege – war äußerst zeitraubend. Und eine Kanalsanierung im benachbarten Herzoggraben hatte das Projekt weiter kompliziert.

Eine leere Hülle ist das Kaufhaus Schmederer nach der behutsamen Entkernung. Christian Brunner, Georg Scharl und Heinz Grundner (v. l.) sind zufrieden.
Eine leere Hülle ist das Kaufhaus Schmederer nach der behutsamen Entkernung. Christian Brunner, Georg Scharl und Heinz Grundner (v. l.) sind zufrieden. © Timo Aichele

Doch abgesehen von dem Zeitpunkt dieser Kanalbauarbeiten ab Ende 2021 haben Stadt und Unternehmer bei dem Projekt immer Einmütigkeit demonstriert. Bei der Vorstellung der Pläne für das Kaufhaus, in dem zuletzt bis Ende 2018 ein Gruber Outlet gewesen war, waren die Stadträte begeistert. Für diese „geniale Lösung“, wie im Oktober 2020 im Bauausschuss geschwärmt wurde, war das Gremium sogar bereit, den gesamten Kirchtorplatz fürs Parken zu sperren.

Denn das Konzept soll die Innenstadt in vielerlei Hinsicht bereichern. Das BRK will dort mit einer Tagespflege mit 20 Plätzen einziehen. Dazu kommen Ergotherapie und Arztpraxen, ein inklusives Café und eine Passage für die Fußgänger. Über 30 Metern soll sie mitten durchs Erdgeschoss führen. „Das wird eine innenstadt-optimale Nutzung“, schwärmt Bürgermeister Heinz Grundner am Montag beim Ortstermin.

Monatelang haben Bautrupps das historische Gebäude entkernt. „Und das in kleinteiliger Handarbeit“, berichtet Bauingenieur Brunner. Denn erstens musste erkundet werden, welche Materialien in dem 1910 errichteten und immer wieder umgebauten sowie erweiterten Kaufhaus verwendet wurden. „Man beprobt jedes Bauteil“, erläutert der Planer. Erst mit einem Laborergebnis werde dann entschieden, in welcher Schadstoffklasse die Materialien einzuordnen sind.

Am Ende habe die Firma Wurzer 150 Tonnen an Problemstoffen – von Heraklit, über verschiedene Dachpappen oder Dämmmaterialien – gesondert entsorgt, erläutert Brunner. Dazu kamen 804 Tonnen aus den „normalen Abbrucharbeiten“ durch die Firma Ostermaier.

Und zweitens mussten all diese Arbeiten möglichst erschütterungsfrei erledigt werden. „Denn das Wesner Tor hat höchste denkmalschutzrechtliche Priorität“, sagt der Ingenieur. Nicht auszudenken, wenn an dem historischen Wahrzeichen der Dorfener Innenstadt Risse entstünden, weil nebenan zu ruppig gearbeitet wird. „Normalerweise würde man viel rigoroser abreißen und zum Beispiel ganze Deckenbereiche einfach abstürzen lassen“, beschreibt Brunner.

Die Fassade des ehemaligen Kaufhauses ist denkmalgeschützt – das Innenleben nicht. Deshalb wurde entkernt, und deshalb darf die Fassade, wie nebenan am Wesner Tor, auch bei den weiteren Arbeiten keinen Schaden nehmen. Der Schlüssel dazu ist ein sogenanntes Leergerüst, das eine Spezialfirma ab September innen installiert. „Dieses Gerüst ist dann in der Lage, alles zu stützen“, weiß Brunner.

Auf der Baustelle geht es kompliziert weiter. Ab Mitte September müssen im Haus der Gesundheit viel Spezialfirmen eng koordiniert loslegen. Der Gerüstbauer, ein Spezialist für Einhängedecken in Abstimmung mit einem Rohbauunternehmen sowie eine Tiefbaufirma für die Fundamentarbeiten im Westen, wo der frühere Anbau bereits abgerissen ist.

Und dann werden die Bürger beim Vorbeifahren auch von außen mehr Aktivitäten an der Prestige-Baustelle sehen. Ab dieser Phase soll der Kirchtorplatz für schwere Maschinen gesperrt werden.

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