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Riesige Dimension: Das Meindl-Areal im Größenvergleich zu Dorfen. Dort soll ein neuer Stadtteil entstehen.

Umplanung Meindl-Areal

Dorfen hofft auf den „großen Wurf“

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Dorfen - Der Dorfener Stadtrat hat die 14. Änderung des Flächennutzungsplans auf den Weg gebracht. Die für die Stadt bedeutendste Entscheidung ist die Aufnahme des Areals der ehemaligen Ziegelei Meindl als Wohn- und Gewerbegebiet. Dort soll ein neuer, großer Stadtteil entstehen.

Die viereinhalbstündige Marathonsitzung am Mittwochabend begann mit einer Überraschung. ÜWG-Fraktionssprecher Josef Jung beantragte, die Überplanung des Meindl-Areals aus der Bauleitplanung der Stadt vorerst herauszunehmen. Da Dorfen vor allem Gewerbeflächen brauche, müsse der Stadtrat über die mögliche Nutzung des Firmengeländes der ehemaligen Ziegelei in einer Sondersitzung beraten. Unterstützung für seinen Antrag bekam Jung von den Stadträtinnen Dorette Sprengel und Ursula Frank-Mayer (Grüne) sowie Michaela Meister (SPD). 

Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) und Bauamtsleiter Franz Wandinger warnten vor einer Herausnahme des Areals aus der beabsichtigten Änderung des Flächennutzungsplanes. „Das ist nicht zielführend“, sagte der Stadtchef. Wandinger appellierte an den Stadtrat, diese für Dorfen „so bedeutende Fläche“ im Gesamtkonzept zu belassen. Die Aufnahme in den Flächennutzungsplan sei nur „der Start des Verfahrens“, Details, etwa zu Größe von Wohn- und Gewerbeflächen, könne der Stadtrat dann im Bebauungsplanverfahren festlegen. Gegen die Stimmen von SPD, Grünen und den ÜWG-Stadträten Doris Minet und Jung wurde der Antrag auf Herausnahme abgelehnt. 

Bauamtsleiter Wandinger bezeichnete das über 30 Hektar große Areal der ehemaligen Ziegelei „als hervorragende Fläche für Wohnen“. Dass dort der Eigentümer des Geländes, der belgische Baustoffkonzern Etex S.A. auf dem derzeitigen Gewerbegebiet auch große Flächen für Wohnen plane, könne „zum großen Wurf“ für die Stadt werden. Auch Bürgermeister Grundner warb für eine Zustimmung zu der vom Grundstückseigentümer vorgelegten Überplanung des Areals, da dies „eine zukunftsweisende Weiterentwicklung der Stadt“ bedeute. „Wir dürfen nicht den Mut verlieren. Es muss nicht alle so bleiben wie vor 150 Jahren“, sagte der Stadtchef. 

Landlisten-Sprecher Martin Heilmeier sieht in der Planung dagegen die Gefahr, dass Dorfen „eine Trabantensiedlung“ bekomme. Er plädierte für mehr Gewerbeanteil. Dem schloss sich auch Gewerbereferent Martin Greimel (CSU) an. Greimels Fraktionskollege Ludwig Rudolf beurteilte die Umplanung des Meindl-Areals dagegen als „hervorragende Sache“, da damit viel Druck aus dem angespannten Wohnungsmarkt genommen werden könnte. 

Auch die Grünen werteten das Vorhaben grundsätzlich positiv. Frank-Mayer forderte aber, „Nägel mit Köpfen zu machen“. Bei dem geplanten hohen Wohnanteil auf dem Meindl-Areal könne die Stadt durch eine Sozialgerechte Bodennutzung (SoBoN) endlich bezahlbaren Wohnraum schaffen. Bei diesem Modell werden bekanntlich Investoren oder Wohnbauunternehmen verpflichtet, einen bestimmten Anteil der Wohnungen zu vergünstigten Kauf- und Mietpreisen auf den Markt zu bringen. 

Stadtchef Grundner machte dazu deutlich, dass die Stadt im Falle Meindl „die gesamte Bandbreite spielen“ müsse, um bezahlbaren Wohnraum schaffen zu können. Neben SoBoN könnte auch das Einheimischen-Modell und sogenannte Folgekostenverträge Instrumentarien dazu sein. Bei Folgekostenverträgen müssen Investoren die Kosten, etwa für Kindergärten, ganz oder teilweise übernehmen, die der Stadt als Folge neuer Ansiedlungen für Anlagen und Einrichtungen des Gemeinbedarfs entstehen.

Für Unmut sorgte schließlich Heilmeier, als er beantragte, im mittleren Teil des Areals ein Mischgebiet als Puffer zwischen Wohn- und Gewerbebereich auszuweisen. Sein Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Gegen die Stimmen der beiden ÜWG-Räte Minet und Jung stimmte der Stadtrat schließlich dafür, die vorgeschlagene Änderung auf dem Meindl-Areal zu billigen und damit in die Behördenbeteiligung zu gehen.

Die 14. Änderung des Flächennutzungsplans im Gesamten wurde schließlich einstimmig beschlossen.

Die wichtigsten Änderungen in der Bauleitplanung Dorfens

Mit 26 Änderungen hat der Stadtrat die 14. Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) der Stadt Dorfen beschlossen. Regierung und Landratsamt haben teils gravierende Einwände gegen Flächen für Wohnen und Gewerbe vorgebracht. Der Regionale Planungsverband München dagegen sieht die Änderung sehr positiv: „Mit dieser FNP-Änderung stellt sich die Stadt Dorfen offensiv den Herausforderungen des Wachstumsdrucks und des dringlichen Wohnungsbedarfs in der Region München. Der RPV begrüßt dies ausdrücklich.“ 

Die größten Änderungen im Einzelnen:

Gewerbefläche bei Reithel: Die 15,69 Hektar große Gewerbefläche östlich und südlich der Firma HAWE und nördlich und südlich der Autobahntrasse wird trotz massiver Einwände von Regierung und Landratsamt weiterverfolgt. Die Stadtverwaltung hatte die Herausnahme vorgeschlagen. Umweltreferent Gerald Forstmaier (GAL) dazu: „Wenn ein Gewerbegebiet überhaupt sinnvoll ist, dann an der Autobahn.“ 

Wohnbebauung Obere Mooswiesen: Die elf Hektar Flächen in der Nähe der Isener Siedlung verbleiben im FNP. Viele Bürger haben aus Angst vor einer Verschärfung der Hochwassersituation Einspruch eingelegt. Dem wird dadurch Rechnung getragen, dass die Stadt vor einer Bebauung ein hydrogeologisches Gutachten in Auftrag gibt. 

Kiesabbaufläche westlich der Isener Siedlung: Die 21 Hektar große Abbaufläche wurde aus dem FNP gestrichen. Hier gab der Stadtrat Befürchtungen von Anwohnern nach, dass es über Jahre hinweg zu massiven Beeinträchtigungen durch Staub, Lärm und Verkehr komme. „Das ist der Bevölkerung nicht zuzumuten“, sagte CSU-Stadtrat Martin Bachmaier. 

Geländeverfüllung bei Prenning: Die 8,6 Hektar große Fläche für die geplante Geländeverfüllung wird im FNP um 30 Prozent verringert. Das Wasserwirtschaftsamt forderte die Herausnahme dieses Vorhabens aus dem FNP. Befürchtet wird eine Verschärfung der Hochwassersituation in Dorfen durch mögliche Erdabschwemmungen auf dem hügeligen Gelände. Vor allem Vize-Bürgermeister Günther Drobilitsch machte sich jedoch für den Landwirt stark, der das Gelände vermutlich mit Aushub der A 94-Baustellen verfüllen will.

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