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Hündchen Schampus kann stolz sein: Susanne und Michael Gelsheimer entsorgen auch fremde Exkremente: „Es ist eklig, wenn man auf der Wiese in einen Haufen tritt.“

Hundekot auf Straßen und Wiesen

Hundsgemein: Der Dorfener Ärger mit den Häufchen

Viele Herrchen und Frauchen nutzen die Kottüten nicht. Andere sammeln sogar die Hinterlassenschaften fremder Zamperl auf. Und  einige Dorfener ärgern sich.

Dorfen – „Jetzt reicht es“, dachte sich Renate Wilm aus Dorfen. „Als ich kürzlich aus dem Haus gehen wollte, lag ein dicker Hundehaufen direkt vor meiner Tür. Fast wäre ich reingetreten.“ Seit vielen Jahren ärgert sie sich schon über die Hundebesitzer, die den Dreck nicht in den vorgesehenen Tüten entsorgen. Auch pinkeln die Hunde ständig an ihre Hauswand: „Das ist eine Sauerei“, sagt die 54-jährige Friseurin. „Ich war so wütend, dass ich gleich ein Schild geschrieben und an das Gartentor gehängt habe, auf dem steht, dass die Hundebesitzer die Kacke zu entsorgen haben.“

Die Stadt Dorfen ist ein Paradies für Hunde. Sie haben Auslaufmöglichkeiten, auch ohne Leine – ob in Richtung Oberdorfen oder an der zentral gelegenen Birkenallee. Doch im hündischen Garten Eden gibt es Zwist: Viele Hundebesitzer lassen den Kot ihrer Vierbeiner liegen. Das ist nicht nur ein Ärgernis, sondern gefährdet die Gesundheit von Mensch und Tier.

In Dorfen gibt es nach Angaben der Stadt 600 Hunde –Tendenz leicht steigend. „Das Gros der Hundebesitzer ist vorbildlich und benutzt die Beutel in den aufgestellten Spendern“, sagt Anita Herbst, Fachbereichsleiterin des Dorfener Umweltamts. Auch stelle die Stadt an immer mehr Standorten Spender mit Abfalleimer auf. Für die Innenstadt ist ebenfalls eine Hundetoilette geplant.

Klare Ansage von Renate Wilm am Gartenzaun: „Das ist kein Hundescheißplatz. Entfernt die Scheiße selbst.“ Nach schlechten Erfahrungen hat sie den Zettel angebracht. Dabei hatte sie mal einen Dackel.

Das sei bitter nötig, meint Nadine Bischof, die in Dorfen arbeitet. „Ich hebe jedes Exkrement auf, auch von fremden Hunden“, so die St. Wolfgangerin, deren Pudel Hilde täglich dabei ist. Es sei die Angst vor Anfeindungen, die sie antreibe: „Die Leute meinen sonst, der Kot stammt von meinem Hund.“ Ihr Eindruck: „Es wird immer mehr.“ Im kleineren St. Wolfgang sei „die soziale Kontrolle größer. Man kennt sich“. Dennoch beobachtet sie auch in ihrem Heimatort immer wieder Hundekot-Sünder.

Die Stadt nimmt jährlich 29 000 Euro Hundesteuer ein. Für einen Hund werden im Jahr 40 Euro fällig, der zweite Hund kostet 50 und der dritte 75 Euro. Allein die Tütchen kosten die Stadt 3000 Euro pro Jahr – hinzu kommen die Kosten für den Bauhof, die Entsorgung und das Befüllen der Spender. Auch die Hundesteuermarken kosten. „Wir machen keinen Gewinn“, erklärt die stellvertretende Kämmerin Theresa Petrik.

„Ich würde sogar eine Strafe einführen – jeder, der Hundekot auf der Straße oder Wiese liegen lässt, sollte 20 Euro zahlen“, findet Zdenka Wehrberger, selbst Hundebesitzerin. Immer wieder klaubt sie die Notdurft fremder Hunde auf der Birkenallee oder im Park auf. „Mein Enkel spielt viel im Stadtpark, er wusste anfangs nicht, dass er da nicht reinlangen darf.“ Gerade an Kinderwagen oder Rollatoren bleibe Dreck hängen: „Das stinkt nicht nur und ist eklig. Senioren und Kinder schleppen den Kot ins Haus, inklusive Bakterien und Keimen.“

Die Krankheitserreger könnten gefährlich werden, erklärt Herbst. „Kommen Kinder auf Spielplatz oder Wiese mit Exkrementen in Berührung, können sie Durchfall oder Schlimmeres bekommen.“ Auch Landwirte würden sich immer wieder über Hundehaufen auf ihren Wiesen beschweren. „Der Hundekot kommt in Heuernte oder Silage, wird an die Kühe verfüttert – das Risiko für Krankheiten und Fehlgeburten erhöht sich drastisch.“

Seit Michael Gelsheimer einen Hund hat, weiß er, dass es nicht einfach ist, das Häufchen etwa im Dunkeln oder im Laub zu finden: „Ich achte aber drauf, nichts liegen zu lassen“, sagt das Herrchen von Schampus, einem Havaneser. Auch er hebt immer wieder fremde Haufen auf und tütet diese ein. „Überall hängen doch die Beutel.“

Sie habe nichts gegen Hunde, betont Friseurin Wilm: „Wir hatten selbst 16 Jahre einen Dackel, und ich liebe Tiere.“ Es seien ausschließlich die Halter, die sie anprangere. Freilich merkte sie nach ihrer Aktion, dass hinter ihrem Rücken getuschelt wurde. Doch seither seien die Hundebesitzer achtsamer: „Leider habe ich noch nie jemanden erwischt, ich würde ihn sofort zur Rede stellen.“

Michaele Heske

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