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Dorfens Innenstadt ist alles andere als barrierefrei: Gefährlich ist auch die steile Rampe am Rathauszugang in der Apothekergasse.

Alarmierende Schüler-Studie

„Dorfen ist kein bisschen barrierefrei“

Dorfens Stadtzentrum ist alles andere als barrierefrei. Eine Gruppe Schüler des hiesigen Gymnasiums hat sich in der Innenstadt umgesehen, dabei zahlreiche Mängel festgestellt und dazu eine beachtliche Fotodokumentation erstellt.

Dorfen – Neun Schüler der 10. Jahrgangsstufe aus dem evangelischen Religionsunterricht am Gymnasium Dorfen haben die Bereiche Altstadt, Krankenhaus und Bahnhof aus Sicht von Menschen mit Gehbehinderungen erkundet und dokumentiert. Das Ergebnis wurde jetzt im Bauausschuss des Stadtrates vorgestellt. Das Gremium war überrascht und sah sich zum Handeln veranlasst. „Die Situationen nimmt man als gesunder, mobiler Mensch gar so nicht wahr“, fasste Michael Oberhofer (CSU) zusammen.

Die Dokumentation ist im Rahmen eines praktischen Unterrichtsprojekts am Gymnasium entstanden, berichtete Pfarrerin Beate Moser. Sie habe die Gruppe dabei unterstützt. Zusammen mit den beiden Schülerinnen Laura Schneider und Johanna Oefele wurden die Ergebnisse präsentiert. Die Initiative sei entstanden, weil Moser von Seniorenreferentin Doris Minet (FW), auf das Thema angesprochen worden sei. Zudem stehe im Lehrplan die Thematik „tun und lassen“.

Zwei Tage waren die Schüler in ihrer Freizeit an stark frequentierten Orten in Dorfen unterwegs. Dabei untersuchten sie Alltagssituationen auf Gehsteigen, Zugängen und Abgängen zu wichtigen Einrichtungen sowie Plätzen aus dem Gesichtspunkt von Barrierefreiheit. Für die praktischen Tests nützten die Schüler Rollstuhl und Rollator.

Die Ergebnisse zeigten eine Reihe bautechnischer Mängel auf. In der Innenstadt seien einige Gehsteige und Pflasterbereiche für Rollstuhlfahrer oder Senioren mit einem Rollator sogar richtig gefährlich, erläuterten Oefele und Schneider. Die Gehwege in den Stadttoren seien für Rollstühle viel zu schmal. Da komme man nicht durch. Manche Einzelhandelsgeschäfte stellen ihre Kleiderständer auf den Bürgersteig, so dass auch da ein Durchkommen für Rollstuhlfahrer erschwert sei. Sonnenschirme und Stühle der Gastronomie auf dem Trottoir behindern ebenfalls. Hohe Borsteinkanten seien auch ein Problem und vor allem das Kopfsteinpflaster. Menschen, die mit Rollatoren unterwegs sind, täten sich da sehr schwer. Und auch die gepflasterte Wasserrinne um den Marienplatz sei ein Hindernis und erschwere selbst Rollstuhlfahrern, die geschoben werden, das Erreichen des Platzes. Bei der Ampel an der Marktkirche reiche die Grünphase nicht aus, um mit dem Rollator die Straße zu überqueren. Und selbst der Zugang zum Rathaus in der Apothekergasse sei nicht ideal. Dort gibt es zwar eine Rampe am Gehsteig, die aber sehr kurz und steil und deshalb „gefährlich“ sei. Auch der Zutritt zur Marktkirche sei alles andere als barrierefrei und behindertengerecht. Und auch eine Apotheke sei schwer mit den Rollstuhl zu erreichen. Immerhin gab es auch positive Eindrücke, wie die automatische Tür zur Poststelle im Marienhof oder zu den Banken.

Schwere Mängel haben die Schüler am Bahnhof festgestellt. Das Erreichen von Gleis 2 sei mit Rollstuhl eigentlich unmöglich. Der Zuweg führt über das tiefe Gleisbett 1, das keinerlei Rampe und hohe Stufen hat. Auch das erreichen des Bahnhofsgeländes über eine Bushaltestelle und Bahnhofstraße sei ein Problem, neben den schweren Schwingtüren zum Eingang. Nicht gerechnet habe man, dass der Zugang zur Kreisklinik Dorfen nicht voll behindertengerecht sei. Der Zugang über einen schmalen, steilen Gehweg sei nur schwer mit dem Rollstuhl zu schaffen. Einen barrierefreien Zugang gibt es am Hintereingang, der sei aber nirgends beschrieben. Moser und Schüler fassten zusammen: „Dorfen ist kein bisschen barrierefrei.“

Die umfangreiche Präsentation wurde im Bauausschuss sehr gelobt. Beschlossen wurde einstimmig, dass die Verwaltung eine Konzeption zur Barrierefreifreiheit im Stadtkern und wichtigen Plätzen entwickelt und die Fördermöglichkeiten prüft.

Hermann Weingartner

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