Ernste Gespräche – aber immerhin im Trockenen: Johannes Becher (r.) hörte sich die Sorgen von Isolde Freundl, Anita Hilz, Ulli Frank-Mayer(mit Hut) und Hanna Ermann (rote Jacke, vorne, v.l.) an; hinten Bernhard „Ernie“ Hrodek, der für die ganze Wanderung ausschließlich seine Lederhose dabei hat. 
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Ernste Gespräche – aber immerhin im Trockenen: Johannes Becher (r.) hörte sich die Sorgen von Isolde Freundl, Anita Hilz, Ulli Frank-Mayer(mit Hut) und Hanna Ermann (rote Jacke, vorne, v.l.) an; hinten Bernhard „Ernie“ Hrodek, der für die ganze Wanderung ausschließlich seine Lederhose dabei hat. 

Abgeordneter auf Schmankerl-Wanderung

Johannes Becher: „Lärm ist im Kreis Erding ein brutales Thema“

  • vonTimo Aichele
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Auf seiner „Schmankerl-Wanderung“  hat MdL Johannes Becher  bei Lindum Aktive des A 94-Widerstands getroffen.

Lindum – Für eine Wanderung ist Regen eigentlich nichts. Aber Johannes Becher muss ja. Der Grünen-Landtagsabgeordnete aus Moosburg erwandert den Kreis Erding und hat diesen Plan auch noch vorher publik gemacht. Dass das erste Treffen am Dienstagmorgen unter der Autobahnbrücke bei Lindum stattfand, war da ganz angenehm. Dankbar waren auch die 15 Aktiven des A 94-Widerstands, die gekommen waren, um Becher ihre Sorgen zu schildern. „Ihr habts eich a scheens Wetter ausgsuacht“, scherzte Becher zur Begrüßung, nahm die beschlagene Brille ab, und schon ging’s los mit der Diskussion.

„Heut Nacht um sechse war’s brutal. I hab dacht, i foi aus dem Bett“, pulverte Isolde Freundl über den Autobahnlärm bei ihr zuhause in Lindum. „Es is scho a Wahnsinn“, bestätigte Becher, der als Moosburger durchaus Krach von der A 92 kennt. Doch bei seinem Morgenmarsch vom Nachtquartier im Gasthaus Wailtl in Dorfen hat er die ganze Wucht des Autobahnlärms erlebt. Dabei waren auch sein Kumpel Bernhard „Ernie“ Hrodek, der ihn auf

der ganzen 155-Kilometer-Tour begleitet, und Fotograf Zeno Heilmaier, der ab und zu dabei ist.

Becher nennt seine Aktion Schmankerl-Wanderung. Seit dem Start am Sonntag habe er schon mehrere solche Schmankerl erlebt: darunter das Wiesenbrütergebiet in der Pottenau bei Langenpreising und „wie die Langenpreisinger hinter ihrem Dorfladen stehen“. Das Highlight dieser ersten zwei Tage sei der Besuch im Jakobmayer in Dorfen gewesen. Dort habe er Doris Minet kennengelernt, die erzählte, wie bei der Renovierung die Spuren jüdischen Lebens in Dorfen entdeckt und erforscht wurden. „Da hab i scho a bisserl Gänsehaut ghabt“, erzählte der 32-Jährige.

Der Termin an der A 94 fiel für den Moosburger eher unter die Kategorie „Schmankerl, auf dem man nicht so Acht gegeben hat“. „Lärm ist im Landkreis Erding ein brutales Thema“, sagte er zu den Anwesenden. Auch im Ortszentrum von Taufkirchen sei das zu spüren. „Wenn die uns dann auch noch die B 15 neu reinklatschen, dann ...“, sagte Freundl mit einem Stöhnen.

„Hat das Tempolimit was geholfen?“, wollte der Abgeordnete von den A 94-Betroffenen wissen. Die Anwohner antworteten eher ernüchtert. Vor allem die Lastwagen, die ohnehin nie die derzeit maximal erlaubten 120 km/h erreichen, seien das Problem. Die Grünen hätten von Anfang an Tempo 60 für Lkw auf der Strecke gefordert. „Wir setzen uns weiter ein“, versprach Becher. „Aber ich fürchte, dass der Kampf um einen vernünftigen Lärmschutz uns noch länger beschäftigen wird.“

Daher sei die Devise: „dranbleiben und Druck aufbauen“. Als Abgeordneter könne er im Landtag schriftliche Anfragen stellen, „mir müssen sie in vier Wochen antworten“. Daher bat er die Anwesenden, ihm die Fragen zukommen zu lassen, die sie schon bei der CSU-Landtagsabgeordneten Ulrike Scharf eingereicht hatten. Im September sei zudem ein Ortstermin mit weiteren Abgeordneten an der A 94 in der Gemeinde Buch geplant.

„Die müssen gar nichts tun“, meldete sich Martin Numberger aus Lindum ernüchtert zu Wort. Wahrscheinlich würden die Messungen ergeben, dass die Grenzwerte eingehalten werden, sagte der direkte Autobahn-Anrainer in Lindum. „Das fürchte ich auch. Dann müssen wir sie an der moralischen Verantwortung packen“, antwortete Becher.

Den Dorfener Debattenstand schilderte Grünen-Stadträtin Ulli Frank-Mayer: „Wir müssen im Stadtrat erst einmal die Ergebnisse der Lärmmessung vorgestellt bekommen. Dann können wir reagieren.“ Sie könne nicht verstehen, „dass es überhaupt keine Geschwindigkeitskontrollen gibt“. Das sei auch ein Punkt für eine Nachfrage, meinte Becher.

„Wir haben die Autobahn ja nicht so gekriegt, wie es 2009 vor Gericht ausgehandelt worden ist“, kritisierte Freundl. „Denn dann hätten wir Flüsterasphalt auf der ganzen Strecke, Lärmschutzwände und höhere Wälle.“

Hanna Ermann von den Dorfener Grünen mahnte insgesamt eine Verkehrswende an. Becher stimmte zu. Seit Corona würden viele Firmen darauf verzichten, Mitarbeiter für Halb-Stunden-Meetings in Flugzeuge zu setzen, sagte der Kämpfer gegen die dritte Startbahn. Das sei ausnahmsweise etwas Gutes an der Pandemie. Wenn das so bliebe und eventuell mehr Menschen von zuhause aus arbeiteten, „wäre das auch eine Chance für den ländlichen Raum“, meinte Becher. Er und Hrodek seien auch an vielen Orten vorbeigekommen, in denen der letzte Wirt zugemacht und kein Kramerladen mehr auf habe.

Nach einer guten Stunde fragte der Abgeordnete seinen Wanderfreund: „Ernie, haben wir noch Zeit? Ernie hat die Zeitpeitsche. I ratsch ja so gern.“ Tatsächlich warteten schon Franz Leutner und Anton Empl darauf, Becher die Situation im Flüchtlingsheim nebenan erläutern zu können. Und das war am Dienstag noch lange nicht alles: Esterndorf, Lengdorf und Isen standen noch auf dem Plan. Und damit hat Becher noch nicht mal die Hälfte der Wander-Tour abgearbeitet. Immerhin: Das Wetter soll wieder besser werden.

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