Timo Aichele, stellv. Redaktionsleiter Erdinger/Dorfener Anzeiger

Kommentar

Klima-Debatten sind in Dorfen viel mehr als heiße Luft

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Fridays for Future war in Dorfen wieder ein beeindruckendes Zeichen, dass die Jugend Veränderung will.  Doch der Dorfener Stadtrat arbeitet auf seiner Ebene schon lange an diesen Themen.

Wednesdays for Future, also Mittwoche für die Zukunft – das heißt es in Dorfen bereits seit 2014. Da war Greta Thunberg gerade einmal elf Jahre alt. Denn das, was der damals geschaffene Umwelt-, Natur- und Klimaausschuss an den regulären Sitzungstagen, also mittwochs, auf die Tagesordnung nimmt, ist für die kommunale Ebene vorbildlich.

Debatten über Ökostrom sind in anderen Stadt- und Gemeinderäten beim Hinweis auf Mehrkosten schneller vorbei als sie begonnen haben. Das Dorfener Signal, diese Extraausgaben auf jeden Fall für die Umwelt einzusetzen, sucht seinesgleichen. Diesem Beschluss ging in der Sitzung eine vorurteilsfreie Diskussion darüber voraus, ob Ökostrom wirklich so öko ist. Nun warten die Räte auf eine Experten-Antwort auf diese Frage – und entscheiden dann.

Die Zuschauerkulisse im Sitzungssaal war mager (ein Pressevertreter, zwei weitere Zuhörer). Schade. Dabei hatte das Ganze auch politischen Unterhaltungswert. Michael Oberhofer zitierte fast schon mit Gewalt den obersten Klimaschützer im Freistaat, seinen CSU-Ministerpräsidenten Söder. Das provozierte wiederum Heiner-Müller-Ermann (SPD) zu einer Tirade über das „Desaster nach Plan“, das Bayern mit der 10H-Regelung für Windkraftanlagen angerichtet habe, und weitere Missstände, die nichts mit Umweltproblemen zu tun haben. Beides führt erst einmal zu genervtem Kopfschütteln auf der jeweils anderen Seite des Sitzungssaals – und damit nicht gerade zu den nötigen Entscheidungen im Interesse kommunaler Klima-Politik.

Der Ausschuss diskutierte sonst aber ideologiefrei. Den jungen Demonstranten bei Fridays for Future sei der Besuch der nächsten Sitzung am 26. Februar dringend empfohlen.

Fridays for Future ein Erfolg

Magerer Besuch? Davon war bei Fridays for Future in Dorfen nichts zu spüren. Trotz nasskaltem Nieselwetter zogen gut 300 Demonstranten durch die Stadt – und damit zugegebenermaßen weniger als bei der ersten Dorfener Klima-Demo im September. Aber da hatte auch nicht zeitgleich eine Kundgebung in Erding stattgefunden, von wo einige nach Dorfen gefahren waren.

Wer jetzt gleich wieder damit anfängt, dass vorzugsweise vormittags demonstrierenden Jugendliche ja nur Schulschwänzer und Schönwetter-Aktivisten seien, möchte nur ablenken: von der eigenen Untätigkeit seit der Jugend bis heute. Denn es ist ein großes Verdienst von Greta und ihren Mitstreitern, dass dieses Zukunftsthema endlich so breit diskutiert wird, wie es das verdient hat. Und ganz ehrlich: Hätten die Klima-Demos so viel Wucht entwickelt, wenn sich die Schüler brav an ihre Unterrichtszeiten gehalten hätten?

Die Redner zeigten, dass sie bei allen Forderungen an die große Politik auch vor der eigenen Haustüre kehren. Ein Hinweis ans junge Publikum wäre vielleicht noch wichtig gewesen. Das Internet ist ein riesiger Energiefresser. Wäre es ein Land, hätte es weltweit den sechstgrößten Stromverbrauch. Weniger Smartphone, mehr Klimaschutz – ob dieser Slogan so gut angekommen wäre?

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