Timo Aichele, stellv. Redaktionsleiter

Ehrlichkeit in der politischen Debatte

Kommentar: Fluch und Segen der Autobahn

  • vonTimo Aichele
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Nach wie vor scheinen alle Kommunalpolitiker entlang der Isentaltrasse einig zu sein in ihrem Protest. Doch die A94 bringt auch Gutes. Es gehört zur politischen Ehrlichkeit, beide Seiten anzuerkennen.

Fluch und Segen der A 94 – jeder Kommunalpolitiker, eigentlich jeder Bürger, muss eine Antwort auf diesen Widerspruch finden. Einerseits bringt die Isentaltrasse neue Belastungen in ein früheres Idyll. Andererseits macht die Straße die Region attraktiv für Arbeitgeber. Es ist das Schicksal der gesamten Boom-Region entlang der Autobahnen 92 und 94, einiger Bundesstraßen, der Bahnlinien und nicht zuletzt rund um den Flughafen.

In der Dorfener Stadtratssitzung wurden diese Konfliktlinien deutlich– ganz ohne Spalterei mit einem nüchternen Bericht über die Wirtschaftsentwicklung der Stadt. Gewerbereferent Martin Greimel (CSU) machte klar: Ohne die Autobahn wären die Lücken nicht so schnell zu schließen, die 2016 die Schließungen von Creaton (70 Jobs) und Hawe (130 Jobs) auf dem Arbeitsmarkt gerissen haben.

Auf der anderen Seite stellte sich das ganze Gremium – vollkommen zurecht – hinter die Forderungen der Grünen Ulli Frank-Mayer für besseren Lärmschutz. Nur Michael Oberhofer (CSU) konnte das Zündeln nicht lassen und übte Kritik an Tempolimits auf Autobahnen.

Andere Zweifel wurden zumindest nicht ausgesprochen. Klar ist aber: Die Bürger haben Ehrlichkeit verdient. Wer jetzt als Politiker die Welle der Empörung reitet, darf das nicht aus reinem Opportunismus tun. Gleichzeitig müssen die Verantwortlichen am Tag X den Betroffenen reinen Wein einschenken, sobald klar ist, dass nicht mehr rauszuholen war.

Ehrlich streiten und ehrlich bittere Wahrheiten aussprechen – die Lärmdebatte an der A 94 ist der nächste Prüfstein, an dem sich die Politik messen lassen muss.

Herausforderungen der A 94-Debatte

Timo Aichele

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