Timo Aichele, stellv. Redaktionsleiter

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Kommentar: Stadtratsdebatte über Schein-Probleme

  • vonTimo Aichele
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Politik  und Kirche haben etwas gemeinsam. Sie sollten für die Menschen da sein. In Dorfen zeigt sich das an zwei Beispielen, wo es gut oder auch weniger gut gelingt. Unser Kommentar.

Pfarrer Johann Wieser führt mit seinem Beispiel vor Augen: Um für seine Herde ein guter Hirte zu sein, reicht die Priesterweihe bei weitem nicht aus. Die Mitglieder einer Kirchengemeinde erwarten und erhoffen sich von ihrem Pfarrer Menschlichkeit, Herzenswärme und großes Pflichtbewusstsein. All das ist bisher bei dem nun erkrankten Ruhestandspfarrer zu finden.

Fehlt es aber an dieser Stelle, ist das der nächste Tropfen der Entfremdung zwischen Kirche und Bevölkerung. Sobald dieses Fass überläuft, kehren auch die Gläubigsten der Amtskirche den Rücken.

Der betagte Ruhestandspfarrer hat hier in den vergangenen zwei Jahren manche Lücke geschlossen. In ihm hatten viele Dorfener den Seelsorger, den sie brauchten. Nach seiner Genesung wird der 88-Jährige wieder bereit sein für die Pflicht – seinen Dienst als Unterstützer eines den Menschen zugewandten Stadtpfarrers.

***

Für die Menschen da sein – das ist auf einer anderen Ebene auch die Pflicht der Kommunalpolitik. Die Dorfener Stadträte stellen sich dieser Aufgabe mit Leidenschaft. Das wird immer wieder in Ratsdebatten deutlich. Hier wird leidenschaftlich argumentiert und zuweilen gestritten – zuletzt darüber, ob die geplante Beamtenakademie neben dem Tonwerk der gewünschten Tieferlegung der Bahntrasse im Weg steht.

Hier wird ein Problem herbeigeredet, das keines ist. Nach Jahrzehnten der Planung ist es höchst unwahrscheinlich, dass ausgerechnet in den nächsten acht Jahren die Baumaschinen anrücken. Und durch die Vereinbarung, dass die Holzgebäude versetzt werden, sobald der Bahnausbau kommt, wären sie auch dann kein Hindernis für die Gleisarbeiten. Das kapieren auch Beamte im Bundesverkehrsministerium.

Es ist ohnehin höchste Skepsis angebracht, ob die Entscheider in Berlin wirklich den Plan der Bahn verwerfen und dem eines kleinen Münchner Büros zustimmen werden. Da sind ein paar Schulgebäude in Holzbauweise das geringste Problem. Auch im Stadtrat wird es Bürgervertreter geben, die ein Scheitern der Präferenzlösung für mehr als wahrscheinlich halten. Es ist ehrenwert und zielorientiert, wenn das nicht mehr ständig öffentlich zerredet wird.

Zerredet werden aber die Pläne des Investors auf dem ehemaligen Meindl-Areal. Die Beamtenschule wird wohl niemals wegen neuer Bahnplanungen versetzt werden müssen. Auch deswegen ist es nur legitim, dass er eine Nutzung nach seinen Vorstellungen umsetzt. Das gehört zum Gesamtbild, dem die Stadträte gerecht werden müssen – um so für die Dorfener da zu sein

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