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Hoffen, das jetzt endlich Frieden einkehrt: (v. l.) Levent Kosva mit Frau Maria und Sohn Eliyas und Kundin Bea Höfner, die für den Erhalt des Antalya Marktes einen Unterschriftensammlung veranstaltet hat. 

Einziges Lebensmittelgeschäft in der Dorfener Innenstadt

Kunden kämpfen für ihren Antalya-Markt

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Der Antalya-Markt in der Dorfener Innenstadt stört die Nachbarschaft. Für die Kunden ist das nicht nachvollziehbar.

Dorfen – Levent Kosva ist ein fleißiger und freundlicher Mann. Vor etwas mehr als einem Jahr hat er sich einen Traum erfüllt, und am Johannisplatz ein Geschäft eröffnet. In seinem „Antalya Supermarkt“ verkauft er frisches Obst und Gemüse, frische Fische sowie türkische Lebensmittel und Imbisse wie Döner. Nachbarn haben damit scheinbar ein Problem. Denn monatelang wurde versucht, den 45-Jährigen aus dem Laden zu mobben.

Um wen es sich bei dem „freundlichen Nachbarn“ handelt, das weiß der Geschäftsmann nicht. Das wurde ihm auch vom Landratsamt nicht gesagt, das mehrere Beschwerden prüfte. Die Vorwürfe waren massiv.

Lieferfahrzeuge, Privatparkplätze und Kühlanlagen: Alles Probleme für die Nachbarschaft

Mal wurde behauptet, Kosva betreibe einen gastronomischen Betrieb mit Freischankfläche. Dann wurde ihm vorgeworfen, Lieferfahrzeuge würden frühmorgens Waren anliefern und die Nachtruhe stören. Dann war es wieder die Behauptung, Kunden des Antalya-Marktes würden Privatparkplätze blockieren. Schließlich ging es um ein Aggregat einer Kühlanlage des Ladens, das angeblich weit über dem zulässigen Wert Lärm produziere.

Der Geschäftsmann und seine Frau Maria können das alles nicht verstehen. Denn alle Vorwürfe seien völlig aus der Luft gegriffen. Eine Freischankfläche gibt es nicht, die Parkplätze vor seinem Laden sind öffentliche Parkflächen und seine Waren werden nicht geliefert, die kauft Kosva persönlich ein. Und was das Aggregat betrifft, das sei schon bei seinem Vorgänger in Betrieb gewesen – ohne dass sich offenbar jemand beschwert habe. Die Lärmbelästigung von der Straße und vom benachbarten Café mit Tischen im Freien sei um ein X-faches höher, als die von dem Aggregat.

Unterschriftenaktion für den Erhalt des Antalya-Marktes

Das Landratsamt schickte einen Kontrolleur, wie Kosva berichtet. Der habe gedroht, seinen Laden wegen einer fehlenden Genehmigung für einen Gastronomiebetrieb und nicht vorhandenen, zum Markt gehörenden Stellplätzen, zuzusperren. Doch Levent hat keinen Gastrobetrieb, sondern einen Lebensmittelladen mit Imbiss.

Als die nebenan wohnende Bea Höfer (82) von dem Konflikt erfuhr, ging alles ganz schnell. Die Rentnerin, die vom ersten Tag an Kundin im Antalya-Markt ist, startete eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Geschäftes. „Wir alle hier in der Innenstadt sind sehr froh, dass es den Markt gibt“, sagt sie. „Hier bekomme ich meine Grundnahrungsmittel. Die Betreiber sind nette Leute, sind freundliche Leute. Ich kauf hier sehr, sehr gerne ein.“ Gerade für Senioren sei es ein Segen, in der Innenstadt einkaufen zu können und nicht ständig zu den Verbrauchermärkten am Stadtrand gehen zu müssen.

Das einzige Lebensmittelgeschäft in der Innenstadt

Knapp 50 Anwohner haben mit ihrer Unterschrift das Anliegen von Höfer unterstützt. Darunter auch Georg Eberle. Er betreibt in der Nähe in der Erdinger Straße ein Camping-Fachgeschäft. „Jetzt haben wir in der Innenstadt sowieso nichts mehr zum Einkaufen, dann haben wir einen da, der ein großes Angebot an Lebensmitteln hat, und dann soll der weg.“ Für ihn völlig unverständlich, dass nicht der von den Café-Gästen ausgehende Lärm als störend empfunden wird, sondern der von der Kühlanlage.

Lärmmessung mit hohen Werten

Das Landratsamt hat auf Anfrage bestätigt, das unter tags eine Lärmmessung durchgeführt wurde. Dabei habe sich ergeben, dass der Geräuschpegel mit etwa 70 dB(A) „sehr hoch war und insofern eine Überschreitung der Immissionsrichtwerte nach TA Lärm von 45 dB(A) in der Nacht gegeben ist, da die Klima-/Kühlaggregate ganztags in Betrieb sind“, wie Behördensprecherin Nicole Tietze mitteilt. Da diese Aggregate offen seien, könne „der viel zu hohe Geräuschpegel aber ganz leicht eingedämmt werden“, in dem eine Einhausung erfolge. Das sei mit dem Betreiber des Antalya-Marktes auch vereinbart worden. „Eine Geschäftsschließung stand seitens des Landratsamtes nicht im Raum“, beteuert Tietze.

Kosva wird das Aggregat jetzt in den nächsten Wochen einhausen. Er hofft, dass dann endlich Frieden einkehrt.

Anton Renner

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