Unter Corona-Bedingungen arbeitet Sabine Heidrich im Physio-Zentrum Dorfen. 
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Unter Corona-Bedingungen arbeitet Sabine Heidrich im Physio-Zentrum Dorfen. 

Ganz nah am Menschen

Leere Praxen, vorsichtige Patienten: Physiotherapie in Corona-Zeiten

Erst langsam läuft es bei Physio- oder Ergotherapeuten, Fußpflegern und Logopäden wieder an. Heil-Profis aus Dorfen berichten. 

Dorfen – Besonders hart hat die Corona-Krise die Heilberufe getroffen. Denn Praxen für Physio- oder Ergotherapie, aber auch Fußpfleger und Logopäden, fielen aus dem Soforthilfe-Paket raus und bekamen keine staatliche Unterstützung. Patienten wiederum, die dringend auf eine Gesundheitstherapie angewiesen waren, erhielten weder in Praxen noch zuhause Behandlungen. Dadurch haben sich oftmals Heilungsprozesse deutlich verlängert.

Die Praxis „steht nicht mehr auf gesunden Füßen“, berichetet Sabine Heidrich vom Physio-Zentrum Dorfen. „Seit Ende April arbeiten wir wieder.“ Die Soforthilfe für Selbstständige wurde abgelehnt. „Wir rechnen immer erst im Folgemonat die Rezepte ab – und somit standen wir bei Antragstellung noch gut da, fielen deshalb durchs Raster. Uns trifft der Verdienstausfall also erst im Juni, Juli.“

Diese Verzögerung sei allerdings nicht berücksichtigt worden, erzählt die Physiotherapeutin, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Alexander Toth das Gehalt für elf Vollzeitstellen in den beiden Praxen in Dorfen und Taufkirchen zahlen muss: „Unsere Mitarbeiter sind noch in Kurzarbeit.“

Im Therapiezentrum Taufkirchen sei die Praxis nach der Öffnung sehr gut angelaufen, in Dorfen kämen die Patienten indes nur schleppend zu den Behandlungen: „Warum auch immer – die Dorfener haben mehr Angst vor einer Infektion mit Covid-19.“ Als Physiotherapeutin ist man nah am Patienten, kann keinen Abstand halten.

Das war auch das Problem während des Lockdown. „Wir haben keine Hausbesuche gemacht.“ Und visuelle Krankengymnastik via Videochat sei kaum möglich, wenn nicht sogar schädlich. „Ich kann nicht über Video sagen, drück mal auf den Wirbel am Rücken drauf.“ Wer allerdings einen Schlaganfall hatte oder einen frischen Bruch, wurde in der Corona-Zeit zügig aus dem Krankenhaus entlassen. „Ohne anschließende Krankengymnastik und Physiotherapie können sich Heilungsprozesse um ein Vielfaches verlängern.“

Auch der Dorfener Ergotherapeut Thomas Stürzl konnte über viele Wochen nicht für seine Patienten da sein. In seine Praxis kommen viele Kinder. „Hier in Dorfen haben die Kinder lange nicht so gelitten, wie in den Großstädten“, meint Stürzl. Die Kleinen konnten sich beispielsweise im Garten beschäftigen. „Wir haben telefonisch Kontakt gehalten, das war aber natürlich kein Ersatz.“

Josef Johannes Zitzmann aus Erding, der in einem Leserbrief auf die schwierige Situation der Gesundheits- und Heilberufe aufmerksam machte, weiß, dass man mit zunehmendem Alter auf genau diese Berufsgruppe dringend angewiesen ist. „Ich bin Diabetiker“, sagt der 69-Jährige, „ich brauche meine Fußpflege – alleine helfen kann ich mir nicht“.

Michaele Heske

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